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  • 04.10.2017
  • von Marie Rövekamp

Automatisierung: Post testet Begleit-Roboter für Briefträger

von Marie Rövekamp

In zunächst zwei Zustellbezirken wird das Gefährt den Boten hinterher fahren - mit bis zu 150 Kilo Briefen und Paketen an Bord. Foto: Swen Pförtner/ dpa

Die Post und andere Logistiker testen die Zustellung per Roboter. Weil der Online- und Lieferhandel wächst und wächst, fehlt es vielerorts an Mitarbeitern.

In der nordhessischen Kleinstadt Bad Hersfeld werden ein paar Zusteller der Deutschen Post verfolgt – und das freiwillig. Das Unternehmen testet dort sechs Wochen lang den Einsatz eines Roboters, Postbot genannt. In zwei Zustellbezirken wird das vierrädrige, 1,50 Meter hohe Gefährt den Boten hinterher fahren. Es könne bis zu 150 Kilo Briefe und Pakete transportieren, stoppe vor Hindernissen und überwinde Bordsteine. Mittels Sensoren erkennt er die Beine der menschlichen Postboten und folgt ihnen in Schrittgeschwindigkeit.

Als der elektrisch fahrende Roboter am Mittwoch vorgestellt wurde, hieß es sofort: Niemand muss ihn fürchten! Er solle keine Mitarbeiter ersetzen, keine Jobs gefährden. Er helfe den Kollegen nur beim Schleppen und Austragen. „Es geht darum, den Menschen zu unterstützen, länger fit zu bleiben“, sagte Konzernvorstand Jürgen Gerdes.

In einigen Tausend Zustellbezirken in Deutschland muss die Post immer zu Fuß ausgetragen werden. Eine Zustellerin sprach von 11 000 bis 14 000 Schritten pro Arbeitstag. Der Postbot könnte dafür sorgen, dass die Boten dabei wenigstens keinen schweren Karren mehr hinter sich herziehen müssten. Personenbezogene Daten erhebe und speichere der Roboter nicht. Zu weiteren technischen Details und den Kosten wollte Gerdes aus Wettbewerbsgründen nichts sagen.

Es fehlt an Zustellern und Fahrern

Immerhin ist die Deutsche Post nicht allein mit der Idee. Foodora, Domino’s, Mediamarkt Saturn und Hermes testen sogar gänzlich autonome Lieferroboter. Hermes hat sein Pilotprojekt in Hamburg vor gut einem Jahr begonnen und kürzlich abgeschlossen. Die ferngesteuerten „Paketboten“ brachten den Kunden, was sie bestellt hatten, und nahmen wieder mit, was sie nicht haben wollten.

Entwickelt worden ist die Maschine von dem estnischen Start-up Starship Technologies. Im Moment wertet Hermes den Versuch aus. Wenn er die entsprechenden Genehmigungen bekomme, hält es Konzernchef Hanjo Schneider für möglich, im nächsten Jahr in fünf bis zehn Städten die Zustellung per Roboter zu starten. Noch gibt es in Deutschland kein Gesetz für die autonom betriebenen Lieferanten. In den zeitlich und räumlich begrenzten Tests haben sie daher auch immer eine Begleitperson.

Weil der Online- und Lieferhandel wächst und wächst, fehlt es vielerorts an Mitarbeitern. Bis 2020 werden in Deutschland 30 000 bis 50 000 Fahrer fehlen, prognostiziert das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik. Die Roboter könnten das Problem der Unternehmen also lösen, und das auch noch, ohne über Arbeitszeiten, schlechtes Wetter und zu wenig Geld zu klagen.

Verdi begrüßt das Vorhaben der Post

Bei der „Roboter-Dichte“ liegt Deutschland weltweit auf Platz drei hinter Südkorea und Japan. Eingesetzt werden sie vor allem in Fabrikhallen, aber auch im Handel und der Pflege. So wurde vor zwei Wochen in der Uniklinik Halle der Pflegeroboter „Pepper“ vorgestellt. Laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben hierzulande zwölf Prozent der Beschäftigten ein hohes Risiko, ihren Arbeitsplatz durch Automatisierung zu verlieren. Auch wenn dies bedrohlich klingt, betonen Arbeitsmarktexperten, dass gleichzeitig neue Jobs entstehen werden. Selbst Gewerkschaftler sehen in der Digitalisierung noch nicht das Ende der menschlichen Arbeit.

Zum Versuch der Post sagte Sigrun Rauch, zuständig bei Verdi für Postdienste, Speditionen und Logistik: „Hohe Gewichte sind für die Beschäftigten in der Zustellung ein Problem. Man begrüße deswegen den Versuch mit dem Begleitroboter, vor allem wenn solche technischen Hilfsmittel dazu beitrügen, die körperliche Belastung der Beschäftigten zu verringern. „Eine Sorge vor dem Verlust von Arbeitsplätzen haben wir nicht“, sagt Rauch außerdem. Der Roboter komme ja alleine gar nicht an die Briefkästen heran. (mit dpa)

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