Am Ball bleiben, die Hitze in der Küche testen und Verlautbarungen verkünden
Was passiert in Syrien, wenn Präsident Baschar al Assad fällt?
Nicht so schnell. Der Mann stürzt nicht, nur weil es ein Attentäter in die Höhle des Löwen (arabisch: assad) geschafft hat. Der Unterschied zu Libyen? 1. Gaddafi hatte keine Verbündeten; Assad hat zwei halbe (Russland, China) und einen ganzen (Iran). 2. Assad muss nicht gegen die Luftwaffen der Nato bestehen. Was nach ihm kommt? Vorerst werden Iran und sein Werkzeug Hisbollah (mit etwa 5000 Mann) ihn zu halten versuchen, weil Syrien unverzichtbar ist als Sprungbrett für Teheran und als Nachschublinie für die Hisbollah. Der Verlust würde beide heftig schwächen: gegen Israel und im Libanon. Es sei denn, die beiden machen zynische Machtpolitik, indem sie Assad fallen lassen und mit seinen Gegnern anbandeln. Dann bliebe Syrien, was es unter Assad ist: die Nr. 3 in der Achse der Friedensfeinde.
Fifa-Chef Joseph Blatter bleibt im Amt. Alles halb so schlimm?
Wie immer. Die Fifa ist eine Geldmaschine, die von niemandem beaufsichtigt wird. Gegen die Korruption in Big Business gingen zuerst die USA vor, dann folgten die Europäer (siehe z.B. Siemens). Wer greift sich die Fifa? Die Fans könnten es, auch die TV-Anstalten und die Konzerne, die auf dem Rasen für sich werben. Nur: Die Fans sind nicht organisiert, das Fernsehen braucht den Content, die Firmen die Werbeplattform. Jeder will sozusagen am Ball bleiben. Deshalb kriegt Blatter vorerst nur die gelbe Karte. Vorschlag: Die EU-Kommission opfert einen ihrer unnötigen Kommissare und setzt einen für Fußball ein – Guttenberg oder so.
Im amerikanischen Wahlkampf wird der Ton rauer. Kommt jetzt Obamas anderes Gesicht zum Vorschein?
Politik ist immer rau; nur geht’s bei uns leiser zu, wenn der/die eine den anderen fertigmacht. Besonders im Umgang mit Parteifreunden, ganz gleich welcher Farbe die Partei. Die Schlammschlacht von Obama gegen Romney scheint vorerst nichts zu bringen, der Vorsprung des Präsidenten liegt wie seit eh und je bei zwei Prozentpunkten. Aber die Wähler gucken hin: Wie tough ist eigentlich dieser Mitt? Hat er Stehvermögen, oder gibt er nur die beleidigte Leberwurst? Wahlkampf in den USA ist vor allem ein Härte- und Charaktertest, nichts für empfindsame Seelen. WmdW erinnert an den Spruch von Truman (1944-52): „Wenn du die Hitze nicht aushalten kannst, musst du raus aus der Küche.“
Ein Wort zum Außenminister
Guido W. kritisiert Moskau und Peking, fordert ein Ende der Gewalt in Syrien, gratuliert den Libyern und ist „bestürzt und entsetzt“ über den Terroranschlag gegen israelische Touristen in Bulgarien. Alles richtig und gut. Aber gut wofür in einer bösen Welt, in der Verlautbarungen einfacher sind als Verpflichtungen?
Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.
Die Stadt Potsdam braucht dringend Geld, um die Pflege der Parks der Stiftung Preussischer Schlösser und Gärten zu sichern. Wie soll der Betrag eingetrieben werden?