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  • 25.08.2017
  • von Christoph von Marschall

Golfküste der USA: Texas bereitet sich auf Hurrikan "Harvey" vor

von Christoph von Marschall

Die Satelliten-Aufnahme zeigt den Hurrikan im westlichen Golf von Mexiko am Donnerstag (Ortszeit). Foto: dpa

Es könnte der stärkste Wirbelsturm in den USA seit zwölf Jahren werden: Hunderttausende bringen sich in Sicherheit.

Die Golfküste von Texas und des angrenzenden US-Bundesstaats Louisiana bereitet sich auf den schwersten Hurrikan seit Jahren vor. Wirbelsturm "Harvey" wird im Lauf des Sonnabend in einer Breite von über 300 Kilometern auf die Küste zwischen Corpus Christi an der Südspitze von Texas und dem Großraum Houston treffen. Gouverneur Greg Abbott hat vorbeugend den Ausnahmezustand ausgerufen. "Wir können offensichtlich schon in diesem Stadium sagen, dass es eine sehr große Katastrophe sein wird", sagte er.

Die Notfalldienste forderten Anwohner der Küstenregion auf, sich in Sicherheit zu bringen. Hunderttausende folgten offenbar diesem Aufruf. Für Houston wurde angeordnet, alle Schulen am Montag geschlossen zu halten. Texas hat seit Hurrikan "Wilma" vor zwölf Jahren keinen so gefährlichen Wirbelsturm erlebt.

Windgeschwindigkeiten über 200 Kilometer pro Stunde?

Die Meteorologen sagen Windgeschwindigkeiten von weit über 100 Kilometer pro Stunde und in der Spitze womöglich über 200 voraus. Derzeit wird "Harvey" als Hurrikan der Stufe 3 eingeschätzt. Das erinnert an die Lage Ende August 2005, als Hurrikan "Katrina" New Orleans und die angrenzenden Küstenstreifen bis nach Mississippi und Alabama verwüstete und 1800 Menschen ums Leben.

Noch zerstörerischer als der Sturm dürfte sich der mehrtägige Starkregen auswirken. Der kumulierte Niederschlag über drei bis vier Tage wird vermutlich über 50 Zentimeter Wassersäule steigen. In Kombination mit starken Winden werden Sturmfluten von mehr als vier Meter Höhe an der Küste befürchtet.

Im Extremfall können sie ganze Gebäude wegfegen oder die unteren Stockwerke zerstören. Während des Hurrikans "Katrina" 2005 waren in Küstenstädten wie Mobile, Alabama, Schiffe und tonnenschwere Kabeltrommeln über die erste Häuserreihe am Ufer hinweg ins Binnenland katapultiert worden. Das Dammsystem, das die Stadt New Orleans schützt, hatte der kombinierten Wucht aus Regen und Sturm nicht standgehalten. Ganze Viertel wurden überflutet, zum Teil stieg das Wasser bis ans Dach zweistöckiger Häuser.

Wissenschaftler warnen vor einer Umweltkatastrophe

Die einzelnen Städte und Institutionen reagieren unterschiedlich auf die Gefahr. Der Bürgermeister der Küstenstadt Corpus Christi, Joe McComb, empfahl den 360.000 Einwohnern, die Stadt zu verlassen, setzte aber hinzu, er werde "die Polizei nicht dafür einsetzen, Menschen aus ihren Häusern herauszuschleifen, wenn sie das nicht wollen". Andere Gemeinden ordneten eine verbindliche Evakuierung an. Einige Universitäten schickten die Studenten nach Hause.

Wissenschaftler warnen zudem vor einer Umweltkatastrophe. An der texanischen Küste zwischen Galveston und Houston ist die Ölindustrie zuhause und gibt es zahlreiche petrochemische Vorratsbehälter. Roy Scranton, Professor an der University of Notre Dame hatte das Szenario vor einem Jahr in der "New York Times" beschrieben: Mehr als 200 petrochemische Tanks werden beschädigt, mehr als 350 Millionen Liter Öl und Chemikalien laufen aus. Der Schaden summiert sich auf über 100 Milliarden Dollar, und die Zahl der Toten könnte auf 3500 steigen.

So muss es nicht kommen. Nicht jeder Wirbelsturm, der zur Kategorie eines Hurrikans wächst, muss so zerstörerisch sein. Ihre Kraft laden sie unter bestimmten Wetterbedingungen über dem südlichen Atlantik und dem Golf von Mexiko auf. Je nach Entwicklung kann sich die Wucht verstärken – oder nachlassen. "Katrina" wurde zerstörerischer als erwartet. "Rita" wenige Tage später verlief glimpflicher. "Wilma" im Oktober 2005 richtete große Verwüstungen an. Es war der zwölfte offizielle Hurrikan in der Saison 2005. Es folgten Jahre ohne Wirbelstürme dieser Größenordnung. (mit AFP)

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