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  • 26.01.2018

Trauerfeier für Paul Bocuse: Trauer in weiß

Spitzenköche aus der ganzen Welt kamen in weiß. Foto: AFP

Spitzenköche aus der ganzen Welt haben an der Trauerfeier für den französischen Starkoch Paul Bocuse teilgenommen. Der hatte posthum noch einen Tipp für die Gastronomie.

Hunderte Spitzenköche aus aller Welt haben Frankreichs Gastronomie-"Papst" Paul Bocuse am Freitag das letzte Geleit gegeben. Zu der Trauerfeier in der Kathedrale von Lyon versammelte sich das Who is Who der französischen Gastronomie, darunter die Spitzenköche Alain Ducasse und Joël Robuchon. Auch aus Japan und den USA waren Vertreter angereist. Bocuse war am Samstag im Alter von 91 Jahren gestorben.

In weiße Jacken gekleidete Köche trugen den Sarg in die Kirche. "Der Geist von Bocuse lebt weiter", sagte der Gastronom und Bocuse-Freund Pierre Troisgros als Trauerredner. Der Starkoch sei "unsterblich" und werde nun zu einem "himmlischen Festmahl" erwartet. Er wünsche dazu mit den Worten von Bocuse "Guten Appetit und großen Durst". Vor der Kirche verfolgten hunderte Menschen die Zeremonie trotz des Regens auf Großleinwänden.

Ursprünglich war keine große Trauerfeier geplant

Die französische Regierung war bei der Trauerfeier durch Innenminister Gérard Collomb vertreten, den früheren Bürgermeister von Lyon. Er sagte vor der Trauergemeinde, "Monsieur Paul" habe wie kein anderer die Gastronomie verkörpert und damit das Beste an Frankreich. Der Verband der Spitzenköche der Stadt hatte eine nationale Trauerfeier mit Präsident Emmanuel Macron gefordert. Sein Sohn Jérôme Bocuse lehnte dies jedoch ab: Sein Vater habe "keine Huldigung, keine Zeremonie, keine Blumen und keinen Kranz" gewollt, sagte er in einem Interview. Wegen des großen Interesses stimmte er schließlich einer Zeremonie in der Kathedrale zu.

An der Trauerfeier nahmen neben Bocuses Sohn und seiner Tochter Françoise Bocuse-Bernachon auch die Frauen des Spitzenkochs teil. Der "Jahrhundertkoch" lebte offen polygam - neben seiner Ehefrau Raymonde hatte er zwei weitere Frauen. Er sagte einmal: "Heutzutage leben wir zu lange, um ein ganzes Leben mit einer Einzigen zu verbringen." Nach der Trauerfeier sollte Bocuse im Familiengrab auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Collonges-au-Mont-d'Or nördlich von Lyon beigesetzt werden. Dazu wurden rund 200 Menschen erwartet. In seinem Heimatort betrieb Bocuse auch sein Restaurant "L'Auberge du Pont de Collonges". Es hat im Gastronomie-Führer Michelin schon seit mehr als 50 Jahren drei Sterne und hält damit einen Rekord.

Bocuse rät zur Selbstkritik

Berühmt wurde Bocuse als einer der Wegbereiter der "Nouvelle Cuisine": Mitte der 70er Jahre erschien in Deutschland und anderen Ländern sein Buch "Die neue Küche" - eine Küche, die auf erstklassige, frische Zutaten und beste Zubereitung setzte. Selbstironisch sagte er dazu später: "Die 'Nouvelle Cuisine', das war: nichts auf dem Teller und viel auf der Rechnung."

Bocuse hat sich einen Eintopf als letzte Mahlzeit gewünscht. Er hätte diesen "Pot-au-feu" gerne mit anderen Spitzenköchen zubereitet, sagte Bocuse in einem am Freitag posthum veröffentlichten Interview mit der Zeitschrift "Le Point", das anlässlich seiner Beisetzung erschien. Dazu hätte es nach seinen Worten einen Weißwein und einen Rotwein aus dem Umland von Lyon gegeben, woher er stammte. Als Geheimrezept empfahl Bocuse allen Köchen eine gute Prise Selbstkritik: "Wenn Köche die Angewohnheit hätten, ihre Speisen selbst zu essen, wäre das sicherlich besser!", betonte er.
Weiter sagte Bocuse in dem Interview, er habe keine Angst vor dem Tod. Wenn er Glück habe, könne er trotz seiner Parkinson-Erkrankung "bis zu 100 Jahre alt" werden. Der Vater der "Nouvelle Cuisine" war am vergangenen Samstag im Alter von 91 Jahren verstorben. AFP

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