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  • 22.03.2018
  • von Barbara Barkhausen

Freigabe für Fischfang und Tourismus: Australien will Meeresschutzgebiete deutlich verringern

von Barbara Barkhausen

Das Korallenmeer ist das Zuhause von mehr als 300 bedrohten Tierarten. Foto: Mauritius Images

2012 hatte Australien das größte Meeresschutzgebiet der Welt geschaffen. Nun plant die Regierung, große Flächen für die Fischerei freizugeben.

Australiens Regierung will seine Meeresschutzzonen in Teilen für die Fischerei öffnen. Umweltgruppen zufolge werden damit mehr als 350.000 Quadratkilometer aus dem Netzwerk der Schutzgebiete fallen. Im Jahr 2012 war die Nachricht das genaue Gegenteil. Damals stellte Australien ein Drittel seiner Meeresflächen unter Schutz und kreierte damit das weltgrößte Netzwerk an Meeresschutzgebieten. Die Schutzgebiete umfassen derzeit eine Fläche von 3,3 Millionen Quadratkilometern.

Doch nun möchte die derzeit konservative Regierung von Premierminister Malcolm Turnbull den Schutz, den die Sozialdemokraten einst durchgeboxt haben, nun wieder verwässern. Die Pläne der Regierung wurden durch eine Analyse von Naturschutzorganisationen publik. Die Umweltschützer fürchten vor allem um Riffe im Korallenmeer zwischen Australien, Neuguinea, den Salomon-Inseln und Vanuatu.

Der zuständige Minister spricht von ausgewogenem Ansatz

Josh Frydenberg, der als Minister für das Umwelt- und Energieportfolio in Australien zuständig ist, bezeichnete sein Vorhaben diese Woche als einen „ausgewogenen und auf wissenschaftlichen Beweisen basierenden Ansatz zum Meeresschutz“. Umweltschutz, nachhaltiger Fischfang und ein Ausbau des Ökotourismus lasse sich so besser vereinen, erklärte die Regierung weiter.

Der Analyse des Centres for Conservation Geography zufolge würden die neuen Pläne, sollten sie gegen den Willen der Opposition durchgesetzt werden, „destruktive, kommerzielle Fischereiaktivitäten“ in 37 der insgesamt 44 Meeresschutzzonen erlauben.

Der Oppositionspolitiker Tony Burke sagte der australischen Ausgabe des „Guardian“, dass die neuen Pläne der Regierung die „größte Reduzierung einer bereits unter Schutz stehenden Fläche weltweit“ bedeuten würden. Dem Sender ABC sagte der Umweltschutzexperte: „Sie sagen, die Pläne werden zu ökologisch guten Ergebnissen führen.“ Das möge stimmen – wenn man keinen Fisch ist. „Stellen Sie sich vor, die Regierung würde plötzlich über unsere Naturschutzparks an Land sagen, sie seien immer noch Schutzgebiete, aber in der Hälfte von ihnen sei nun die Jagd zugelassen.“

WWF: Meeresschutz vom „Penthouse ins Klohäuschen“ verlagert

Auch die australische Sektion des World Wide Fund For Nature (WWF) kritisierte die Pläne scharf. Es handele sich um die weltweit „größte Herabstufung von Schutzgebieten“, erklärte der WWF-Experte Richard Leck. Australiens Ruf als Meeresschutznation werde damit vom „Penthouse ins Klohäuschen“ verlagert. Nach Ansicht der Naturschutzorganisation WWF könnte mit den Plänen vor allem der Schutz im Korallenmeer nahe des weltweit bekannten Great Barrier Reefs vor der australischen Küste deutlich zurückgeschraubt werden. Bereits im September hatte der WWF gewarnt, dass die gesamte Fläche an Meereszonen, die für die Fischerei zugänglich ist, von 64 auf 80 Prozent ansteigen könnte, während die sogenannten „Grünen Zonen“, die besonders geschützt werden sollen, sich von 36 auf 20 Prozent verringern würden.

Australiens Korallenmeer, das zum Pazifischen Ozean gehört, wird oft als die Serengeti der Ozeane bezeichnet. Das Meer im Nordosten Australiens gilt als eines der letzten unberührten Ökosysteme der Welt und als „Hot Spot“ der Biodiversität. Insgesamt ist das Meer, das seinen Namen von dem britischen Kapitän Matthew Flinders erhielt, der im Jahr 1803 die Region erkundete, das Zuhause von mehr als 300 bedrohten Tierarten. Hier leben mindestens 28 Arten Wale und Delfine, mit Schulen, die teilweise bis zu 400 Tiere enthalten. Es ist zudem eine der wenigen Regionen, in denen Haie, Thun-, Speer- und Schwertfische nicht schon völlig überfischt sind. Insgesamt bietet die Region 49 unterschiedliche Habitate, darunter Korallenriffe und Tiefsee-Canyons. (mit AFP)

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