• 04.08.2012

Matthies meint: Die Drohne und die Moral

Es ist natürlich schon einmal lustig, dass die Bundeswehr ihre in Afghanistan eingesetzten Aufklärungsdrohnen geleast hat. Leasing bedeutet ja so etwas wie Vermietung, das kennen wir vom Auto. Ein paar Jahre lang wird abgestottert, dann geht das gute Stück zurück und der Händler mäkelt an jeder Schramme herum. Was wird wohl der Drohnenverkäufer sagen, wenn er erfährt, dass die Dinger im Einsatz Beulen und Kratzer bekommen haben, womöglich abgestürzt oder versehentlich explodiert sind? Vermutlich so etwas wie: „Welche Bananenrepublik nimmt mir das denn noch ab?“

Wie auch immer: Wer von uns an Leasing-Rückläufern aus dem Drohnenbereich interessiert ist, der sollte wissen, dass diese Dinger, sofern bewaffnet, verrufen sind. Es ist aus Laiensicht nur schwer auszumachen, warum unbemanntes, ferngesteuertes Schießgerät so sehr viel mehr pfuibäh zu sein scheint als raketenbestückte Kampfhubschrauber oder waffenstarrende Jets. Möglicherweise – nur so eine Vermutung! – ist der Grund darin zu sehen, dass die Öffentlichkeit einer Idee vom Kampf Mann gegen Mann anhängt, also verlangt, dass die betreffende Armee mindestens einen Soldaten, besser aber mehrere, in echte Gefahr bringt, bevor sie andere Menschen wegsprengen, in die Luft jagen oder anderswie vom Leben zum Tod befördern darf.

Es könnte sich also um eine Variante des olympischen Sportsgeistes handeln, dem es entschieden zuwiderliefe, würde Japan beispielsweise einen aus Tokio ferngesteuerten Judoka in den Kampf schicken oder China mit Kleinkaliber-Fernlenkwaffen auf die Scheiben ballern. Der menschliche Faktor! Manchem Kritiker missfällt übrigens auch die gefühlte Nähe der Drohne zum per se unmoralischen Videospiel.

Nun hat sich auch der Bundesverteidigungsminister zu diesem Thema geäußert: „Flugzeuge dürfen Waffen tragen. Warum also sollen unbemannte Flugsysteme das nicht dürfen?“ Ja, so ist Thomas de Maizière, eine stocksachliche Spaßbremse, einer, der, gestützt auf ein paar Aktenordner, vom Feldherrnhügel aus noch das heftigste Schlachtengetümmel als geordneten Verwaltungsvollzug erscheinen ließe. Wir in Berlin wissen: Der Mann hat unter Eberhard Diepgen gedient, das zeichnet fürs Leben.

Davon abgesehen hat er natürlich recht. Die Euro-Drohne wird unter ihm kommen, sie wird ein wenig ziviler, irgendwie netter sein als die üblen amerikanischen Dinger. Und ganz sicher wieder kostengünstig geleast.

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