• 20.08.2010

Matthies meint: Den Rest einfach verprassen

Den besten Einblick in die Anlagestrategien unserer Fußballprofis verdanken wir dem legendären Briten George Best. „Ich habe eine Menge Geld für Suff, Weiber und schnelle Autos ausgegeben“, sagte er in einer finalen Finanzkrise, „und den Rest hab ich einfach verprasst“. Viele Kollegen aus dieser Zeit müssen ähnlich effektiv gewirtschaftet haben, denn es ist ja bekannt, dass manchem als berufsspezifische Altersversorgung nur eine umsatzschwache Toto- Annahmestelle blieb.

Aber von welchem Einkommensniveau müssen wir überhaupt ausgehen? Würde ein mittlerer Drittliga-Kicker heute überhaupt noch auf den Platz gehen für jenes Einkommen, das Best so wirkungsvoll verjubelt hat? Ein Anhaltspunkt: Felix Magath teilte der Öffentlichkeit jetzt mit, er habe das Gehaltsniveau der Spieler von Schalke von zunächst 91 000 Euro durchschnittlich bei seinem Dienstantritt auf nun 73 000 Euro gesenkt. Nicht, dass hier gleich Spenden gesammelt werden: monatlich. Und zuzüglich Prämien.

Das ist eine Ansage. Mal überschlagen: Schalke könnte also statt eines einzigen Kickers beispielsweise immer noch sechs Linksparteivorsitzende einstellen. Oder gut drei ARD-Intendanten, wenn auch nicht alle vom WDR. Sie würden vermutlich keine Ablöse kosten, aber die Vereinskasse durch ihre hohen Pensionsansprüche belasten. Alternativ wäre zu erwägen, dass für das Gehalt eines guten Offensivverteidigers auch schon der Vorstandsvorsitzende eines mittleren Dax-Unternehmens zu haben ist – das müsste im Einzelfall sorgsam abgewogen werden.

Ohnehin wissen ältere Menschen viel besser mit so viel Geld umzugehen. Versetzen wir uns in die Lage eines 22-jährigen Fußballers, der bei Schalke anfängt und, wupp, sofort 73 000 Euro auf dem Konto hat. Was soll er damit machen? Suff? Cognac ist out, und Champagner mag er nicht, weil Red Bull mit Cola besser reinknallt. Weiber? Kein Ausweg, denn die Öffentlichkeit erwartet statt wilder Eskapaden eine vorzeigbare Spielerfrau, die zwar gewisse Unterhaltskosten verursacht, aber allenfalls nach mehrjähriger konsequenter Monogamie ausgetauscht werden darf. Schnelle Autos? Den Achtzylinder zahlt heute schon der Sponsor, vollgetankt. Es bleibt als Ausweg eigentlich nur das Finanzamt.

Und die Altersvorsorge, natürlich. Irgendwann ist Schluss, dann muss der Kicker von Zinsen leben und an die Planung der Toto-Annahmestelle gehen. Oder auch für zwei, falls Magath mit dem Gehaltsenken nicht zu streng war. Mag sein, dass dann im Alter sogar noch ein wenig zum Verprassen bleibt.

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