Wie schlimm es um die Republik steht, war am Mittwoch in der „Süddeutschen Zeitung“ zu lesen. Während in bayerischen Gemeinden wie Burgkirchen an der Alz gespart wird, dass die Lederhosen krachen, wird in Berlin geprasst. Fettlebe in der Hauptstadt, wohin man schaut. „Berlin, Berlin, wir zahlen nach Berlin“, stöhnt die Reportage auf der berühmten Seite Drei. Dabei haben die Bayern doch das Double gewonnen und fast auch noch die Champions League, während Hertha sich in den Zweitligarausch gespielt hat. Berlin sonnt sich in seinem Glanz, Berlin wird gepäppelt, hier kann man rote nicht von schwarzen Zahlen unterscheiden, darauf läuft es hinaus: „Als Hauptstadt der Stütze ist man es gewohnt, die Hand aufzuhalten.“
Besonders arg prasst der faule Moloch in der Kultur – mit 775 Millionen Euro pro Jahr, stöhnt Thorsten Schmitz in der SZ. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit, es ist noch viel schlimmer. Tatsächlich gibt der Senat jährlich 370 Millionen Euro für Kultureinrichtungen aus. Zählt man jene bezirklichen Ausgaben dazu, die irgendwie auch mit Bildung und Kultur zu tun haben, dann ist es eine halbe Milliarde. Bund und Länder geben noch einmal 400 Millionen Euro für die ganz großen Brocken in die Hauptstadt, zum Beispiel für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, was Bayern immer sehr erbost. Summa summarum also nicht 775, sondern 900 Millionen Euro für das kulturell Wertvolle! Da gehen in Burgkirchen an der Alz vollends die Lichter aus.
Mit Zahlen lässt sich eine Menge belegen, zum Beispiel auch dies: Der boomende Berlin-Tourismus schafft im Jahr neun Milliarden Euro in die Hauptstadt, die sonst kaum nennenswerte Einnahmequellen hat. Was wiederum rund 1,8 Milliarden Euro an Steuern bringt. Was schätzen Touristen am meisten in Berlin? Kultur, Lebenskultur. All das, was München auch hat, aber vielleicht nicht ganz so viel. Da stehen jetzt zwei Milchmädchenrechnungen gegeneinander, wobei das Berliner Milchmädchen hübscher und optimistischer ist. Und während hier noch auf harten und weichen Zahlen herumgekaut wird, kommt diese Meldung: Neuer Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ wird Kurt Kister, ein bekennender Berlin-Skeptiker. Auf gehts, Buam! Rüdiger Schaper
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