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Flughafen

  • 18.07.2012
  • von Peter Tiede

BER Schönefeld: Neue Hiobsbotschaft beim Flughafen

von Peter Tiede

Sollten die Tests der Entrauchungs- und Brandschutzanlage unter Volllast fehlschlagen, wird für den BER Schönefeld mit Mehrkosten im mittleren bis oberen dreistelligen Millionenbereich gerechnet. Foto: dapd

Im Skandal um die geplatzte Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld droht am Monatsende eine weitere Eskalation: Dann soll die bisher nicht funktionierende Entrauchungs- und Brandschutzanlage unter Volllast getestet werden.

Potsdam - Sollten die Tests der als Fehlkonstruktion geltenden Anlage fehlschlagen, drohen nach Informationen der PNN aus Aufsichtsratskreisen Kosten und Zeitplan komplett außer Kontrolle zu geraten. Dann werde mit Mehrkosten im mittleren bis oberen dreistelligen Millionenbereich gerechnet. Eine Eröffnung des Flughafens im März 2013 sei dann ausgeschlossen. „Ob es dann im nächsten Jahr überhaupt noch etwas wird, wäre dann völlig offen“, hieß es aus dem Aufsichtsrat. Auch ein anderer Insider sprach von mindestens einem halben bis dreiviertel Jahr zusätzlicher Verzögerung und nicht absehbaren Folgekosten.

Sollte das System den neuen Test nicht bestehen, müssten nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen weite Teile des Terminalbaus gestoppt und neu konzipiert werden. „Dann muss ein System eingebaut werden, bei dem der Rauch wie in anderen solchen Gebäuden auch generell nach oben und zur Seite aus dem Gebäude gebracht wird“, so ein Insider: „Das kostet Geld, Zeit und vor allem auch Platz im ohnehin schon zu kleinen Terminalbereich und auch in der voll vermieteten Ladenstraße.“ Zudem müsse der Untergrund, in dem sich die Anlage und die Luftkanäle befinden, aufgerissen werden.

Schon bisherige Tests sind fehlgeschlagen, obwohl dabei nicht die schlimmsten der rund 300 Szenarien für Brandkatastrophen in den Flughafengebäuden simuliert worden sind. Die Fehlerquote sei in den vergangenen Wochen allerdings erheblich zurückgegangen, sagte am Dienstag der amtierende Bauleiter Joachim Korkhaus. Probleme bezüglich der nächsten Tests sehe er nicht. Andere sehen das anders. Denn die am Bau der weltweit bislang einmaligen Brandschutzanlage beteiligten Firmen – darunter T-Systems, Siemens und Bosch – müssten bis zum Volllasttest alle Fehler beseitigt haben. Aber selbst Techniker und Experten von beteiligten Firmen haben laut Aufsichtsratskreisen Zweifel am Gelingen.

Der Grund: Bisher ist der Großteil der kilometerlangen Entrauchungsanlage unterirdisch konzipiert. Offiziell, weil für die Anlagen, Generatoren und Turbinen nur unter dem Gelände Platz gewesen sei. Inoffiziell wird darauf verwiesen, dass die Architekten des neuen Terminals keine störenden vertikalen Entlüftungsanlagen im luftig entworfenen Gebäude wollten – und auch nicht auf den Dächern der Stahl-Glas-Konstruktion. Korkhaus sagte dazu lediglich, das Dach könne die schweren Anlagen gar nicht tragen; deshalb seien sie zum großen Teil im Untergeschoss eingebaut worden. Warum das Dach nicht wie anderen Bauten auch anders konstruiert wurde, sagte er nicht.

Aufgrund der Konstruktion muss im Brandfall am BER ein Großteil des Rauchs im Gebäude angesaugt und unter dem Gebäude und unter dem Flughafengelände hindurch durch lange Lüftungssysteme und Katakomben abgesaugt und weiter transportiert werden. Bei anderen Systemen wird der ohnehin aufsteigende Rauch über vertikale Anlagen im Gebäude auf- und seitwärts nach draußen befördert.

Am BER musste stattdessen ein kompliziertes System aus Brandschutzklappen, Entlüftungsklappen und Ab- und Ansaugeinrichtungen und eine dazu gehörende elektronische Steuerung komplett neu entwickelt werden. Zudem wurden am BER nach PNN-Informationen über weite Strecken Blechkanäle für die Absauganlage verlegt. Da aber der Rauch mit enormer Leistung angesaugt werden muss, sind bei Tests viele dieser Kanäle implodiert. „Der Grund dafür ist ganz einfach“, so ein Insider: „Blasen ist etwas anderes als Saugen – da herrscht Unterdruck und dem ist das System nicht gewachsen.“ Auch die elektronische Steuerung der komplizierten Brand- und Lüftungsanlage funktioniere nicht. Daher sollten schon zur ursprünglich geplanten Eröffnung am 3. Juni diesen Jahres bis zu 700 Hilfsarbeiter eingestellt werden, die über Monate die Brandschutzanlage und die Türsysteme am Flughafen per Hand bedienen sollten. Die Genehmigungsbehörde – der Landkreis Dahme-Spreewald – verweigerte die Genehmigung.

Als eine Notlösung käme der Bau einer Anlage auf dem Flughafendach infrage. Dort müssten dann große Aggregate und Turbinen für Entrauchung und Frischluftzufuhr montiert werden. Dies lasse aber die Gebäudestatik ohne generelle Umbauten nicht zu, so der Insider.(mit kt)

 

  • Erschienen am 18.07.2012 auf Seite 01

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