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  • 10.08.2018

Campingplätze in Frankreich überflutet: 136 deutsche Kinder und Jugendliche gerettet – zwei Festnahmen

Saint-Julien-de-Peyrolas in Südfrankreich: Rettungskräfte laufen über einen überschwemmten Campingplatz. Foto: Boris HORVAT/AFP

Starkregen hat mehrere Campingplätze in Frankreich überspült. Betroffen ist auch ein Ferienlager aus dem Rheinland. Nach einem Betreuer wird noch gesucht.

Nach Starkregen und Überschwemmungen auf Campingplätzen in Südfrankreich wird seit Donnerstag ein Deutscher vermisst. Zum Alter des Vermissten herrscht noch Unklarheit. Nach Angaben des Fernsehnachrichtensender BFMTV soll es sich um einen 70-jährigen Betreuer handeln. Die französische Feuerwehr hingegen spricht von einem 75-Jährigen. Die "Rheinische Post" berichtete dagegen unter Berufung auf die Veranstalter, der Mann sei 66 Jahre alt und stamme aus Köln.

Der Mann wollte sich nach Angaben der Behörden in einem Wohnmobil vor den Wassermassen retten und wurde bis zum Abend nicht gefunden. Eine Gruppe deutscher Kinder und Jugendlicher wurde hingegen gerettet. Durch die heftigen Regenfälle hatte sich das bei Touristen beliebte Gewässer Ardèche in der Region nördlich von Avignon in einen reißenden Fluss verwandelt, wie Fernsehbilder zeigten.

Wie die südfranzösische Polizei mitteilte, wurde der Wohnwagen des Mannes auf einem Campingplatz in dem Ort Saint-Julien de Peyrolas von den Wassermassen weggerissen und später zerstört am Ardèche-Ufer aufgefunden. Einsatzkräfte starteten eine breit angelegte Suche nach dem Mann, die bis Donnerstagabend jedoch erfolglos blieb. Die Bemühungen seien "vergeblich" geblieben, teilte die Feuerwehr mit.

Alle Kinder und Jugendliche gerettet

Die Gruppe von 136 deutschen Kindern und Jugendlichen aus dem Raum Leverkusen bei Köln konnte hingegen von den Rettungskräften in Sicherheit gebracht worden. Insgesamt wurden 184 Menschen von drei Zeltplätzen nach Angaben der Einsatzkräfte mit Hilfe von Hubschraubern und Tauchern in Sicherheit gebracht. 80 Menschen hätten sich in ernsthafter Gefahr befunden.

Zehn Menschen wurden in Krankenhäusern behandelt, darunter auch fünf Minderjährige. Fast 270 Feuerwehrleute sowie vier Helikopter waren im Einsatz. Die Ardèche ist ein beliebtes Urlaubsziel unter anderem für Kanufahrer und Wanderer.

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Auf den betroffenen Campingplätzen richteten die Wassermassen schwere Zerstörungen an: Zahlreiche Zelte wurden weggerissen, der Boden verwandelte sich in Schlamm. Die 37-jährige Touristin Gudrun Weissmeyer aus München sagte, sie brauche mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern nun dringend eine Notunterkunft. Sie hätten nicht mit solchen Unwettern gerechnet und müssten nun in Sandalen durch den Schlamm waten.

Auch die Präfektur des Départements Gard sprach von "außergewöhnlich" starken Regenfällen. Wegen möglicher Überschwemmungen waren zuletzt noch acht Verwaltungsbezirke im Süden und Osten Frankreichs in Alarmbereitschaft.

Tausende Haushalte ohne Strom

In der Touristenregion um die Flüsse Dordogne und Lot fiel in tausenden Haushalten der Strom aus. Auch in Lothringen und an der Mosel nahe der deutschen Grenze waren zahlreiche Menschen betroffen. In der Umgebung des Ortes Forbach nahe Saarbrücken rückte die Feuerwehr zu mehreren Noteinsätzen aus. In Straßburg und Metz blieben Parks und städtische Friedhöfe sicherheitshalber geschlossen.

Nach einer wochenlangen Hitzewelle hatte der Wetterdienst Météo France ähnlich wie im Westen und Südwesten Deutschlands vor heftigen Regenfällen und Gewittern gewarnt.

Zwei Deutsche festgenommen

Die Polizei hat zwei deutsche Verantwortliche vorläufig festgenommen. Gegen den Vorsitzenden und den stellvertretenden Vorsitzenden der Jugendförderung St. Antonius in Leverkusen werde unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung und Betreibens eines Campingplatzes ohne behördliche Genehmigung ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft Nîmes der Nachrichtenagentur AFP am Freitag mit.

Zudem wird den beiden Männern nach Angaben von Staatsanwalt Eric Maurel zur Last gelegt, "das Leben anderer in Gefahr gebracht zu haben".

Die Gemeinde wirft den deutschen Betreibern vor, ihren Zeltplatz zu nah an den Fluss Ardèche gebaut zu haben, der sich nach den Regenfällen in einen reißenden Strom verwandelte.

Die Behörden erklärten, sie hätten die Deutschen 48 Stunden vor dem Drama vor einer möglichen Überschwemmung ihres Campingplatzes gewarnt. Der Bürgermeister schaltete nach Angaben der Staatsanwaltschaft sogar das zuständige Verwaltungsgericht ein. Dennoch befanden sich noch zahlreiche Kinder und Jugendliche auf dem Zeltplatz, als der Fluss über die Ufer trat.

Staatsanwalt Morel sagte, die Ermittler seien in "sehr großer Sorge" um den Vermissten. "Sollte er tot aufgefunden werden, würde die Ermittlung auf fahrlässige Tötung ausgeweitet", betonte er. (AFP, dpa)

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