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  • 24.07.2013
  • von Peer Straube und Peter Tiede

Potsdam appelliert an seine Reichen: Tut mehr für Soziales

von Peer Straube und Peter Tiede

Beigeordnete: Nicht nur für Wiederaufbau der Mitte spenden. Zahl der Millionäre wächst

Potsdam – Potsdams Stadtspitze wünscht sich mehr soziales Engagement der reichen Potsdamer. Potsdams Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos) sagte in einem PNN-Interview: „Es wäre wünschenswert, wenn in Potsdam nicht nur für die Wiederherstellung des historischen Stadtbildes gespendet werden würde, sondern auch für die Menschen, denen es weniger gut geht.“ Müller-Preinesberger spielte damit auf die Großspenden für das Stadtschloss von Mäzenen wie Hasso Plattner und Günther Jauch an. Zwar sei bekannt, dass „es Menschen wie Günther Jauch gibt, die zum Beispiel das Kinderhilfswerk Arche unterstützen“. Potsdam habe aber auch viele kommunale Projekte wie die Stiftung Altenhilfe, „die vom Mäzenatentum nicht profitieren“, so Müller-Preinesberger.

Jauch und Plattner haben neben den insgesamt rund 30 Millionen für das Fortunaportal sowie Fassade und Dach des Stadtschlosses in Potsdam aber bisher schon deutlich mehr für soziale und für Bildungszwecke gespendet. Plattner etwa finanziert über seine private Stiftung komplett das Hasso Plattner Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) am Universitätsstandort Griebnitzsee – inklusive Bau und Lehrbetrieb. Insgesamt hat der Mitbegründer des Softwarekonzerns SAP bereits mehr als 200 Millionen Euro in das Vorhaben gesteckt. Die Hasso-Plattner-Förderstiftung hat außerdem Millionen für medizinische Grundlagenforschung gegen HIV und Aids sowie zur Förderung der Gesundheitsfürsorge in armen Ländern zur Verfügung gestellt. Zudem verfolgt der Mäzen in dem von ihm gemeinsam mit dem Berliner Unternehmer Abris Lelbach geplanten Kunstmuseum im Palast Barberini ebenfalls einen sozialen Ansatz – unter anderem soll es dort eine museumspädagogische Einrichtung geben, die auch Kindern bildende Kunst nahebringt.

Auch Günther Jauch engagiert sich seit Jahren auf sozialer Ebene. „Ich habe von Beginn an sämtliche Einnahmen aus meinen Werbeverträgen wohltätigen Zwecken zur Verfügung gestellt“, sagte er vor zwei Jahren den PNN. So finanziert der TV-Moderator und Wahlpotsdamer etwa das Kinder-Hilfsprojekt „Arche“ in Drewitz – über eine von ihm gegründete Stiftung, an der auch weitere Spender beteiligt sind. Gewinne aus Auftritten in Ratesendungen lässt Jauch ebenfalls regelmäßig der „Arche“ zukommen, so etwa zum Jahresbeginn, als er im ARD-Jahresquiz 25 000 Euro einstrich.

Allerdings gibt es in Brandenburgs Landeshauptstadt deutlich mehr Millionäre als Jauch und Plattner. Die aktuellste Zahl stammt von 2007: Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Berlin-Brandenburg lebten damals 28 Einkommensmillionäre – Menschen, deren Jahreseinkommen mindestens eine Million Euro beträgt – in Potsdam. Deren Zahl hat sich damit binnen drei Jahren vervierfacht. Wie viele Einkommensmillionäre heute in Potsdam wohnen, ist unbekannt. Die nächste Erhebung gibt es erst im Jahr 2014 und sie wird den Stand von 2010 abbilden. Grund ist die Dreijahresfrist, die das Finanzamt zur Vorlage von Steuererklärungen einräumt.

Neben Jauch und Plattner engagieren sich aber auch andere Prominente für soziale Zwecke. So hatten etwa der frühere Schwimmweltmeister Jörg Hoffmann, Bob-Olympiasieger Kevin Kuske und Modeschöpfer Wolfgang Joop ihre Unterstützung beim Aufbau des stationären Hospizes zur Begleitung Sterbender auf der Potsdamer Halbinsel Hermannswerder zugesagt.

 

  • Erschienen am 24.07.2013 auf Seite 01

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