Themenschwerpunkt:

Klasse

  • 25.09.2012
  • von Alexander Fröhlich, Ariane Lemme und Peer Straube

Brandenburgs Schulen: Testurteil: Individuelle Förderung mangelhaft

von Alexander Fröhlich, Ariane Lemme und Peer Straube

Wie gut sind die Schulen? Dieser Frage geht das Bildungsministerium mit den Visitationen nach. Foto: Sebastian Widmann/dapd

Erstmals werden die Prüfberichte über Brandenburger Schulen veröffentlicht – das Ergebnis ist durchwachsen.

Potsdam - An Brandenburgs Schulen gibt es weiterhin erhebliche Unterschiede und Dezifite bei der individuellen Förderung der Schüler. Das geht aus den Berichten zur zweiten Schulvisitation hervor, die jetzt erstmals zugänglich sind. Demnach haben die bislang 70 überprüften Schulen, deren Ergebnisse jetzt im Internet veröffentlicht wurden, bei dem wichtigsten Merkmal „individuelle Förderung“ entweder mit dem Resultat „eher schwach“ oder „eher stark“ abgeschnitten. Auch Bildungsministerin Martina Münch (SPD) räumte ein, dass es bei der Individual-Förderung noch immer erhebliche Probleme gibt.

Tatsächlich herrscht den Berichten zufolge an vielen Schulen noch häufig Frontalunterricht und die reine Abfrage von auswendig gelerntem Wissen vor. Auch stellten die Prüfer fest, dass die Lehrer den Unterricht nicht ausreichend vielfälig gestalten und Schülern zu wenig Raum geben, diesen eigenverantwortlich mitzugestalten. Daneben gibt es aber auch immer mehr Schulen, die sich den veränderten Anforderungen mit engagiertem Personal stellen. Das zeigt auch eine Übersicht der PNN für elf Schulen in Potsdam und Potsdam-Mittelmark.


Mehr zum Thema und Schulen aus Potsdam und Mittelmark in der Einzelkritik: Am Dienstag in den Potsdamer Neuesten Nachrichten.


 

Die Schulvisitationen waren vor sieben Jahren eingeführt worden. Grund war das regelmäßig schlechte Abschneiden Brandenburger Schüler bei Bildungstests. Bei der Pisa-Studie 2001 waren sie deutschlandweites Schlusslicht. 2011 hatte Münch die Ergebnisse der ersten, seit 2005 durchgeführten Visitation an allen Schulen Brandenburgs vorgelegt. Dabei stellten die Prüfer fest, dass es bei der Unterrichts-Qualität eklatante Schwächen gibt, Schüler zu wenig individuell gefördert werden. Genau dies aber zählt für Bildungsexperten nach den miesen Pisa-Ergebnissen zu den wichtigsten Kriterien für Lernerfolge. Demnach sollen Schüler gezielter nach ihrem jeweiligen Lerntempo unterrichtet werden. Individuelle Lernformen, die selbstständiges Denken und Handeln fördern, sollten ebenso nach Vorgabe der Lehrpläne im Mittelpunkt stehen. Auch Münch bekräftigte dieses Ziel: „Wir wollen kein Kind zurücklassen.“

Ein Vergleich zwischen den Ergebnissen der ersten und der zweiten Testrunde ist nicht machbar, da die ersten Berichte nicht oder nur vereinzelt von Schulen selbst veröffentlicht wurden. Auf Druck der Eltern werden die Ergebnisse der zweiten Tests ins Internet gestellt. Bis 2016 sollen die Berichte für alle 740 staatlichen Schulen einsehbar sein. Das helfe, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, so Münch. Es gebe auch erste Erfolge. Schulen, die besonders schlecht abschnitten, wurden Experten und Berater zur Seite gestellt: „Diese Schulen holen auf.“ Sie will mit Fortbildungen gegensteuern. Schulleiter stehen besonders im Visier, nach der ersten Runde von Visitationen gab es einige Wechsel. Auch bei der schulinternen Qualitätssicherung gibt es Nachholbedarf. „Das hat auch etwas mit Haltung zu tun“, sagte der zuständige Referatsleiter im Ministerium, Hans-Jürgen Kuhn.

Die FDP im Landtag bezeichnete die Tests als Beruhigungspille. Auch die Grünen forderten mehr Fortbildungsangebote für schulinterne Lösungen.

Gewerkschaften beklagen Personalmangel und Bürokratie. In der am Samstag verabschiedeten „Potsdamer Erklärung“ fordern Lehrer und Personalräte mehr Stellen, die Rücknahme von Gehaltskürzungen und weniger Unterrichtsstunden pro Woche. Die rot-rote Landesregierung müsse die Schieflage im Bildungssystem beheben. Münch dagegen erklärte, Brandenburg sei „mit Lehrern gut ausgestattet“, auf einen Lehrer kämen durchschnittlich 15,4 Schüler, was bundesweit einmalig gut sei.

 

Die Testberichte:

Krause-Tschetschog- Oberschule, Bad Belzig:
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/110760.pdf
 
Oberschule Wilhelmshorst:
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/112008.pdf
 
Sally-Bein-Gymnasium, Beelitz:
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/120546.pdf
 
Heinrich-Zille-Grundschule, Stahnsdorf:
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/103354.pdf
 
Eigenherd-Europa-Schule, Kleinmachnow:
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/103408.pdf

Friedrich-Wilhelm-von Steuben-Gesamtschule Potsdam
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/113049.pdf

Grundschule im Kirchsteigfeld Potsdam
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/106008.pdf

Fröbelschule Potsdam
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/401250.pdf

Regenbogenschule Fahrland (Grundschule) Potsdam
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/112082.pdf

Montessori-Oberschule mit Primarstufe Potsdam
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/112963.pdf

Waldstadt-Grundschule Potsdam
http://www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/fileadmin/user_upload/visitationsberichte/105430.pdf

  • Erschienen am 25.09.2012 auf Seite 01

Social Media

Das könnte Sie auch interessieren

Archiv

Kaufda

Ein Service von
Angebote und Prospekte von kaufDA.de

Umfrage

Die Stadt Potsdam braucht dringend Geld, um die Pflege der Parks der Stiftung Preussischer Schlösser und Gärten zu sichern. Wie soll der Betrag eingetrieben werden?