18.10.2017, 18°C
  • 22.01.2013
  • von Claudia Keller

Abtreibungsgegner schicken Detektive in Kliniken

von Claudia Keller

Die Ablehnung einer Vergewaltigten in Köln hat eine Vorgeschichte – Provokateurin denunziert Ärzte

Berlin - Hinter dem Skandal um katholische Krankenhäuser in Köln steht eine Kampagne radikaler Abtreibungsgegner. Wie sich jetzt herausstellt, hatte eine von Abtreibungsgegnern angeheuerte Detektivin im Oktober 2011 in vier katholischen Kliniken in Köln um die „Pille danach“ gebeten und Einrichtungen, die ihren Wunsch erfüllten, beim Erzbistum Köln angeschwärzt. Diese Denunziation hat dazu beigetragen, dass es kürzlich zwei katholische Kliniken abgelehnt haben, eine junge Frau zu untersuchen, die mutmaßlich vergewaltigt worden war.

Die Detektivin hatte sich im Auftrag der Abtreibungsgegner vier katholische Kliniken ausgesucht, die in ihren Räumen oder auf ihrem Gelände Notfallambulanzen beherbergen, die nicht zum katholischen Träger gehören, sondern von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben werden. Im katholischen Haupthaus wurde der Provokateurin der Wunsch nach der „Pille danach“ abgeschlagen. In den in demselben Haus beheimateten „weltlichen“ Notfallambulanzen wurde ihr der Wunsch erfüllt.

Im Februar 2012 berichtete die bei konservativen Katholiken beliebte Internetplattform gloria.tv über den Vorgang und prangerte an, „dass in katholischen Krankenhäusern in Köln durchweg die ,Pille danach’ verschrieben werde. Katholische Kliniken würden weltliche Notfallpraxen beherbergen, „ohne dort vertraglich ein Verbot der ,Pille danach’ zu fordern“. Auch die Klinik St. Vinzenz der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria war von der Detektivin aufgesucht und beim Erzbistum Köln angeschwärzt worden. Der Vorfall habe zu „großer Verunsicherung“ unter den Ärzten geführt, bestätigte Christoph Leiden, Sprecher der Cellitinnen-Stiftung. Deshalb habe die hausinterne Ethikkommission mit einer Richtlinie Klarheit schaffen wollen. Sie legt fest, dass „alle medizinischen Maßnahmen“ sofort durchgeführt werden müssen, wenn der Verdacht bestehe, eine Patientin sei Opfer eines Sexualdelikts. Nur die „Pille danach“ dürfe nicht verschrieben werden. Dennoch wurde jetzt eine 25-Jährige mutmaßlich vergewaltigte Frau gänzlich abgewiesen. Der Fall hatte großes Aufsehen erregt. Die Frau war zuvor in der von der Kassenärztlichen Vereinigung getragenen Notfallpraxis auf dem Klinikgelände versorgt worden und hatte von der Notärztin Irmgard Maiworm die „Pille danach“ verschrieben bekommen. Im katholischen Haupthaus sollten nur noch die Spuren einer Vergewaltigung als Beweismaterial gesichert werden. Auch dies lehnte die dort diensthabende Ärztin ab. „Die Ärztin wirkte sehr verunsichert und hatte Angst um ihren Job“, sagte Irmgard Maiworm. Die Cellitinnen-Stiftung hat sich dafür entschuldigt, dass die Patientin nicht behandelt wurde. Es sei „sehr traurig“, dass Abtreibungsgegner mit solchen Methoden arbeiten, sagte Cellitinnen-Sprecher Christoph Leiden. „Ich weiß nicht, wem das helfen soll. Für unsere Ärzte ist die Arbeit noch schwieriger, wenn sie fürchten müssen, eine Frau spielt ihnen etwas vor.“ Der Vorgang sei „unfassbar“, sagt Ursula Heinen-Esser, CDU-Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende des Schwangerenberatungsvereins „Donum Vita“. „Fundamentalisten sorgen dafür, dass Frauen, die in Not sind, Hilfe verweigert wird. Das ist wie in den USA.“ Die Abtreibungsgegner dürften erreicht haben, was sie wollten: „Wir müssen darüber nachdenken, ob es richtig ist, dass katholische Kliniken mit Ärzten zusammenarbeiten, die nicht dem katholischen Träger verpflichtet sind“, sagte ein Sprecher des Katholischen Krankenhausverbandes. Claudia Keller

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!