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Flughafen

  • 08.10.2012
  • von Alexander Fröhlich, Klaus Kurpjuweit und Matthias Matern

Exklusiv: BER – Akten geschönt, Terminal zu klein

von Alexander Fröhlich, Klaus Kurpjuweit und Matthias Matern

Start- und Landebahn des neuen Flughafens BER. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd

Aus Kostengründen wurde das Terminal des Hauptstadtflughafens zu klein gebaut. Ein Bericht mit Warnungen der bauüberwachenden Architekten wurde geschönt. Brandenburgs Grüne: Wenn der Aufsichtsrat nichts davon wusste, muss er Anzeige gegen Ex-Manager stellen.

Potsdam – Die Verantwortlichen für den Flughafen BER in Schönefeld haben nach PNN-Informationen über Jahre hinweg die Kosten für das Milliardenprojekt geschönt und die Öffentlichkeit getäuscht. Zudem wurde nach PNN-Informationen im Januar 2012 die Warnung der bauüberwachenden Architekten, dass der Eröffnungstermin 3. Juni 2012 nicht zu halten sei, in den Wind geschlagen. Berichte darüber wurden geschönt und verheimlicht.

Um den Eindruck erwecken zu können, dass der Kostenrahmen von etwa zwei Milliarden Euro für den Bau des BER eingehalten werden kann, wurde etwa das Terminal wissentlich zu klein gebaut. Mindestens seit dem Jahr 2007 war den Verantwortlichen der Flughafengesellschaft, die den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund gehört, bewusst, dass beim Bau eines funktionstüchtigen und ausreichend dimensionierten Flughafens der Kostenrahmen nicht zu halten sein würde. Damals hatten die Planer darauf hingewiesen, dass die Haupthalle zu klein konzipiert ist. Die Flughafengesellschaft verzichtete aber darauf, das Gebäude zu erweitern. In diesem Jahr mussten zwei Provisorien angefügt werden. Die Kosten für diese Pavillons sind ähnlich hoch, wie sie bei einer Erweiterung der Haupthalle angefallen wären. Allerdings steht weniger Platz zur Verfügung. Bei einer Flughafeneröffnung wird es so voraussichtlich nur eine Kapazitätsreserve von zehn Prozent geben. Auch die Bundespolizei wies darauf hin, dass der gesamte Abfertigungsbereich zu klein ist. An einem normalen Ferientag mit Geschäftsfliegerbetrieb genüge eine kleinere Störung im Flugverkehr, um die Halle sperren zu müssen.


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Darüber, dass die für den 3. Juni 2012 geplante BER-Eröffnung nicht zu halten sein wird, waren Verantwortliche weit früher im Bilde als zugegeben. Nach PNN-Informationen lagen der Flughafengesellschaft (FBB) bereits im Januar 2012 detaillierte Warnungen zu abziehbaren Verzögerungen vor. Einen sogenannten Überwachungsbericht der BER-Planungsgemeinschaft vom Januar, der mehrere Schwachstellen aufzeigte, wurde vom Baubereich der Flughafengesellschaft geschönt.

 

Statt der geplanten zwei Milliarden Euro sind die Kosten für den BER inzwischen auf über vier Milliarden Euro gestiegen. Wie viel der BER am Ende kosten wird, ist unklar. Kosten für Umbauten an der Brandschutzanlage und überbelegten Kabeltrassen sind noch nicht kalkuliert. Wegen der nicht funktionierenden Be- und Entlüftung war die Flughafeneröffnung verschoben worden. Der Fraktionschef der Grünen im brandenburgischen Landtag, Axel Vogel, forderte den BER-Aufsichtsrat daher am Sonntag auf, gegen den ehemaligen Baubereichschef des BER, Manfred Körtgen, Strafanzeige zu erstatten. Wenn der Aufsichtsrat tatsächlich davon nichts wusste, so Vogel gegenüber den PNN, „müsste er eigentlich Strafanzeige stellen“. Brandenburgs FDP-Chef Gregor Beyer sagte, er hoffe, „dass nun die Hauptverantworlichen im Aufsichtsrat endlich merken, dass man sich nicht auf Unterlagen verlassen darf“.

Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Dieter Dombrowski, verwies auf Äußerungen des einstigen Landesfinanzministers und Aufsichtsratsmitgliedes Rainer Speer (SPD). Dieser hatte kürzlich gesagt, der Aufsichtsrat habe schon 2010 Kenntnis von Problemen mit der Brandschutzanlage gehabt. Der BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Landesparlaments werde zeigen, dass alle Verantwortlichen längst Bescheid wussten. Dombrowski: „Es lässt sich alles belegen .“

Die Flughafengesellschaft FBB gehört den Ländern Berlin und Brandenburg (je 37 Prozent) und dem Bund. Der Aufsichtsrat der FBB wird von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (Vorsitz) und Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (Vize) geführt.

Die Flughafeneröffnung ist seit der geplatzten Inbetriebnahme im Frühjahr mehrfach verschoben worden. Nun soll der BER im Oktober 2013 eröffnet werden – mit einer Art Probebetrieb: Zunächst soll nur der Betrieb vom alten Flughafen Schönefeld ins neue Terminal ziehen. Gelandet und gestartet werden soll weiter von der alten Start- und Landebahn. Der Betrieb vom Flughafen Tegel soll erst umziehen, wenn am BER alle Probleme behoben sind. . (mit pet)

 

 

  • Erschienen am 08.10.2012 auf Seite 01

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