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  • 17.02.2017
  • von Ralph Schulze

Spanien: Freispruch für die Prinzessin

von Ralph Schulze

Cristina und ihr Mann Inaki Urdangarin - hier auf einem Archivbild - standen auf Mallorca vor Gericht. Foto: imago/Agencia EFE

Erstmals musste sich ein Mitglied der spanischen Königsfamilie vor Gericht verantworten. Doch für die Richter steht nun fest: Infantin Cristina hat keine Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet.

Das Paar strahlte. König Felipe und Königin Letizia eröffneten am Freitagmittag mit einem Lächeln die Ausstellung „Meisterwerke aus Budapest“ im berühmten Museum Thyssen-Bornemisza in Spaniens Hauptstadt Madrid. Offensichtlich hatten sie schon die Nachricht aus dem Landgericht der Mallorca-Hauptstadt Palma erreicht, wo Felipes ältere Schwester kurz zuvor in einem spektakulären Betrugsprozess vom Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung freigesprochen worden war.

Die Beschuldigungen gegen die Infantin, wie die Prinzessin in Spanien genannt wird, hatten das Königshaus in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise gestürzt. Das einjährige Strafverfahren gegen Cristina, ihren Ehemann und 15 Mitangeklagte galt als Jahrhundertprozess, weil erstmals ein Mitglied der Königsfamilie vor Gericht stand. Der Verdacht gegen Cristina, der nach jahrelangen Ermittlungen zur Anklage geführt hatte, führte zudem für Familienkrach: König Felipe entzog seiner Schwester schon vor zwei Jahren den Titel „Herzogin von Palma“ und verbannte sie von allen öffentlichen Auftritten der Königsfamilie.

Doch die rechtliche Beweislage gegen die Prinzessin war den drei Richterinnen der Strafkammer in Palma, die acht Monate über das heikle Urteil beraten hatten, zu dünn. Deswegen ließen sie im Falle Ihrer Hoheit Milde walten. Die Prinzessin, die in den Gerichtsakten mit ihrem bürgerlichen Namen „Cristina de Borbón y Grecia“ firmiert, kam glimpflich davon. Sie muss nur zivilrechtliche Schadenswiedergutmachung leisten und 265000 Euro an die Staatskasse zahlen. Die Infantin, die mit ihrer Familie in der Schweizer Stadt Genf residiert, musste übrigens wie die anderen Angeklagten nicht zur Urteilsverkündung erscheinen.

Veruntreuung, Rechtsbeugung, Korruption und Steuerhinterziehung

Weniger Grund zum Feiern hatte Cristinas Ehemann Inaki Urdangarin. Ihn verurteilte das Gericht zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis sowie zu einer Geldstrafe von 512000 Euro. Der 49-jährige frühere Handball-Nationalspieler, der mit Cristina vier Kinder hat, wurde wegen Veruntreuung, Rechtsbeugung, Korruption und Steuerhinterziehung schuldig gesprochen. Doch auch für Urdangarin, der als einer der Schlüsselfiguren dieses millionenschweren Betrugsfalles gilt, hätte es schlimmer kommen können. Der Staatsanwalt hatte 19 Jahre Haft für ihn gefordert.

Ob der Ehemann der Prinzessin tatsächlich hinter Gitter kommt, ist derzeit aber noch unklar. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Urdangarin, der sich für unschuldig erklärt hatte, Berufung gegen das Urteil einlegen wird. In dem Prozess ging es vor allem um zwielichtige Geschäfte Urdangarins und seines früheren Geschäftspartners Diego Torres zwischen den Jahren 2004 und 2006. Die beiden hatten mit einer als Stiftung getarnten Firma mehr als sechs Millionen Euro an öffentlichen Geldern ergaunert. Die Einnahmen waren dann über Steuerparadiese am Fiskus vorbei geschleust worden. Dem Geschäftspartner Diego Torres brummte das Gericht dafür acht Jahre und sechs Monate Haft auf.

„Prinzessin Ahnungslos“

Cristina, die als werbendes Aushängeschild dieser Scheinstiftung diente, hatte stets beteuert, von dem Betrug nichts gewusst zu haben und unschuldig zu sein. In ihrer Vernehmung hatte sie überwiegend mit „Weiß ich nicht“ und „Ist mir nicht bekannt“ geantwortet, was ihr in den Medien den Beinamen „Prinzessin Ahnungslos“ einbrachte. Dokumente habe sie „blind“ und „aus Liebe“ unterschrieben, weil sie ihrem Ehemann „völlig vertraut“ habe, sagte sie vor Gericht.

Mit dem Freispruch Cristinas folgte die Strafkammer dem Plädoyer des Staatsanwalts, der sich während des Prozesses mit auffallendem Engagement in den besten Verteidiger der Infantin verwandelt hatte. Dies hatte Vorwürfe zur Folge, dass die Staatsanwaltschaft als verlängerter Arm des Königshauses handele. Zuvor hatte jener Untersuchungsrichter, der mit seinen Ermittlungen den Fall ins Rollen brachte, von Versuchen der Einflussnahme berichtet. So habe zum Beispiel ein dem Königshaus nahestehender Anwalt ihn zu einem geheimen Treffen bewegen wollen. Möglicherweise, so der Untersuchungsrichter, um ihm ein Schmiergeldangebot zu machen.

Cristinas Anwalt Miquel Roca, jenem Mann, dem dieses unseriöse Angebot zugeschrieben wurde, verkündete derweil nach dem Urteilsspruch, dass seine adelige Mandantin mit dem Verfahrensausgang „zufrieden“ sei. Auch wenn die Prinzessin die Verurteilung ihres Angetrauten für „ungerecht“ halte. Weil sie weiterhin an dessen Unschuld glaube.


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