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  • 10.11.2017
  • von Lutz Haverkamp

100 Jahre DIN-Norm: Die Deutschen und die Ordnung

von Lutz Haverkamp

Am Sitz des Deutschen Institutes für Normung in der Burggrafenstraße am DIN-Platz in Berlin ist der Schriftzug und das Logo «DIN» für die DIN-Norm zu sehen. Foto: dpa

Der Deutsche mag den Kontrollverlust nicht. Deshalb gibt es die DIN-Norm. Am Freitag wird sie 100 Jahre alt. Eine Würdigung.

Wie schwierig es ist, allseits akzeptierte Regeln zu ändern, zeigt sich in diesen Tagen gerade bei Twitter. Da geht dieser Kurznachrichtendienst einfach hin und erlaubt 280 anstatt der üblichen 140 Zeichen pro Mitteilung. Folge: kollektive Panik im Internet. Die Welt, wie wir sie kannten – Geschichte. Leitplanken, die uns führten – weg. Die ordnende Hand – abgeschlagen. Ein globaler Kontrollverlust.

Der Deutsche mag den Kontrollverlust nicht. Bei der Flüchtlingskrise nicht. Und bei Kegelstiften auch nicht. Für dieses Metallstückchen aus dem Maschinenbau wurde heute vor 100 Jahren die erste DIN-Norm vergeben. Seitdem weiß der Deutsche, woran er ist, wenn er überlegt, sich ein paar Kegelstifte zuzulegen.

Dieses Deutsche Institut für Normung (DIN) ist eine tolle Sache. Mit rund 450 Beschäftigten und mittlerweile knapp 34.000 Normen sorgt es unter anderem dafür, dass die aus dem Büro stibitzten DIN-A-4-Blätter auch im heimischen Drucker ihren Dienst tun können. Eine privatwirtschaftlich sehr erfolgreiche Angelegenheit.

Es gibt auch ISO

Aber auch volkswirtschaftlich geht ohne Normung nicht viel. Vereinheitlichte Standards liefern etwa 0,8 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts oder rund 15 Milliarden Euro, hat die Technische Universität Berlin ausgerechnet.

Globalisierung ohne Norm ist deshalb auch kaum vorstellbar. Viele der Normen des DIN werden bei der Genfer Internationalen Organisation für Normung eingebracht. Dann heißen sie ISO. Viele Firmen sind ganz heiß drauf, nach ISO xy zertifiziert zu werden. So ist es dann zum Beispiel möglich, einen asiatischen Schiffscontainer im Hamburger Hafen auf einen polnischen Lastkraftwagen zu stellen und später mit britischen Containern in Finnland zu einem schönen Haufen zu stapeln. Alter Schwede!

Was passiert, wenn jede Norm fehlt, erfährt zum Beispiel der europäische Tourist immer mal wieder, wenn er sich in den Vereinigten Staaten von Amerika den Drei-Tage-Bart mittels Elektrorasierer aus dem Gesicht nehmen will. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Und die 13 verschiedenen Ladekabel der vergangenen Handy-Generationen helfen da auch nicht weiter. Es hat sich also auf der Welt noch lange nicht ausnormiert.

Oder doch? Von der deutschen Lyrikerin Else Pannek ist der Spruch überliefert: „Alles, was nicht der Norm entspricht, zwingt zum Nachdenken – und das stört.“ Vorschlag: Lassen wir uns – im besten Sinne – häufiger stören.

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