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  • 12.02.2018
  • von Ralph Schulze

Tierquälerei in Spanien: Nach fünf Jahren Hetzjagd ist das Schicksal der Windhunde besiegelt

von Ralph Schulze

Freunde und Helfer: Die spanische Polizei hat bei einer Razzia gegen illegale Jäger bei Toledo diese Galgo-Hunde gerettet. Screenshot: Guardia Civil

Nachdem sie ein paar Jahre für ihre Besitzer Hasen gejagt haben, werden in Spanien jedes Frühjahr zigtausende Galgo-Hunde ausgesetzt oder getötet.

Wenn im Februar die Jagdsaison in Spanien zu Ende geht, dann haben spanische Tierschützer besonders viel zu tun. Denn im Februar beginnt das Leiden für tausende spanische Windhunde, die Galgos, die von ihren Besitzern fortgejagt oder getötet werden. Jedes Jahr erleiden rund 50000 dieser sehr schnellen Jagdhunde dieses Schicksal, schätzen Experten. Tierschutzorganisationen in ganz Europa protestieren gegen diese Misshandlungen. Sie fordern, die Jagd mit Galgos in Spanien zu verbieten.

„Spanien ist das einzige EU-Land, in dem die Jagd mit Galgos noch erlaubt ist“, kritisiert David Rubio, Sprecher der nationalen Plattform „No a la Caza con Galgos – Nein zur Jagd mit Galgos“ (NAC). „In anderen europäischen Staaten ist dies schon vor Jahrzehnten verboten worden.“ Die spanischen Tierheime seien überfüllt – mit Galgos, aber auch mit anderen Hunderassen.

Bei der Rettung spanischer Galgos helfen internationale Organisationen mit: „Viele Hunde, die in Spanien kein neues Zuhause finden, müssen ins Ausland vermittelt werden“, erzählt Tierschützer Rubio. Tausende Galgos werden jedes Jahr von ausländischen Tierfreunden und privaten Hilfsorganisationen nach Deutschland, Österreich, in die Schweiz oder auch in andere Länder geholt. Oft sind es Urlauber, die im Flugzeug oder im Auto auf der Ferienheimfahrt einen Galgo mitbringen.

Doch nicht alle Galgos, die bei der Jagd ausgedient haben, können gerettet werden. Nicht wenige werden von den Jägern selbst getötet – zuweilen auf quälerische Weise, berichtet die Plattform NAC. Wie viele Jagdhunde auf diese Weise umkommen, weiß niemand genau. Spaniens Umweltpolizei Seprona registriert aber jedes Jahr hunderte Fälle von Galgo-Misshandlungen aller Art – und die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein.

Die Tiere könnten 15 Jahre alt werden -
für die Jäger sind sie nach wenigen Jahren nutzlos

Der Beleg, dass sich viele Jäger ihrer Galgos entledigten, liege auf der Hand, meint NAC-Tierschützer Rafa Hernández in Madrid: „Es ist unmöglich bei einem Jäger einen Galgo in fortgeschrittenem Alter zu finden.“ Wenn die Hunde vier oder fünf Jahre alt seien, würden sie für die Jagd als nutzlos angesehen – ihr Schicksal sei damit besiegelt. Unter normalen Umständen können diese stolzen und kräftigen Tiere aber bis zu 15 Jahre alt werden.

„Der Galgo ist die am meisten misshandelte Hunderasse in Spanien“, sagt Martina Szyszka, Sprecherin der Tierschutzorganisation SOS Galgo. Und sie beklagt: „Die wenigstens Misshandlungsfälle werden aufgeklärt.“ SOS Galgo rettet und pflegt verstoßene Hunde, vermittelt die aufgegriffenen Tiere an neue Besitzer, sammelt über die eigene Homepage und per Twitter Spenden und verkauft Zubehör für Hundebesitzer und Merchandise zugunsten der Tiere.

Die Galgos werden in Spanien vor allem zur Hasenjagd eingesetzt. Dabei werden diese Windhunde, die bis zu 70 Stundenkilometer schnell sind, im offenen Gelände auf Hasen angesetzt. Bei dieser Form der Hetzjagd, bei der die Beute meist vom Galgo geschnappt und erlegt wird, wird nicht auf die gejagten Tiere geschossen. Nicht selten wird diese Hasenjagd auch in Form von Wettbewerben praktiziert, bei denen der schnellste oder der eleganteste spanische Windhund prämiert wird.

Tierschutz habe in Spanien, dem traditionellen Land der Stierkämpfe, bis heute keinen großen Stellenwert, erklärt Szyszka. So sind in Spaniens Bürgerlichem Gesetzbuch Tiere bisher immer noch als „Sachen“ und nicht als Lebewesen definiert – anders als in Deutschland, wo die Tiere selbst, unabhängig von ihren Besitzern, zusätzlich durch besondere Tierschutzgesetze geschützt werden.

Doch der Protest in Spanien wird intensiver: In einer Petition mit dem Titel „Galgo Massaker“ an das Europäische Parlament fordern Tierschützer die EU-Politiker auf: „Beenden Sie die Jagd mit Galgos in Spanien.“ Eine internationale Petition auf der Internetplattform Change.org wurde inzwischen von mehr als 129.000 Menschen unterschrieben. Andere Petitionen und öffentlichkeitswirksame Aktionen werben für die Hunde als Haustiere, fordern mit teilweise drastischen Bildern von verletzten, gequälten und durch Erhängen oder Schläge getöteten Hunden juristische Maßnahmen oder auch Boykotte von Spanien als Urlaubsland.

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