Landtagsfraktionen und Schlösserstiftung reagieren verwundert: „Anachronistisches Vorgehen“
Potsdam – Der Streit um den Neubau des Landtags in den Umrissen des Potsdamer Stadtschlosses und um die Details im Innern weitet sich nun auch auf die Millionen-Ausgaben für Kunst und historische Bestände aus. Die Landtags-CDU will große Teile der bis zum Zweiten Weltkrieg im Stadtschloss aufbewahrten Kunstwerke zurück in den Landtagsneubau holen. Bei anderen Fraktionen und intern auch bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten trifft die Forderung allerdings auf Widerstand.
„Der Landtag sollte sich darum bemühen, was machbar ist in den Neubau zurückzuholen, um der Geschichte des Stadtschlosses Genüge zu tun“, sagte CDU-Fraktionschefin Saskia Ludwig gestern den PNN. Auf Beschluss des Landtagspräsidiums wird eine Kommission aus Abgeordneten gegründet, die sich neben der Gestaltung und Ausstattung der Räume auch mit dem Ankauf von Kunst befasst. Immerhin 1,1 Millionen Euro sind für europaweite Ausschreibungen vorgesehen. „Die Frage ist doch, ob wir uns bei so viel Geld nicht erst einmal darum kümmern sollten, Kunstobjekte, die ursprünglich aus dem Schlossschloss kommen, dort auch wieder zu zeigen.“ Daher müsse geprüft werden, welcher Bestand an Gemälden, die einst im Stadtschloss hingen, sich derzeit als Beutekunst in Russland oder im Besitz der Schlösser-Stiftung befindet. Konkret geht es auch um Mobiliar und die Königliche Bibliothek.
Im Landtagspräsidium reagierten Vertreter der anderen Fraktionen teils verwundert auf Ludwigs vehement vorgetragene Forderung. Linke-Fraktionschefin Kerstin Kaiser sprach von einem fragwürdigen, „anachronistischen Herangehen“. Es gehe um einen Landtagsneubau, allein die Wiederherstellung der historischen Fassade nach dem Knobelsdorff’schen Vorbild habe immense Mehrkosten verursacht. Vorerst gehe es erst einmal um grundsätzliche Fragen zur künstlerischen Gestaltung.
Landtags-Vizepräsidentin Gerrit Große erklärte, die im Landtag ausgestellte Kunst müsse auch „mit der demokratischen Verfasstheit von Brandenburg zu tun haben“, auch zeitgenössische Werke märkischer Künstler müssten gezeigt werden.
Die Hülle des neuen Landtags enthalte schon genug Historie, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Marie Luise von Halem. „Wir haben den Anspruch, auch eine Brücke zur Moderne zu bauen und zu dem, was Brandenburg heute ausmacht. Dieser Spannungsbogen muss ersichtlich sein“, sagte von Halem.
Die Schlösser-Stiftung konnte sich gestern offiziell nicht „zu dieser doch recht komplexen Thematik“ äußern. Fraglich ist, ob die Stiftung Teile ihres Bestandes einfach für das Stadtschloss hergeben würde und ob dies rechtlich überhaupt möglich ist. Intern gibt es erheblichen Widerstand. In den Einrichtungen der Stiftung seien die Werke im musealen Kontext zu sehen, wie dies im Landtagsneubau geregelt werden könne, sei fraglich, als Einrichtung für Büros undenkbar, hieß es. Auch gebe es bis auf seltene Ausnahmefälle kaum Hoffnung, Beutekunst wieder nach Deutschland zu holen. Welche und wie viele Werke aus dem Stadtschloss als Beutekunst in Russland lagern, war gestern nicht zu erfahren. Klar ist, 992 der einst 1038 Bände der Königlichen Bibliothek des Stadtschlosses werden in Charlottenburg ausgestellt, es sind überwiegend von Friedrich dem Großen selbst verfasste Werke, Geschichts- und Philosophie-Bände, aber auch klassische Literatur der Antike, der größte Teil in französischer Sprache. Mobiliar aus dem Stadtschloss befindet sich im Neuen Palais, ebenso ein Teil der Gemäldesammlung.
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