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  • 03.10.2017
  • von Marie Rövekamp

Druck in der Textilbranche: H&M will sich wieder einmal neu erfinden

von Marie Rövekamp

In Kopenhagen hat die erste „Arket“-Filiale Anfang September eröffnet – ohne Schaufenster, aber mit einem eigenen Café. Demnächst gibt es einen Laden in München. Foto: Theresa Münch/dpa

Zum 70. Geburtstag eröffnet die erste deutsche „Arket“-Filiale. Ein Grund ist der zunehmende Druck in der Textilbranche.

Zu seinem 70. Geburtstag hat H&M einen Wunsch: Anders sein, nicht mehr so H&M-mäßig. Das 1947 gegründete schwedische Unternehmen eröffnet Mitte Oktober den ersten „Arket“-Laden in Deutschland. Nach London, Kopenhagen und Brüssel soll es die qualitativ hochwertigeren und gleichzeitig teureren Kleidungsstücke der neuesten Marke auch in München geben. Für Käufer, die auf Nachhaltigkeit achten statt sich schnell und günstig den Kleiderschrank zu füllen. Wofür H&M einmal stand.

Im dritten Quartal musste der Konzern einen deutlichen Gewinnrückgang verbuchen. Die Modebranche befinde sich im Umbruch, muss Unternehmens-Chef Karl-Johan Persson eingestehen. Sein Vater, Gründer-Sohn und Aufsichtsratschef Stefan Persson, feiert am 4. Oktober seinen Geburtstag. Er wird 70, genauso alt wie H&M. Mit der mittlerweile siebten Marke versucht das Modeunternehmen, dem wachsenden Druck in der Branche entgegenzuwirken. Wieder einmal.

Mehr als 4500 Filialen in 64 Ländern

Erling Persson reiste 1946 in die USA, kam mit der Idee zurück, günstige Kleidung anzubieten, und eröffnete am 4. Oktober 1947 im schwedischen Västerås sein erstes „Hennes“-Geschäft. Mittlerweile betreibt H&M mehr als 4500 Filialen in 64 Ländern, will weiter expandieren und zugleich das Online-Geschäft ausbauen. Nur: Das klassische H&M-Format komme langsam an seine Grenzen, sagt Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE. „Arket“ sei „ein neuer Versuch, mit einem hochwertigeren Angebot an den Markt zu gehen“.

Mit diesem Konzept begann H&M schon 2007 mit „Cos“ und machte 2013 mit „& Other Stories“ weiter. Auch diese Marken sollten ein anderes Publikum ansprechen als H&M es eigentlich tut. Was dafür spricht: Konkurrenten wie Primark, Zara und Tk-maxx sind H&M im Billig-Geschäft auf den Fersen – und „slow fashion“ als Gegenentwurf zum Massenkonsum wächst. „Kunden sind heute in bestimmten Situationen bereit, etwas mehr für ein Produkt zu bezahlen, auch wenn man grundsätzlich auf den Preis achtet“, sagt Hansjürgen Heinick, Textilhandelsfachmann beim Kölner Institut für Handelsforschung (IFH), zu den Chancen der neuen Kette.

Immer weniger Kunden kommen in Filialen

Bei einem Gesamtvolumen von rund 56 Milliarden Euro hatte der gesamte deutsche Bekleidungsmarkt im vergangenen Jahr lediglich um rund ein Prozent zugelegt; gewinnen konnte nur der Onlinehandel. In diesem Jahr ging es für H&M mühsam weiter. Der Umsatz wuchs schwächer als geplant. Der Konzern müsse schneller und flexibler werden, forderte Vorstandschef Persson. Vor kurzem räumte er ein, es kämen immer weniger Kunden in die Läden. Also musste eine neue Idee her.

In Kopenhagen hat die „Arket“-Filiale, die es dort seit September gibt, kein Schaufenster. Der Markenname steht nicht groß über der Tür, sondern neben dem Fenster, unauffällig in dünnen schwarzen Lettern auf weißem Grund. Im Innern finden Kunden eine recht kleine Kollektion vor. Die Stücke bestehen beispielsweise aus Merino und Alpaka. Die H&M-Gruppe greift, wie sie sagt, eine Tendenz auf, die bisher eher Designer und Läden wie „The Store“ im Berliner Soho-Haus lebten, die aber im mittleren Preissegment noch nicht so richtig angekommen war. Wer hier einkauft, so stellen es sich die Erfinder zumindest vor, soll die geschäftige Einkaufsstraße hinter sich lassen. Statt zu hetzen, könne sich der Kunde in Ruhe umschauen und dann im Café der Filiale entspannen. Dahinter steckt auch der Gedanke: Warum soll man noch in ein Geschäft gehen, wenn man doch alles online kaufen kann?

Was bei „Arket“ noch anders ist: Neben H&M-Produkten werden etliche Fremdmarken ins Sortiment integriert – beispielsweise Converse Chucks, Steiff-Kuscheltiere oder eine Pfeffermühle von Peugeot. Statt eines Namens hat alles, was in den neuen Filialen im Regal liegt, zudem eine neunstellige Nummer. Die Erfinder versuchen so, das stationäre Geschäft mit der Internetseite zu verknüpfen. Man könne einmal entdeckte Produkte viel leichter wieder finden, heißt es, und jedes Produkt gebe so Auskunft darüber, in welcher Fabrik es hergestellt wurde. mit dpa

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