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  • 08.09.2017

Hurrikan "Irma": Tote und Verwüstung in der Karibik - Tausende fliehen in Florida

Zerstörung im französischen Teil der Karibikinsel Saint-Martin. Foto: Lionel Chamoiseau/AFP

Tropensturm "Irma" hinterlässt eine Schneise der Zerstörung in der Karibik. Der US-Bundesstaat Florida bereitet sich auf das Schlimmste vor.

Hurrikan „Irma“ hat eine Schneise der Zerstörung durch die Karibik geschlagen und viele Menschen in den Tod gerissen. Das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) der USA stufte den Wirbelsturm am Freitag zwar auf die zweithöchste Kategorie vier herunter, nannte ihn aber weiterhin "extrem gefährlich". Der Gouverneur von Florida appellierte an sämtliche Einwohner des Bundesstaats, sich für eine mögliche Evakuierung zu wappnen. Die gesamte Bevölkerung von Florida solle darauf vorbereitet sein, "bald" ihre Wohngebiete zu verlassen, erklärte Gouverneur Rick Scott am Freitag. Bislang betreffen die Anordnungen der regionalen Behörden in Florida für die obligatorische Evakuierung nicht den gesamten Bundesstaat, sondern nur diverse Küstenregionen.

Viele Tote - eine Million Menschen ohne Strom

Auf der zu den USA gehörenden Insel Puerto Rico und den amerikanischen Jungferninseln starben zusammen sieben Menschen, wie der „Guardian“ berichtete. Bis zu neun Meter hohe Wellen schlugen über die Insel. Mehr als eine Million Menschen seien ohne Strom. Es wird erwartet, dass die Zahl der Toten weiter steigt, da hinter „Irma“ bereits der nächste Hurrikan „José“ heranzieht.

Auf den französischen Karibikinseln sind mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Sieben Menschen würden vermisst, sagte Innenminister Gérard Collomb am Freitag in Paris. Am Vorabend hatte die Regierung in Paris noch von vier Todesopfern gesprochen. Die Behörden zählten 112 Verletzte, darunter zwei Schwerverletzte. Die Bilanz sei weiterhin mit Vorsicht zu betrachten, sagte Collomb. Der Hurrikan hatte in den französischen Überseegebieten schwere Schäden angerichtet. Der schlechte Zugang zum Katastrophengebiet machte eine genaue Erfassung der Opferzahlen zunächst schwierig. Auch im britischen Überseegebiet Anguilla und auf Barbuda kamen zwei Menschen ums Leben.

Fast 300 Kilometer pro Stunde

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Sturms betroffen sein. Der Hurrikan passierte in der Nacht auf Freitag (Ortszeit) Haiti und sollte dann weiter Richtung Kuba, Bahamas und Florida ziehen.

„Irma“ ist einer der stärksten jemals in der Region registrierten Tropenstürme mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde. Besonders schwer getroffen wurden die Karibikinseln Barbuda, Saint-Martin und Anguilla. „Mindestens 95 Prozent der Gebäude wurden beschädigt. 60 Prozent der Bevölkerung sind obdachlos“, sagte Premierminister Gaston Browne zur Lage auf Barbuda. Die Insel sei praktisch unbewohnbar geworden.

Angesichts des heraufziehenden nächsten Hurrikans „José“ rief die Regierung die Bewohner auf, Barbuda zu verlassen und auf der Nachbarinsel Antigua Schutz zu suchen. Sollte der neue Wirbelsturm der Kategorie drei weiter Kurs auf Barbuda nehmen, werde die Insel zwangsgeräumt.

Auch Zehntausende Urlauber betroffen

Nach dem Durchzug von „Irma“ begannen auf den Kleinen Antillen im Südosten der Karibik die Aufräumarbeiten. Vom französischen Übersee-Département Guadeloupe aus wurden 400 Gendarmen und 400 Feuerwehrleute in das Gebiet geschickt. Zwei Fregatten, zwei Aufklärungsflugzeuge, Transportflugzeuge und Helikopter waren im Einsatz. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May vereinbarten eine enge Zusammenarbeit, um das Ausmaß der Zerstörung zu erfassen und die Rettungsmaßnahmen zu koordinieren.

Niederländische Marinesoldaten trafen mit ersten Hilfsgütern auf Sint Maarten ein. Sie sollten helfen, den Flughafen und den Hafen wieder instandzusetzen. Zwei Flugzeuge der niederländischen Streitkräfte mit Hilfsgütern waren unterwegs zu der Insel. Sie hatten unter anderem Trinkwasser und Nahrung für die etwa 40.000 Einwohner an Bord.

Auch zahlreiche Karibikurlauber waren vom Hurrikan betroffen. In der Dominikanischen Republik brachten die Behörden rund 7500 Touristen in Sicherheit. In Kuba wurden rund 36.000 Urlauber von der besonders gefährdeten Nordküste an sicherere Orte gebracht, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Mit Sorge blickten Hilfsorganisationen auf das bitterarme Haiti. Dort leiden die Menschen noch immer unter den Auswirkungen des Erdbebens von 2010 und Hurrikan „Matthew“ im vergangenen Jahr. Viele Haitianer leben in provisorischen Unterkünften und sind schlecht auf einen neuerlichen Tropensturm vorbereitet. „Mit jeder Naturkatastrophe verschlechtert sich die Lage der Menschen“, sagte Catherine Stubbe von der Hilfsorganisation Handicap International. „Wenn sie sich gerade von einem Unglück erholt haben, kommt das nächste.“

Hilfsorganisationen und die Behörden brachten sich am Donnerstag im Norden von Haiti in Stellung. Techniker, Mediziner und Rettungskräfte stünden bereit, um zu helfen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Nichtregierungsorganisationen schafften Hilfsgüter in die besonders gefährdeten Regionen.

Als immer wahrscheinlicher galt, dass „Irma“ am Samstag auf Florida trifft. Die Vorhersagen der Meteorologen schwanken und können sich ändern. Nach letzten Modellen könnte die Millionenmetropole Miami allerdings voll von „Irma“ erfasst werden.

Gouverneur Rick Scott rief die Einwohner des US-Bundesstaates zu äußerster Vorsicht auf. Der bevorstehende Sturm sei in vielen Teilen Floridas lebensgefährlich. In Floridas Süden, etwa auf der Inselkette der Florida Keys, wurden Evakuierungen angeordnet. Jeder müsse sich darauf vorbereiten, sein Zuhause zu verlassen, sagte Scott.

Auch Donald Trumps sogenanntes „Winter White House“ Mar-a-Lago in Florida soll geräumt werden. Der Golfclub in der Stadt Palm Beach liegt in einer Evakuierungszone der US-Behörden, wie die Zeitung „Sun Sentinel“ berichtete. Trump hat sich häufig nach Mar-a-Lago zurückgezogen, auch seit seiner Wahl zum Präsidenten. Eine Sprecherin aus dem Trump-Konzern sagte dem Sender CNN, man werde allen Anweisungen der Behörden Folge leisten. (dpa)

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