• 29.10.2012
  • von Christoph von Marschall, Washington

Ein Monster von einem Sturm

von Christoph von Marschall, Washington

Im Angesicht des Sturms. Das Foto stammt von der Universität Wisconsin und zeigt die gewaltige Ausdehnung von „Sandy“. Foto: AFP

Zwischen Washington und Boston wird der Hurrikan Sandy erwartet – die Ostküste will vorbereitet sein

Amerika spricht in Anlehnung an die Monstergestalt der Filmindustrie von einem „Frankenstorm“. Die schiere Größe des Sturmwirbels flößt den Menschen an der Ostküste Furcht ein. Noch in 700 Kilometer Radius um das Auge des Hurrikans „Sandy“ sei mit Zerstörungen zu rechnen, warnen die Wetterforscher. Insgesamt hat die Front damit die außergewöhnliche Breite von rund 1400 Kilometer. Am Wochenende waren bereits mehr als 50 Menschen gestorben, als der Wirbelsturm durch die Karibik fegte.

Nun zieht er nahe der Atlantikküste der USA nach Norden und soll das Festland in der Nacht von Montag zu Dienstag zwischen der Delmarva-Halbinsel, die teils zu Maryland und teils zu Delaware gehört, sowie dem Bundesstaat Rhode Island erreichen. Damit liegen die Großstädte New York und Philadelphia in der Bahn des Hurrikans. Der südliche Flügel der breiten Front wird die Hauptstadt Washington bedrohen und der nördliche Flügel die Universitätsstadt Boston. Die Gouverneure der Küstenstaaten North Carolina, Virginia, Maryland, Delaware, New Jersey, Connecticut und Rhode Island haben die Evakuierung besonders gefährdeter Küstenabschnitte angeordnet. Die Stromversorger warnen, dass mehrere Millionen Bürger über Tage ohne Elektrizität auskommen müssen, weil der Sturm Äste oder ganze Bäume in die Stromleitungen stürzen könnte. Energieversorger wie Dominion in Virginia und Pepco in Washington haben bereits je 2500 Männer und Frauen zusätzliches Personal für ihre Reparatur-Crews angefordert, um die unterbrochenen Leitungen zeitnah zu flicken. Die Bürgermeister ermahnen die Einwohner, den Bedarf an haltbaren Nahrungsmitteln und Trinkwasser für mindestens drei Tage vorzuhalten, Kerzen und Batterien einzukaufen und das Auto vollzutanken. Während des Sturms sollen die Menschen in ihren Häusern bleiben, um nicht von herumfliegenden Trümmern verletzt oder gar erschlagen zu werden. Auch im Flugverkehr wird es Beeinträchtigungen geben, sowohl bei den inneramerikanischen Verbindungen als auch bei den Interkontinentalflügen von und nach Europa. Flughäfen werden mehrere Stunden vor Eintreffen des Sturms geschlossen, für New York wurde das schon angekündigt. Dort werden in der fraglichen Zeit auch keine Züge oder U-Bahnen mehr verkehren. Es dauert dann meist 48 Stunden, bis die Flugzeuge wieder an den Einsatzorten sind und der Flugplan sich normalisiert.

Mit Sorge blicken auch die Wahlkampfteams von Barack Obama und Mitt Romney auf den nahenden Hurrikan. Der Kampf um das Weiße Haus steht acht Tage vor der Wahl auf Messers Schneide. Barack Obama strich mehrere für Montag und Dienstag geplante Auftritte. Der Präsident muss als oberster Krisenmanager die Katastrophenhilfe beaufsichtigen. Der Republikaner Romney sagte daraufhin ebenfalls Wahlkampftermine ab und verkündete, er sei in engem Kontakt mit den Gouverneuren republikanisch regierter Küstenstaaten wie Virginia.

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