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  • 11.09.2017
  • von Thomas Seibert

Florida: Das große Aufräumen nach "Irma"

von Thomas Seibert

Ein von "Irma" zerstörtes Haus in Florida. Foto: REUTERS/Bryan Woolston

Während der Sturm nach und nach an Stärke verliert, probt der Süden des Landes die Rückkehr zur Normalität.

Erst kam der Sturm, dann kam das Wasser. Nachdem der Wirbelsturm „Irma“ am Wochenende über Florida hinweg gewalzt war, sind die Küsten des US-Bundesstaates am Montag von hohen Sturmfluten heimgesucht worden. In der Innenstadt von Jacksonville wurde ein Hochwasser-Rekord aus dem Jahr 1964 übertroffen. In Orlando retteten die Nationalgarde und die Feuerwehr die Bewohner von mehr als 120 Häusern im Überschwemmungsgebiet. „Irma“ schwächte sich unterdessen ab und zog Richtung Norden nach Georgia weiter. Im Süden des Bundesstaates begannen die Aufräumarbeiten. Der Sturm hinterlässt Medienberichten zufolge mindestens vier Tote. Schätzungen des Fachdienstes Air Worldwide entstanden Versicherungsschäden von 16 bis 33 Milliarden Euro.

Die Inselkette der Florida Keys an der Südspitze des Bundesstaates waren am Sonntag von drei Meter hohen Wellen im Gefolge „Irma“ überschwemmt worden; mancherorts seien Möbelstücke im Wasser zu sehen gewesen, die von der Flut fortgespült wurden, meldeten US-Medien. Mehrere tausend Menschen hatten die Evakuierungsappelle der Behörden ignoriert und waren auch in den besonders betroffenen Keys in ihren Häusern geblieben. Nach dem Abzug des Sturms am Montag sollten Rettungstrupps entsandt werden, um nach den Bewohnern der Inselkette zu schauen und Versorgungsgüter zu verteilen. Mindestens zwei Flughäfen in der Gegend haben den Sturm offenbar so gut überstanden, dass sie Hilfsgüter-Transporte genutzt werden können.

Stromversorgung brach zusammen

Auch in der Metropole Miami drückte der Sturm große Wassermaßen in die Innenstadt hinein. Dort brachten sich viele Menschen in letzter Minute in Sicherheit - unter anderem wurden die Redaktionsräume der Zeitung „Miami Herald“ zum Zufluchtsort für Sturmopfer umfunktioniert. Mancherorts wurde der Wirbelsturm von Tornados begleitet.

In rund sechs Millionen Privathaushalten in Florida brach die Stromversorgung zusammen, weil „Irma“ mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Stundenkilometern viele Stromleitungen zerriss. Umgeknickte Bäume und überspülte Straßen behinderten am Montag die beginnenden Aufräumarbeiten in einigen Teilen des Bundesstaates. Die Behörden riefen in mehreren Gebieten vorsorglich Ausgangssperren ausgerufen, um Plünderungen zu verhindern. US-Medien schilderten aus mehreren Städten der Ostküste Floridas Überfälle, viele der Täter seien bewaffnet. Die Polizei von Miami meldete 28 Festnahmen.

"Wir sind noch einmal davon gekommen"

Anders als beim Wirbelsturm „Harvey“ in Texas vor zwei Wochen, als der Sturm tagelang über der Metropole Houston stoppte und Rekordmengen an Regen niedergehen ließ, zog „Irma“ relativ rasch über Florida hinweg. Einige Gegenden meldeten nach dem Abzug, dass es weniger schlimme Schäden gegeben hatte, als befürchtet. So blieb der Großraum der Stadt Tampa am Golf von Mexiko von der vorhergesagten Sturmflut mit fünf Meter hohen Wellen verschont.

„Wir sind noch einmal davon gekommen“, sagte Bürgermeister Bob Buckhorn. Julia Hally aus St. Petersburg bei Tampa sagte der Nachrichtenagentur Reuters, sie bereue es nicht, mit ihren Kindern und anderen Familienmitgliedern während des Sturms in ihrem Haus geblieben zu sein, statt in eine Notunterkunft zu gehen oder aus Florida zu fliehen. Ihr Heim habe den Sturm weitgehend unbeschadet überstanden. „Ich bin sehr erleichtert, dass es vorbei ist“, sagte sie.

Am See Okeechobee westlich von West Palm Beach, wo die Bewohner mehrerer Gemeinden wegen befürchteter Dammbrüche evakuiert worden waren, stellten Experten keine nennenswerte Schäden an den Dämmen fest. Auch auf den Florida Keys, wo die einzelnen Inseln durch zahlreiche Brücken miteinander verbunden sind, gab es zunächst keine Hinweise auf ernsthafte Schäden.

Arme haben es schwerer

Die Schäden und die Zahl der Todesopfer blieben im dichtbesiedelten Florida ersten Meldungen zufolge im Vergleich zur Karibik relativ niedrig. Dort hatte „Irma“ 40 Menschen getötet. Allein in Kuba kamen nach offiziellen Angaben mindestens zehn Menschen ums Leben. Die Opfer seien aus verschiedenen Landesteilen, darunter Havanna, gemeldet worden, erklärte der Zivilschutz am Montag. Während die Welt derzeit vor allem auf die Vereinigten Staaten blickt, scheint es, als habe der Sturm vor allem die Inseln und die Armen mit voller Wucht getroffen.

Auch in Florida legt die Erfahrung mit „Harvey“ nahe, dass es die ärmeren Bevölkerungsschichten besonders schwer haben werden, über die Folgen des Sturms hinwegzukommen. Wie in einigen betroffenen Küstenregionen von Texas gibt es in Florida sehr viele Immobilien reicher Amerikaner, die diese als Ferienwohnungen oder Winterdomizile nutzen. Die Armen müssten in den vom Sturm getroffenen Orten ihre Häuser wieder aufbauen, weil sie kein anderes Zuhause hätten, sagte Chuck Chamel, leitendes Mitglied einer Hilfsorganisation in Texas, der „Washington Post“. Die Reichen dagegen könnten einfach abwarten und „in ein paar Wochen wiederkommen, wenn der Strom wieder da ist und die Golfplätze wieder geöffnet sind“.

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