• 29.07.2010
  • von Von Jürgen Zurheide, Düsseldorf

Von Jürgen Zurheide, Düsseldorf: Loveparade: Zahl der Toten auf 21 gestiegen

von Von Jürgen Zurheide, Düsseldorf

Polizei macht Veranstalter für Tote verantwortlich. Innenminister: Ordner schlossen Tunnelzugang nicht

Die nordrhein-westfälische Landesregierung erhebt heftige Vorwürfe gegen die Veranstalter der Loveparade und die Stadt Duisburg. Der Veranstalter habe die Vorgaben seines eigenen Sicherheitskonzeptes nicht eingehalten, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Mittwoch in Düsseldorf. Dadurch habe sich die Lage zugespitzt, der Veranstalter habe dann die Polizei zu Hilfe gerufen. Unerträglich sei die Tatsache, „dass Verantwortung vonseiten des Veranstalters der Loveparade und der Stadt als Genehmigungsbehörde abgeschoben wird und zwar bevor alle Fakten bekannt sind“, sagte der SPD-Politiker.

Nach Angaben des NRW-Polizeiinspekteurs Dieter Wehe bildete sich im Tunnel vor dem einzigen Zugang zum Festgelände ein Stau. Immer mehr Menschen seien in das Nadelöhr geströmt. Als die Lage kritisch wurde, seien die Ordner des Veranstalters angewiesen worden, die Zugänge vor dem Tunnel zu schließen. Das sei jedoch nicht geschehen. Gleichzeitig sei der Weg aus dem Tunnel auf das Festgelände blockiert gewesen, da dort eine Menschenmenge den Weg nicht frei machte. Nach dem Sicherheitskonzept der Veranstalter hätten aber Ordner – sogenannte Pusher – die Menschen dazu bringen sollen, auf die Freifläche zu gehen.

Als die Situation außer Kontrolle geriet, habe der Veranstalter die Polizei zu Hilfe gerufen, betonte Wehe. Zu dieser Zeit sei der Druck der Massen im Bereich des Übergangs vom Tunnel auf eine Rampe zum Festgelände unerträglich geworden. Viele Menschen hätten über eine Treppe am Tunnelausgang zu fliehen versucht. „Ausschließlich am Fuß der Treppe erhöhte sich der Druck so stark, dass es zu den Todesopfern kam.“ Diese seien nach derzeitigen Erkenntnissen in der Menschenmenge erstickt, erklärte Wehe, dem dabei die Stimme versagte.

Innenminister Jäger kritisierte auch die Stadt Duisburg als zuständige Genehmigungsbehörde. Die Zusammenarbeit zwischen den verantwortlichen Behörden und der Polizei „stelle ich mir anders vor“, sagte Jäger. Der SPD-Politiker, der selbst aus Duisburg kommt, fügte hinzu, die Verantwortung für die Geschehnisse auf dem Festgelände und damit für die Todesopfer trage allein der Veranstalter. Dies verhalte sich ähnlich wie die Aufsicht in Stadien bei Fußballspielen. Die Verantwortung für die Genehmigung der Loveparade habe die Stadt.

Polizeiinspekteur Wehe wies darauf hin, dass der Veranstalter und die Stadt von der Polizei im Vorfeld auf Sicherheitsbedenken im Bereich des Tunnels hingewiesen worden seien.

Der Polizei sei erst am Tag der Loveparade auf Nachfrage die Erlaubnis für die Veranstaltung ausgehändigt worden, sagte Wehe. Demnach seien höchstens 250 000 Besucher zulässig gewesen. Nach der Massenpanik bei der Loveparade war die Zahl der Toten am Mittwoch auf 21 gestiegen. Eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen starb im Krankenhaus.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung.

Das Bundesinnenministerium steht unterdessen einer Bündelung von Verantwortlichkeiten bei Großveranstaltungen offen gegenüber. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass es bei Veranstaltungen von der Größenordnung wie der Loveparade sinnvoll sein könne, „auf einer höheren Ebene“ zu einer gemeinsamen Prüfung und Entscheidung zu kommen, sagte ein Ministeriumssprecher.

  • Erschienen am 29.07.2010 auf Seite 01

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