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  • 11.06.2018

Prozess in Freiburg: Kindesmissbrauch: Mutter und Lebensgefährte vor Gericht

Im Juni 2017 wurde im Baden-Württembergischen Münstertal ein Verdächtiger (2.v.l) im Missbrauchsfall in Freiburg festgenommen. Foto: Markus Donner/dpa

Seine eigene Mutter und ihr Lebensgefährte sollen einen Jungen jahrelang missbraucht und an Freier verkauft haben. Am Montag hat der Prozess gegen die beiden Hauptangeklagten begonnen.

Auf den Tag genau fünf Monate nach Bekanntwerden des jahrelangen Missbrauchs eines Jungen in Staufen bei Freiburg müssen sich die beiden Hauptbeschuldigten von diesem Montag an vor Gericht verantworten. Mit der Schilderung schwerster Sexualverbrechen an einem wehrlosen Kind hat der Prozess gegen die beiden Hauptbeschuldigten im Missbrauchsfall Staufen begonnen.

Der 48 Jahre alten Mutter des Opfers und ihrem einschlägig vorbestraften 39-jährigen Lebensgefährten wird vorgeworfen, den heute neunjährigen Jungen mehr als zwei Jahre lang regelmäßig missbraucht und an andere Männer verkauft zu haben. In der mehr als 100 Seiten langen Anklageschrift ist die Rede von Fesselungen, extremen Demütigungen, Beschimpfungen, Drohungen sowie körperlicher Gewalt und Vergewaltigungen.

Dem Paar werden unter anderem schwere Vergewaltigung und Zwangsprostitution in jeweils knapp 50 Fällen zur Last gelegt. Angeklagt sind Taten zwischen Mai 2015 bis Ende August 2017. In dem Fall gibt es insgesamt acht Tatverdächtige. Die Mutter und ihr Lebensgefährte, beide Deutsche, gelten als die zentralen Figuren in dem Missbrauchsfall.

In Prozessen gegen Freier des Jungen hatte der 39-Jährige zuvor als Zeuge ausgesagt und sich bereits als Haupttäter bezeichnet. Die Mutter schwieg bis jetzt. Ob sie aussagt, ist nach Worten ihres Anwalts Matthias Wagner noch nicht entschieden. Dem Paar wird auch der mehrfache Missbrauch einer Dreijährigen zur Last gelegt.

Der Junge wird im Prozess nicht aussagen müssen

„Der Lebensgefährte der Mutter hat umfassend gestanden und den Ermittlern Hinweise gegeben“, sagte Staatsanwältin Nikola Novak vor Beginn des Prozesses der Deutschen Presse-Agentur. Zudem gebe es von den Taten zahlreiche Filmaufnahmen und Dokumente, die von den Tätern stammten und die nun als Beweismittel dienten. In dem Prozess werde es nun auch darum gehen, die Rolle der Mutter zu beleuchten. Die Frau hat sich den Angaben zufolge bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie soll, gemeinsam mit ihrem Freund, auch ein drei Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht haben.

„Ich erhoffe mir, auch wenn es vielleicht unrealistisch ist, von der angeklagten Kindsmutter vielleicht mal eine Erklärung zur Motivation“, sagte die Vertreterin der Nebenklage, Rechtsanwältin Katja Ravat. Sie vertritt in dem Prozess den missbrauchten Jungen. Die Schwere und Vielzahl der Verbrechen sowie die Rolle der Mutter machten diesen Fall außergewöhnlich.

Ziel von Anklage und Nebenklage sei neben langjährigen Haftstrafen eine anschließende Sicherungsverwahrung, vor allem für den wegen schwerer Kindesmisshandlung vorbestraften Lebensgefährten der Mutter. „Dass ich dem Kind rückmelden kann, dass der Mann auf absehbare Zeit nicht mehr aus der Haft entlassen werden wird“, sagte Ravat.

Die Taten haben sich den Angaben zufolge von 2015 bis Herbst 2017 ereignet, geplant habe sie das Paar von Anfang 2014 an. Seit den Festnahmen der mutmaßlichen Täter im Herbst 2017 ist der Junge in staatlicher Obhut. Er wird in dem Prozess nicht aussagen müssen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin.

Parallel zum Strafverfahren in Freiburg beginnt in Karlsruhe am Montag der Prozess gegen einen Mann aus Schleswig-Holstein. Der heute 44-Jährige hat laut Anklage den Jungen missbrauchen, töten und sich an der Leiche vergehen wollen. Als er anreiste, wurde er in Karlsruhe festgenommen. (dpa)

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