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  • 13.05.2018

Frankreich: Messerangreifer von Paris war Behörden als radikalisiert bekannt

Ein Einschussloch nahe der Stelle, an der der Messerangreifer von Paris von der Polizei erschossen wurde. Foto: dpa/AP/Thibault Camus

Bei einem Messerangriff nahe der Pariser Oper stirbt ein Mensch, vier werden verletzt. Die Polizei erschießt den Angreifer, der aus Tschetschenien stammte. Er sei "ein Soldat des IS" gewesen, behauptet die Terrormiliz.

Der Terror kehrt nach Paris zurück: Ein mutmaßlicher Islamist hat am Samstagabend im Zentrum der französischen Hauptstadt einen Passanten getötet und vier weitere Menschen verletzt. Der aus Tschetschenien stammende und mit einem Messer bewaffnete Angreifer wurde dann von der Polizei erschossen.

Staatspräsident Emmanuel Macron dankte den Polizisten, "die den Terroristen neutralisiert" hätten. Frankreich habe "erneut einen Blutpreis zahlen müssen, es wird sich den Feinden der Freiheit aber nicht beugen", schrieb Macron bei Twitter.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Angriff für sich. Die auf Auswertung dschihadistischer Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group meldete, dass das IS-Sprachrohr Amak den Angreifer als „Soldaten des Islamischen Staates“ bezeichnet habe. Der Angreifer soll „Gott ist groß“ auf Arabisch gerufen haben, wie der Pariser Staatsanwalt François Molins berichtete.

Am Sonntag tauchte ein Video in sozialen Medien auf, das ebenfalls von Amak ins Netz gestellt worden sein soll. Es soll den Angreifer zeigen. Darin schwört ein junger Mann mit halbverhülltem Gesicht auf Französisch dem IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi die Treue, begründet seine Tat mit französischen Luftangriffen auf Muslime und ruft Glaubensbrüder in Europa zu weiteren Angriffen auf. Die Aufnahme ähnelt in Aufmachung und Inhalt Videos, die nach früheren islamistischen Angriffen in die Öffentlichkeit gelangten. Die Echtheit konnte jedoch nicht überprüft werden.

"Unsere Stadt wurde tief verletzt"

Der Terrorverdächtige wurde 1997 in der Teilrepublik Tschetschenien im russischen Nordkaukasus geboren und war französischer Staatsbürger, wie Ermittlerkreise der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Fahnder nahmen seine Eltern am Sonntagmorgen in Gewahrsam. Zudem sei ein Freund des Verdächtigen in Straßburg zur einer Befragung festgenommen worden. Der mutmaßliche Attentäter hatte laut Medien sein Abitur in der ostfranzösischen Stadt abgelegt und war erst unlängst mit seinen Eltern in die Hauptstadtregion gekommen.

Der Tatverdächtige war den Sicherheitsbehörden bekannt und stand auf einer Liste radikalisierter Personen. Nach Informationen der Regionalzeitung „Le Parisien“ wurde sein Gefährdungspotenzial aber nicht als hoch eingestuft.

Der Mann schlug in einem beliebten Theater- und Ausgehviertel zu. Eine Frau und ein Mann wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, zwei weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen. Der getötete Passant war 29 Jahre alt. Wegen der Vorgehensweise übernahmen Anti-Terror-Ermittler den Fall, ermittelt wird wegen Mordes und versuchten Mordes an Amtsträgern im Zusammenhang mit Terrorismus.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo schrieb am Samstagabend auf Twitter: "Unsere Stadt wurde heute Abend tief verletzt."

Premierminister Edouard Philippe begab sich am Samstagabend in das zuständige Polizeikommissariat und lobte "die außerordentliche Reaktion" der Polizei. Fünf Minuten nach dem Notruf seien die Beamten vor Ort gewesen, neun Minuten nach dem Notruf sei der Täter tot gewesen.

Die Schnelligkeit der Polizei "hat aller Wahrscheinlichkeit eine schlimmere Opferbilanz verhindert", sagte Philippe. Auch Innenminister Collomb lobte die Polizei, die mit kühlem Kopf vorgegangen sei.

Zahlreiche Augenzeugen berichteten über die Bluttat in dem beliebten Ausgehviertel. "Ich war auf der Café-Terrasse und hörte drei oder vier Schüsse", berichtete die 47-jährige Gloria. "Die Kellner sagten, wir müssten schnell reinkommen. Als ich wieder rausgegangen bin, sah ich einen Mann am Boden liegen."

Die Cafébesucherin Elisa fühlte sich an die Pariser Anschlagserie vom November 2015 erinnert. "Wenn man drei Schüsse hört, denkt man zwangsläufig an den 13. November. Man rennt dann nur noch weg." In Paris hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt tödliche Terror-Angriffe gegeben, die vielfach islamistisch motiviert waren. Bei diesen Angriffen starben seit 2015 bereits mehr als 240 Menschen. Die französischen Sicherheitskräfte befinden sich daher in erhöhter Alarmbereitschaft.

Diskussion um innere Sicherheit

Die tschetschenische Herkunft des Angreifers wurde vom autoritären Republikchef Ramsan Kadyrow bestätigt. Aufgewachsen sei der Mann aber in Frankreich, teilte Kadyrow über den Chatdienst Telegram mit. Der Mann habe auch mit 14 Jahren, als er schon französischer Staatsbürger war, einen russischen Pass bekommen. Diesen habe er aber nicht verlängern lassen und habe daher keinen gültigen russischen Pass. Die tschetschenischen Behörden würden Angehörige befragen, meldete die Agentur Interfax.

Der erneute Anschlag entfachte rasch eine politische Debatte über die innere Sicherheit in Frankreich. Der Chef der konservativen Republikanerpartei, Laurent Wauquiez, teilte via Twitter mit, Worte reichten nicht aus, es müssten Taten folgen. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen bezeichnete die auf der Radikalisierten-Liste verzeichneten Personen als "Zeitbomben". (dpa)

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