• 02.09.2010
  • von Caroline Wadenka

Prozess gegen Kachelmann beginnt am Montag

von Caroline Wadenka

Großes Medienaufgebot bei Verhandlung gegen Wetter-Moderator in Mannheim

Mannheim - Wie schnell Prominente von Medienstars zu Gejagten der Presse werden, wenn sie offenbar mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, musste der Wettermoderator Jörg Kachelmann in diesem Jahr erleben. Seit ihm vor rund einem halben Jahr der Vorwurf gemacht wurde, seine langjährige Freundin vergewaltigt zu haben, wird das Privatleben des 52-Jährigen minutiös öffentlich beleuchtet. Der Schweizer ist wie schon vor ihm die Popsängerin Nadja Benaissa oder der Regisseur Roman Polanski ins Visier vieler Medien geraten. Am 6. September beginnt vor dem Landgericht Mannheim unter großem Medieninteresse der Prozess.

Im Februar soll Kachelmann seine langährige Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben. Der Moderator weist die Vorwürfe zurück. Nach der angeblichen Tat flog er nach Kanada, wo er für die ARD von den Olympischen Spielen in Vancouver berichtete. Bei seiner Rückkehr am 20. März wurde er von der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen festgenommen und in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim gebracht. Dort verbrachte er 132 Tage, bis das Oberlandesgericht Karlsruhe am 29. Juli seine Freilassung anordnete. Den Richtern zufolge bestand kein dringender Tatverdacht mehr gegen den Wetterexperten.

Der Fall Kachelmann war durch die „Bild“-Zeitung bekannt geworden, die am 22. März berichtet hatte, dass der Moderator festgenommen worden sei. Woher die Redaktion die Information bekam, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft Mannheim weigerte sich zunächst, die Identität des Tatverdächtigen preiszugeben. Doch sowohl der JVA-Leiter als auch die Bundespolizei bestätigten die Gerüchte. Wie groß der Run ist, macht der Ansturm auf die Akkreditierungen für den Verhandlungssaal deutlich. Innerhalb einer Stunde seien die Plätze vergeben gewesen, sagt eine Gerichtssprecherin. 48 Medienvertreter wurden zu dem Prozess zugelassen, doch Anfragen gab es rund hundert. Unter den zugelassenen Medien sind neben „Stern“, „Zeit“ und „Bunte“ auch der „Focus“, mit dem sich Kachelmanns Anwälte eine juristische Schlacht um die Veröffentlichung von Details aus den Ermittlungsakten geliefert hatten. Offen bleibt, wie sein Haussender ARD sich verhält, wo Kachelmann bis zu seiner Verhaftung nach den „Tagesthemen“ das Wetter präsentierte. Über die Verhaftung des Moderators hatte die „Tagesschau“ nicht berichtet, erst als die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Kachelmann erhob, fand der Fall Eingang in die Berichterstattung der Hauptnachrichtensendung. Dies sei so üblich, sagte ARD-Sprecher Harald Dietz. Vom Prozess werde die „Tagesschau“ nur dann berichten, wenn auch Sachverhalte von Interesse ans Licht kämen, erläuterte er. Ob Kachelmann irgendwann wieder seinen Stammplatz vor der Wetterkarte einnimmt, steht noch nicht fest. „Für die ARD gilt erstmal: Wir schauen, was das Gericht spricht und dann schauen wir weiter“, sagte ARD-Sprecherin Silvia Maric.

Am 13. Oktober soll das Opfer als Nebenklägerin gehört werden, soweit es erforderlich ist auch am 18. und 20. Oktober. Darüber hinaus sollen während der Beweisaufnahme über 25 Zeugen, darunter Polizisten, ein Kriminalbeamter und der Amtsrichter vernommen werden. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin sollen fünf Gutachter gehört werden, darunter Rechtsmediziner, Psychologen und forensische Psychiater. Wie so oft bei Vergewaltigungsprozessen könnte auch das Verfahren gegen Kachelmann eine Schlacht der Gutachter werden. Caroline Wadenka

  • Erschienen am 02.09.2010 auf Seite 32

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