Die drei von der Bausetelle: Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Matthias Platzeck (l, SPD), Ministerpräsident des Landes Brandenburg und Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin (SPD), versuchten am am 1. August nach der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft im Feuerwehrgebäude auf dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld auf einer Pressekonferenz mal wieder, das Desaster zu beschreiben. Wann der Flughafen eröffnen wird, wissen sie auch heute noch nicht. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Aufsichtsratskreise: Auf der Baustelle herrschtChaos. Geprüft wird, den alten Flughafen offen zu lassen.
Potsdam - Die Probleme auf der Baustelle für den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld sind offenbar außer Kontrolle geraten: Nach PNN-Informationen wird ernsthaft erwogen, den neuen Flughafen erst im Frühjahr 2014 zu eröffnen – ganze zwei Jahre nach dem ursprünglichen Termin. Das bestätigten sowohl ranghohe Aufsichtsratskreise der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg als auch Mitarbeiter eines an der Planung beteiligten Büros. Nach der Verschiebung des Eröffungstermins hatten die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD), zunächst den Herbst dieses Jahres als neuen Termin genannt, dann war nur noch vom Jahr 2013 die Rede. Am 16. September trifft sich der von Wowereit und Platzeck geführte BER-Aufsichtsrat, um über einen neuen Eröffnungstermin zu beraten. Wowereit-Sprecher Richard Meng sagte am Sonntag: „Für Berlin ist der Zeitplan klar, Mitte September steht der Termin. Wer jetzt etwas anderes zu wissen glaubt, erzählt bewusst Unsinn.“
Die Probleme hätten sich als so eklatant erwiesen, dass das „Szenario 2014 nun als sehr wahrscheinlich gilt“, sagte dagegen ein hoher Vertreter aus Aufsichtsratskreisen den PNN: „Das wird derzeit erarbeitet.“ Er bestätigte Informationen aus Planungsbüros. Der Grund seien unter anderem erhebliche Rückstände beim Bau. So fehlten Detailplanungen für die einzelnen Firmen und Gewerke auf der Baustelle. Diese seien beim Wechsel der Planungsbüros nach der gescheiterten Eröffnung bei den alten Büros geblieben. Daher herrsche nun in weiten Teilen Stillstand auf der Baustelle. „Viele Firmen wissen nicht, was sie wann anfangen sollen, und die Bauleitung auch nicht. Da herrscht, nach allem, was uns von der Baustelle berichtet wird, Chaos“, sagte er weiter.
Ein weiterer Grund: Da die in Teilen fehlkonstruierte Brandschutzanlage mitsamt überbelegten Kabeltrassen teilweise neu gebaut oder erheblich umgebaut werden muss, müsse ohnehin ein völlig neuer Zeitplan aufgestellt werden. Da der Umfang der nötigen Arbeiten an der Brandschutzanlage und die daraus resultierenden Folgen für den Innenausbau des Terminals noch unklar seien, könne auch kein realistischer Zeitplan für die Flughafeneröffnung erstellt werden, hieß es weiter. Sich nun auf das Jahr 2013 festzulegen, sei daher wohl zu riskant, hieß es.
Aus Sicht der Fluggesellschaften gäbe es aber nur zwei mögliche Termine im Jahr für eine Flughafeneröffnung: die Wechsel vom Winter- auf den Sommer- und vom Sommer- auf den Winterflugplan. „Wenn der Herbst 2013 als Termin für die Eröffnung zu eng wird, dann bleibt nur das Jahr 2014“, so ein Experte, der namentlich nicht genannt werden wollte.
Als Folge aus den Fehlplanungen beim Bau des BER-Terminals wird auch ernsthaft geprüft, den alten Flughafen in Schönefeld nach der BER-Eröffnung nicht komplett zu schließen. Da wegen des Umbaus der Entrauchungsanlage im Terminal weitere Anlagen eingebaut werden müssten, werde noch mehr Platz für die Abfertigungsbereiche fehlen. Schon jetzt gilt das BER-Terminal als zu klein. Daher werde geprüft, im alten Terminal Passagiere von Billigfliegern abzufertigen.
Platzeck zeigte sich gegenüber der Illustrierten „Super Illu“ noch vorsichtig optimistisch: „Mit aller erforderlichen Anstrengung werden wir den Flughafen im nächsten Jahr eröffnen.“ Doch er schränkte schon ein: Der Zeitplan dürfe allerdings nicht zu eng sein.
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