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  • 08.03.2018
  • von Markus Grabitz

Energieknappheit: Warum so viele Uhren gerade nachgehen

von Markus Grabitz

Vor allem Digitalwecker ticken gerade nicht ganz richtig. Foto: Julia Rudorf/dpa

Wer hat an der Uhr gedreht? Eine Stromlücke auf dem Balkan sorgt dafür, dass seit Wochen europaweit Radiowecker und Herd-Uhren knapp sechs Minuten nachgehen.

Dass die Uhren mancherorts anders gehen, ist nichts Neues. Das fängt manchmal schon hinter der Stadtgrenze an. Dass aber europaweit die Uhren, die am elektrischen Netz hängen, seit Wochen knapp sechs Minuten nachgehen, ist dann doch eine neue Erfahrung. Ob sie dazu geeignet ist, das vielfach vermisste europäische Wir-Gefühl zu stärken, muss allerdings bezweifelt werden. 

Wer davon kalt erwischt wird, sich morgens am Frühstückstisch noch eine Zigarette gegönnt hat und dann den Zug zum Skifahren verpasst, wird eher wütend danach fragen, wer da nicht richtig tickt.

Leider ist es so, dass die nachgehenden Uhren eher eine Steilvorlage dafür sind, bestehende Vorurteile gegenüber einigen Ländern auf dem Balkan zu bestätigen, die gern Mitglied im Club würden: Unstimmigkeiten zwischen den Stromnetzbetreibern im Kosovo und in Serbien sind die Ursache dafür, dass seit Mitte Januar in ganz Kontinentaleuropa Uhren an Backöfen, Herden, aber auch - besonders tückisch - an Radioweckern in Rückstand geraten sind.

Diese Uhren richten sich nach der Frequenz im Stromnetz. Normalerweise beträgt sie 50 Hertz, das bedeutet 50 Schwingungen in der Sekunde. Jetzt liegt sie bei 49,996.

Kosovo müsste mehr Strom liefern

Der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E hat amMittwoch Alarm geschlagen: Wegen einer Stromlücke, die politischen Reibereien zwischen Serbien und Kosovo zuzuschreiben sind, ist die Frequenz im Netz seit Mitte Januar abgefallen und erreicht die 50-Hertz-Marke nicht mehr. Offenbar müsste Kosovo mehr Strom liefern, und Serbien weigert sich, die vom ungeliebten Nachbarn verursachte Stromlücke auszugleichen.

ENTSO-E verweist darauf, dass man technisch das Problem schon in den Griff bekomme, sieht aber vor allem die Politik am Zug. Sie müsse dafür sorgen, dass Serbien und Kosovo ihre Kabelleien nicht auf dem Rücken von mehreren Hundert Millionen Stromkunden austragen.

25 Länder sind betroffen, von der Türkei bis in die Niederlanden ist das Phänomen zu spüren. Da das Stromnetz fast aller kontinentaleuropäischer Länder miteinander verbunden ist, die nationalen Netze also gemeinsam im Takt schwingen, hat sich das retardierende Moment über tausende von Kilometern fortgesetzt. Die gute Nachricht ist: Die nachgehenden Uhren lassen sich manuell wieder auf Kurs bringen.

Die schlechte Nachricht ist: Eine weitere Korrektur ist nötig, wenn das System wieder im normalen 50-Hertz-Takt schwingt. Bis es so weit ist, dürften aber noch Wochen vergehen.

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