• 30.08.2010

Matthies meint: Kuschelbär, Knut oder Himbeereis

Der 1. September wird langsam zum Tag des Lampenhamsterns. Im vergangenen Jahr war die 100-WattBirne fällig, diesmal ist es die mit 75, und man wird nicht sagen können, dass die europäischen Bürger dieses Datum jeweils dringlich herbeisehnen. Energiesparlampen sind teuer, machen kaltes Licht und zünden enervierend langsam, sagt der Volksmund, Dimmer kann man vergessen, und wenn draufsteht, eine Lampe entspreche in ihrer Helligkeit 60 Watt, dann sind es in Wahrheit 38. Sagen sie es bitte nicht unseren Öko-Strebern: Der Volksmund hat Recht. Wer jemals für 28 Euro unbrauchbaren Mist mit Gewinde dran gekauft hat, der weiß, wovon hier die Rede ist.

Es sind also flankierende Maßnahmen notwendig, um die neue Technik in die Herzen und Wohnungen der Bürger zu pflanzen. Der Profi weiß, dass dieser Weg normalerweise ein Krieg um Worte ist: Neue Begriffe müssen gefunden, alte flugs entsorgt werden, das ist wie damals bei Raider und Twix. Man könnte die Energiesparlampe also ab 1. September 2011 per bußgeldbewehrter EU-Verordnung in Kuschelbär, Knut oder Himbeereis umbenennen, was einen höllischen Popularitätsschub auslösen sollte.

Aber der Punkt sind natürlich die unschuldigen Watt, unter denen sich jeder was Konkretes vorstellen kann. Wenn es gelänge, sie durch irgendwas zu ersetzen, was kein Mensch kennt und ihn glauben lässt, er selbst sei schuld daran, wenn es trübe funzelt, und nicht die EU – dann wäre viel geholfen. Und schon sind sie da, die Lumen. Watt?

Nein, eben nicht mehr, sondern: Lumen. Das Wort klingt vage nach Vögeln, die Hering essen, es erweckt Assoziationen an pommersche Bettfedern und könnte auch für irgendwas stehen, was den neuen Porsche fester an den Asphalt presst. Doch es gilt die einfache Regel: Je mehr davon, desto heller. Und vermutlich wird mal wieder geflunkert, wenn einer fragt, wie viel Watt denn wie viel Lumen sind.

Von uns Verbrauchern wird nun erwartet, dass wir uns modebewusst verhalten: „Ich will diese neuen Lampen mit den Lumen drin!“ – das wäre ein wichtiger Schritt, und die Lampenindustrie wird frohlocken, da sie solche Neuerungen richtig teuer verticken kann.

Billig geht nur noch heute. Sollte jemand wegen dieses Textes auf die verwerfliche Idee kommen, heute schnell noch ein Dutzend veraltete 75-WattLampen zu kaufen, kann ich nur eins bestätigen: Sie brennen auch nach dem 1. September noch mit voller Helligkeit.

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