Gemerkt? Da war am Montagfrüh in der Berliner Innenstadt ein diffuses Grollen zu spüren, eine Art niederfrequenter Kraftaustritt, als habe Superman die Fesseln aus eitel Kryptonit gesprengt und gehe nun unverzüglich daran, die aufbegehrenden Mächte der Finsternis wieder in die Schranken zu weisen. Wir Superman-Bewunderer aber wissen: Es war in Wirklichkeit die Rückkehr einer Mächtigeren: Angela Merkel ist wieder im Dienst.
Meine Güte, sie ist bescheiden, lässt den Kraftquell nicht heraushängen, stellt ihren neuen Sprecher ins Helle. Aber dahinter brodelt ihre Schaffenskraft, die in den kommenden Tagen einen ihr gemäßen Ausdruck finden wird: die Energiereise. Zwei mal zwei Tage lang, unterbrochen durch eine Phase des Durchregierens, wird sie sich für eine entscheidende, wie man so sagt, Weichenstellung ihrer Amtszeit rüsten und Informationen aufsaugen, die vom Mars-Riegel über übelriechende Biomasse bis zum Akw reichen. „Wer nicht rackert, verdummt“, sagt sie gern, und holla, da wird gerackert, allemal genug für täglich 1:30 in der Tagesschau mit Büros, Windrädern, Limousinen.
Die Kanzlerin, das ist jetzt schon klar, möchte das regenerative Zeitalter einläuten, möchte Energieformen kennenlernen, die nicht verpuffen, sondern nach Verbrauch zurückkehren, weg vom viel zu kleinen Atom, hin zum Wind, der weht, wohin sie will. Sie möchte dem grimmen Trittin und seinen Freunden energiepolitisch auf Augenhöhe begegnen, will aber auch den Freidemokraten mit ihren ewigen Atomen argumentativ auf die Sprünge helfen. Sogar ein Besuch der Leipziger Strombörse ist vorgesehen, wo ihr die Börsianer ein paar Megawattstunden zum Mitnehmen einpacken, die dann auf dem Heimweg in der Handtasche traulich britzeln.
Damit ist die Kanzlerin gerüstet. Sie spricht nicht länger wie die Blinde von der Steckdose, sondern hat den Strom in all ihren Spielarten kennengelernt und kann darauf verweisen, dass ihr nichts mehr fremd ist in der Welt der Energie. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was regieren, das ist bekannt.
Wir sollten aber nicht allzu verblüfft sein, wenn das Gezerre um die richtige Politik die nächsten 20 Jahre unvermindert weiter geht. Superman schafft das Böse schließlich auch nie aus der Welt.
Das Stern-Center plant neue Ansiedlungen von Geschäften und Gastronomie-Einrichtungen. Widerspruch dagegen regt sich bei der AG Innenstadt. Finden Sie die Erweiterungspläne sinnvoll?