Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt – diese Erkenntnis verdanken wir Käpt’n Westerwelle kurz vor dem Abmustern. Doch es gibt noch schwerere Schiffe als den Flachwasserschoner FDP, beispielsweise die MS Deutschland, die in ihrer Zweitexistenz als Altersruhesitz abgehalfterter Schauspieler und in ihrer Drittexistenz als deutsches Olympiahotel bekannt ist.
Wer auf ihrer Brücke das Sagen hat, ist ein wenig komplizierter festzustellen. Denn sie wirkt zwar nach draußen so deutsch wie Hans Albers und sein Schifferklavier, doch die Reederei gehört einem Investor namens Aurelius, über dessen Wirken nur investigativste Globalisierungsforscher Bescheid wissen. „Aurelius sells Schabmüller to Italian ZAPI Group“, falls Ihnen das etwas sagt.
Na, und diese verheuschreckte Reederei hatte nun die Absicht, die MS Deutschland nach Malta auszuflaggen. Das ist ungefähr, als würde das Adlon seine Absicht mitteilen, mitsamt Kopfkissen und Weinkeller aus Kostengründen nach Bukarest umzuziehen, eine Pfennigfuchserei, die, also, da möchte man doch als Deutscher, da fehlen einem die Worte. Unser Traumschiff! Das letzte große Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge!
Dieser Vorgang schrammte so sehr den Rand des Ungeheuerlichen, dass der echte Kapitän Andreas Jungblut eine Art Meuterei riskierte und dafür rausgeworfen wurde. Doch die Reederei hatte offenbar das Erregungspotenzial unterschätzt, eine Aktuelle Stunde im Bundestag stand offenbar so gut wie bevor und die Bundesmarine übte bereits das Entern bei laufenden ZDF-Kameras. Klappe, aus, vorbei, die „Deutschland“ bleibt deutsch und darf weiter schwarz- rot-gold bewimpelt über die Wellen kreuzen, mit stolz gebrassten Rahen, oder wie man das in der christlichen Seefahrt sagt.
Über Kapitän Jungbluts Schicksal ist noch nichts bekannt. Er wird möglicherweise zum Honoraradmiral ernannt und darf am Ende auch der Crew des Fernsehdampfers vorstehen – wenn er das denn unbedingt will. Aber auch in der Parteipolitik wäre für einen so konsequenten Verfechter der Freiheit der Meere sicher ein Platz frei. Bei der FDP. Oder den Piraten?
Der überraschende Schwenk der Rathauskooperation von einer Tourismusabgabe zu einer Beherbergungssteuer zur Verhinderung eines Pflichteintritts für den Park Sanssouci stößt in der Stadt auf ein geteiltes Echo. Welche Lösung hätten Sie bevorzugt?