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  • 03.07.2017
  • von Robert Klages

Busunfall auf A9 in Oberfranken: "Alle 18 vermissten Businsassen ums Leben gekommen"

von Robert Klages

Der ausgebrannte Bus auf der A7. Polizisten und Forensiker untersuchen das Unglück. Foto: AFP

Auch Kanzlerin Angela Merkel gedenkt der Opfer. Verkehrsminister Alexander Dobrindt kritisiert vor Ort das Verhalten von Autofahrern und Schaulustigen.

Nach dem schweren Busunfall am Montagmorgen auf der Autobahn 9 in Bayern gehen die Ermittler davon aus, dass 18 Menschen bei dem Unglück gestorben sind. Die auch Stunden nach dem Unfall vermissten 18 Businsassen "dürften wohl in dem brennenden Reisebus ums Leben gekommen sein", teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Hof mit. Derzeit ist völlig unklar, weshalb der Bus so schnell Feuer fangen konnte.

Bei den Businsassen handelt es sich offenbar um eine Seniorengruppe aus Sachsen. Nach Informationen der Deutschen Presse Agentur (dpa) kamen die Fahrgäste aus der Oberlausitz und dem Großraum Dresden. Ein Redakteur der Frankenpost sagte sz-online.de, der Bus sei auf dem Weg zum Gardasee gewesen. Mitarbeiter der Polizeidirektion Dresden bereiteten sich darauf vor, die Angehörigen der Todesopfer zu informieren. Unter den Fahrgästen sind auch Personen auch Brandenburg gewesen. In Senftenberg seien am Morgen vier Brandenburger und vier Sachsen zugestiegen, teilte das Innenministerium des Landes am Montag in Potsdam mit. Zu deren Zustand machte das Ministerium zunächst keine Angaben. Noch sei auch unklar, ob an Haltestellen in Sachsen weitere Brandenburger dazu gekommen seien.

Aus der Oberlausitz kommend, hatte der Bus am frühen Morgen Station am Dresdner Hauptbahnhof gemacht und Reisende aufgenommen; kurz nach 7.00 Uhr war er bei Münchberg verunglückt. Bei sich stauendem Verkehr war er auf einen vorausfahrenden Sattelzug aufgefahren. Kurz darauf stand der Bus in Flammen. Die Polizei machte noch keine Angaben zu dem Reiseanbieter.

Nach Angaben der Ermittler sollen Spezialisten der Rechtsmedizin und des Bundeskriminalamts die Leichen aus dem Bus bergen und identifizieren. Von den insgesamt 48 Businsassen seien 30 in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, einige von ihnen seien schwer verletzt.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) flogen von Berlin aus mit dem Hubschrauber aus Berlin zum Unfallort. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und den Angehörigen", sagte Dobrindt. Er bedankte sich bei den Rettungskräften, für die es eine äußerst schwierige Situation sei. Sie seien bei ihrer Ankunft auf einen komplett brennenden Bus gestoßen, dem sie sich aufgrund der enormen Hitzebildung nur schwer hätten nähern können.

In Münchberg ist demnach auch eine Anlaufstelle mit psychologischer Betreuung für Einsatzkräfte und ankommende Angehörige eingerichtet worden. Die A9 müsse noch eine Zeitlang, vermutlich den ganzen Tag, gesperrt bleiben, sagte Dobrindt. Forensiker suchen im Bus-Wrack nach weiteren Überresten von Menschen. Elf Leichen konnten bereits geborgen werden.

Bisher könnten sich die Einsatzleiter nicht erklären, wie es zu der schnellen Feuerentwicklung kommen konnte, so der Verkehrsminister. Es sei unerklärlich, wie es durch einen "scheinbar kleinen Auffahrunfall" zu so einem Feuer kommen konnte, sagte auch Joachim Herrmann. Er beklagte zudem, dass die Arbeiten der Rettungskräfte durch Schaulustige behindert wurden. Dobrindt berichtete, es habe beinahe einen weiteren Unfall auf der Gegenfahrbahn gegeben, weil die Autos langsam an der Unfallstelle vorbeigefahren seien und ein Lkw dadurch scharf bremsen musste.

In Berlin sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. "Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen der Opfer", sagte die Kanzlerin. Sie wünschte den Verletzten schnelle Genesung und dankte den Rettungskräften. Die Arbeit der Retter sei in einer solchen schrecklichen Situation von besonderer Bedeutung.

Die Polizei hat unterdessen eine zentrale Telefonnummer für besorgte Angehörige eingerichtet. Unter der Rufnummer 0800 / 7766350 können sie sich an die Gemeinsame Auskunfts- und Vermisstenstelle wenden, wie die Polizei am Montag mitteilte. Auch Zeugen könnten sich hier melden.

Schwere Busunfälle in Deutschland

In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder schwere Autounfälle mit Reisebussen ereignet. 2010 waren bei einem schweren Busunglück auf dem Berliner Ring 14 Menschen ums Leben gekommen. Damals hatte der Busfahrer eine Geschwindigkeitsbegrenzung missachtet. Bereits drei Jahre früher, im Juni 2007, waren auf der A 14 Magdeburg-Dresden 13 Seniorinnen und Senioren aus dem Münsterland ums Leben gekommen. Der Bus wurde von einem Lkw gerammt und kam von der Strecke ab. Nur ein Jahr später, im November 2008, ging auf der A2 nahe Hannover ein Reisebus wegen eines technischen Defekts in Flammen auf. 20 Teilnehmer einer Kaffeefahrt kamen ums Leben. (mit dpa)

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