Die Zahl der Klinikaufenthalte älterer Menschen wegen Trunkenheit ist gestiegen.
Potsdam - Im Land Brandenburg müssen immer mehr ältere Menschen wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus behandelt werden. Die Zahl der Klinikaufenthalte von Senioren ab dem 60. Lebensjahr wegen starker Trunkenheit ist nach Angaben der Techniker Krankenkasse Berlin-Brandenburg landesweit zwischen 2009 und 2011 um fünf Prozent auf 522 gestiegen. Auf 1000 Senioren im Land Brandenburg kämen statistisch zwei Klinikaufenthalte pro Jahr. Damit liege Brandenburg allerdings noch unter dem Bundesschnitt von 2,5 Aufenthalten, berichtet die Krankenkasse. In Berlin seien es dagegen sogar drei stationäre Behandlungen je 1000 Senioren.
Besonders betroffen sind laut der Kasse ältere Männer. Sie kommen im Land Brandenburg dreimal so häufig wegen Trunkenheit ins Krankenhaus wie Frauen, die eher zur Medikamentensucht neigen. „Im Bundesdurchschnitt sind es nur doppelt so viele Männer“, berichtet Kassensprecherin Heike Weinert. Die Ergebnisse der Untersuchung basieren auf Zahlen der Ersatzkassen von 2009 bis 2010. Den überdurchschnittlichen Wert für Berlin erklärt sich Weinert mit dem hohen Grad der Vereinsamung von alleinstehenden Senioren in Großstädten. „Berlin ist ja die Singlehauptstadt. Das betrifft ja nicht nur die jungen Leute“, meint die Sprecherin der Techniker Krankenkasse.
Auch in der Langzeitbetrachtung hat die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte bundesweit deutlich zugenommen. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm stiegt die Zahl der stationären Behandlungen von 2000 bis 2010 bei den 65- bis 70-Jährigen um 151Prozent und bei den 70- bis 75-Jährigen sogar um 269 Prozent. Daraus lasse sich jedoch nicht zwingend auf eine steigende Alkoholabhängigkeit älterer Menschen schließen, warnt Gabriele Bartsch von der Hauptstelle für Suchtfragen. „Zum einen gehören die heute 60-Jährigen zu den geburtenstarken Jahrgängen der Nachkriegsjahre“, so Bartsch. Zum anderen sei die Lebenserwartung gestiegen, sodass auch die Zahl der Senioren vergleichsweise größer sei als früher. Allerdings sei ein Anstieg des Alkoholmissbrauchs in allen Altersschichten zu beobachten, meint Bartsch.
Gründe für eine im Alter beginnende Alkoholabhängigkeit sind laut Bartsch neben Vereinsamung auch Langeweile. „Manche wissen einfach nichts mit sich anzufangen und machen bereits morgens das erste Bier auf.“ Da Alkoholabhängigkeit noch immer ein Tabuthema ist, versuchten Betroffene, auch ihre Sucht zu verstecken. Mit dem Griff zu frei verkäuflichen Arzneien auf Alkoholbasis oder mit dem Argument, man habe Einschlafprobleme, würde die Abhängigkeit häufig verschleiert, meint die Suchtexpertin.
Auch Selbstüberschätzung ist Experten zufolge ein Grund für extreme Trunkenheit. Denn die gleiche Menge, die man als junger Mensch verträgt, kann im Alter zu einer schweren Vergiftung führen. Weil mit steigendem Alter der Wasseranteil im Körper sinkt, verteilt sich der Alkohol weniger und führt so zu einem höheren Alkoholpegel. Besonders vorsichtig sollten Senioren sein, die Medikamente einnehmen, warnt Heike Weinert. Unbedingt sollte zuvor ein Arzt konsultiert werden.
Nur wenige Betroffene gehen offen mit ihrer Sucht um und suchen Hilfe. „Meistens melden sich die Angehörigen bei uns“, berichtet Daniel Zeis, Leiter der Suchtberatung der Arbeiterwohlfahrt in Potsdam. „Schuld und Schamgefühle spielen eine große Rolle.“ Etwa zehn Prozent der Klienten, die die Beratungsstelle aufsuchen, seien älter als 59 Jahre, so Zeis.
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