• 13.07.2010

Wunder auf Kuba: Fidel Castro lebt!

Was macht man, wenn jemand tot ist, der nicht tot sein soll oder darf? Man kann ihn sichten. Elvis wird immer mal wieder gerne gesehen, Jim Morrison natürlich auch, nicht zu vergessen Janis Joplin, die alle nach der Devise leben: Rock ’n’ Roll will never die. Eine andere Methode, dem Tod von der Schippe zu springen, ist das Doubeln. Kevin Kline ist das Double des amerikanischen Präsidenten, der im Film „Dave“ den schönsten aller Tode starb, mitten im Liebesspiel. Anders als das ewige Spiel „Gestern habe ich Elvis beim Brötchenholen gesehen“ hat diese Variante den Nachteil, dass sie irgendwann auffliegt. Der Elvis ist ja nicht widerlegbar, weil das Treffen gestern war und Elvis schon wieder weg ist. Der Leberfleck an der falschen Stelle des Doubles tritt aber irgendwann zutage, und dann fliegt das Double auf. Eines der weltweit bekanntesten Doubles ist Kim Jong Il. Viele halten den in Nordkorea angeblich so „Geliebten Führer“ für längst verblichen. Eine Theorie, für die der Umstand spricht, dass er auf bewegten Bildern mit seinem Winkeärmchen einer Stabpuppe täuschend ähnlich sieht. Andererseits haben gerade elf Kim Jong Ils in Südafrika Fußball gespielt. Und sagen Sie mal, lebt Fidel eigentlich noch, der alte Fidel?

Stimmt ja, lange nichts mehr gehört vom Máximo Líder aus Kuba. Oder, wie es immer heißt, wenn man nicht gleich auf die Menschenrechtsverletzungen dort zu sprechen kommen will, vom charismatischen Revolutionsführer, dem alten Kumpel vom Commandante Che Guevara. Vor vier Jahren hatte er sich verabschiedet, die Geschäfte Bruder Raul überlassen und sich schwer krank zurückgezogen. Im vergangenen Jahr wurden vom kubanischen Fernsehen ein paar Videoaufzeichnungen ausgestrahlt, die ihn bei einem Treffen mit venezolanischen Studenten zeigten. Aber Videos sind geduldig. Man hatte seine Zweifel. Ist er’s, ist er’s nicht, oder halten sie ihn auf Kuba nur künstlich aufrecht, damit das Charisma seine Wirkung nicht verliert und die Kubaner sonst ein wenig mehr Brot und ein wenig mehr Freiheit einrebellieren?

Am Montag hat das Staatsfernsehen in Kuba nun ein Interview mit Castro ausgestrahlt. Ein aktuelles Interview, und wenn da ein Schauspieler saß, dann war es ein verdammt guter Schauspieler. Ansonsten war Castro ganz fidel und sehr der Alte mit seinen 83 Jahren, beschimpfte die USA und ließ die eigene innenpolitische Lage außen vor. Allerdings auch die Freilassung von 52 politischen Häftlingen. Die Länge seiner Auslassungen aber lässt stutzen. Nur ein Stündlein, wo er früher sieben vollredete. Wahrscheinlich ein Regiefehler.Helmut Schümann

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