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  • 27.01.2018
  • von Paul Starzmann

Melania Trump: Gibt es eine Ehekrise bei den Trumps?

von Paul Starzmann

Opfer oder Komplizin. Die Rolle Melania Trumps im Weißen Haus wird auf sehr unterschiedliche Art gedeutet. Foto: picture alliance / Luca Bruno/AP

In Washington wabern die Gerüchte. Die Beziehung von Präsident und First Lady soll erkaltet sein. Melania sagt: „Fake News“. Aber manche werten ihre Blicke als Hilferuf.

Bei seinem Besuch des Weltwirtschaftsforums in Davos trat Donald Trump in dieser Woche alleine auf. Seine Frau Melania war nicht mitgekommen, sie hatte kurzfristig aus „logistischen Gründen“ abgesagt. Statt ihren Mann in die Schweiz zu begleiten, flog die First Lady nach Florida, nach Mar-a-Lago, zum Strandhaus der Familie.

Die Boulevardzeitungen überschlugen sich daraufhin mit Spekulationen: Kriselt es etwa im Hause Trump? Melanias Absage vorausgegangen war eine pikante Meldung. Ihr Mann soll sie 2006 mit einer Porno-Darstellerin betrogen haben – und auch aktuell soll er angeblich nicht immer treu sein. Zu seinem Hochzeitstag am 22. Januar veranstaltete das Ehepaar dann auch noch passenderweise: nichts.

In Amerika sind solche Klatschgeschichten keine Kleinigkeit. Zwar bekleidet die First Lady kein öffentliches Amt, doch traditionell spielt sie eine wichtige Rolle in der Regierung. Sie kann Ideengeberin des Staatschefs sein, wie Betty Ford für ihren Mann Gerald, der in den 1970ern US-Präsident war. Oft vertreten First Ladys auch die Politik ihres Gatten nach außen. Sie fliegen um die Welt oder gehen in Talkshows, um dort mit netten Geschichten aus dem Weißen Haus für gute PR zu sorgen.

Viele Frauen von US-Präsidenten suchen sich auch eigene Themen, wie Barbara Bush, die sich für Bildungskampagnen stark machte. Michelle Obama schien sogar alles in einem zu sein – Beraterin, PR-Expertin, Aktivistin. „Meinen Felsen“ nannte Barack Obama seine Frau. „Ich bin ein besserer Mensch, seitdem ich Zeit mit Michelle verbringe.“

Welche Rolle aber spielt die aktuelle First Lady? Seit 13 Jahren ist sie mit Trump verheiratet, für ihn ist es die dritte Ehe. Viele halten das 47 Jahre alte Ex-Model aus Slowenien, das seit 1995 in den USA lebt, für eine „trophy wife“, eine Trophäen-Braut – das weibliche Schmuckstück ihres mehr als 20 Jahre älteren Mannes. Andere halten sie für ein Opfer des Präsidenten, der in der Vergangenheit auch schon mal mit sexuellen Übergriffen geprahlt hat.

Melanias oft versteinerter Gesichtsausdruck bei öffentlichen Auftritten sei ein Hilferuf, meinen manche. Unter dem Hashtag #freemelania fordern sie im Internet deshalb, Mrs. Trump aus den Fängen ihres Gatten zu befreien. Der Journalist Skylar Jordan hält nichts davon: „Ich habe kein Mitleid mit Melania“, schrieb er 2017 im britischen „Independent“. Als Medien-Profi wisse die First Lady sehr wohl, was sie tue. Sie sei kein Opfer, sondern eine „Komplizin“ des rechtspopulistischen Präsidenten.

Die First Lady wurde als "Baum-Killer" beschimpft

Fest steht jedoch, dass Melania Trump ihre Rolle nicht gerade mit Begeisterung ausfüllt. Als sich am Abend des 8. November 2016 der Wahlsieg ihres Mannes abzeichnete, soll sie geweint haben – „aber nicht aus Freude“, wie der Journalist Michael Wolff im Buch „Fire and Fury“ behauptet. Auch zog sie erst Monate nach Trumps Amtseinführung von New York nach Washington. Nach langem Zögern nahm sie dann ihre Rolle als First Lady an: Sie wurde Schirmherrin einer Kampagne gegen Mobbing im Internet – ausgerechnet als Frau des wohl berühmtesten Twitter-Hetzers aller Zeiten. Die „Washington Post“ urteilte über ihr soziales Engagement: „vorgetäuschter Enthusiasmus“.

Viele Kommentatoren gehen hart ins Gericht mit Melania Trump. So gab es etwa im vergangenen Dezember Kritik für Melanias Pläne, eine geschichtsträchtige Magnolie im Vorgarten des Weißes Hauses zu fällen. Der Baum wurde Anfang des 19. Jahrhunderts gepflanzt und ist sogar auf dem 20-Dollar-Schein zu sehen. Weil sie ihn stutzen wollte, wurde die First Lady als „Baum-Killer“ beschimpft. Dass die Jackson-Magnolie morsch und nicht mehr zu retten war, spielte für die Kritiker keine Rolle.

In vielem, was sie macht, wirkt Melania Trump als First Lady glücklos. Im Wahlkampf hielt sie sich meist zurück. Als sie im Sommer 2016 dann doch mal eine Rede hielt, trat sie zaghaft und schüchtern auf. Dann stellte sich auch noch heraus, dass ihre Rede ausgerechnet von Michelle Obama geklaut war. Überhaupt hat es Melania schwer im Vergleich mit ihrer Vorgängerin. Die 54-jährige Obama wird in den USA bis heute von der Öffentlichkeit geliebt für ihre Art, Coolness, ihren Stil. Bei Melania ist es hingegen schwer vorstellbar, dass sie wie Michelle in einer Talkshow spontan einen Tanz hinlegt oder sich dabei filmen lässt, wie sie bei einer Spritztour im Auto lauthals den Rap-Klassiker „Get Ur Freak On“ von Missy Elliot mitsingt.

Sie schlug ihm auf die Finger

Auch der Umgang des Präsidentenpaars miteinander unterscheidet sich stark von den Obamas. Während Barack und Michelle als Traumpaar galten, gehen die Trumps in der Öffentlichkeit nicht gerade zärtlich miteinander um. Als Trump mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn Barron vor wenigen Tagen von Florida nach Washington zurückflog, ging der Präsident alleine mit einem Schirm in der Hand an Bord. Frau und Kind ließ er buchstäblich im Regen stehen, sie mussten ohne Schutz vor dem Sturm zum Flugzeug laufen.

Legendär ist auch der Israel-Besuch des Ehepaars Trump im Mai 2017. Als der Präsident auf dem roten Teppich des Flughafens von Tel Aviv die Hand seiner Frau greifen wollte, zuckte die zusammen, schlug ihm blitzschnell auf die Finger. Es gibt viele Aufnahmen, die solche eiskalten Momente zwischen den Eheleuten zeigen.

Vielleicht wäre Melania Trump heute zufriedener, wenn ihr Mann die Präsidentschaftswahl verloren hätte. Sie könnte im prunkvollen Trump-Tower in Manhattan leben, ohne das Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Eine „private Frau“ nannte Trump Melania einmal. „Sie liebte ihr anderes Leben“, sagt er.

Dass es in ihrer Ehe krisele, ließ die Präsidentengattin dementieren. Sie schenke den „unrealistischen Szenarios“, die da beschrieben werden, keine Aufmerksamkeit.

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