Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Aus der ehrwürdigen Bundesrepublik Deutschland ist gerade Schland, o Schland geworden, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der alte Kram muss raus, den will keiner mehr haben, stattdessen schauen die Leute, wer dem neuen Lebensgefühl entspricht. Da machen sie mit dem Bundespräsidenten keine Ausnahme; Christian Wulff hat deshalb schon versprochen, dass die Bürger mit ihm zügig online gehen dürfen: „Das Internet wird von mir stark genutzt werden, diese Welt junger Leute müssen wir aufnehmen.“
Wulff ist selbst für sein Alter erstaunlich jung. Ja, er hat sogar Einblick in Fakten, die astreines Herrschaftswissen darstellen: Weltweiter Dialog finde stark über das Internet statt, teilte er jetzt mit. Die Folgerung: Deshalb könne er sich einen Austausch mit Bürgern „unter dem Titel Buprä im Gespräch oder Wulff im Gespräch“ gut vorstellen. Der Buprä von Schland – das hat schon mal was und zeigt, wie sehr Wulff die Knappheit der neuen Medien verinnerlicht hat. Denn so bleiben selbst bei voller Titelnennung noch mehr als 120 Zeichen übrig, in denen er seine Welt betwittern kann, zum Beispiel: „Grad den Obamas Schlüssel für Stadttor Großburgwedel gegeben, irre happy“.
Entscheidender, das steht auch in der Mitteilung, wird sicher Facebook sein. Einem deutschen Buprä stünde die deutsche Übersetzung „Gesichtsbuch“ eher an, aber so heißt das nun mal nicht, so groß ist seine Macht nicht.
Doch mitreden, das ist okay, das wird kommen. Wulff: Der Name steht künftig fürs große Palaver in der Welt junger Leute. Presseerklärungen reichen dafür natürlich nicht aus, da wird Wulff schon Klartext reden müssen, wir werden seine Lieblingsrockband und seine Zahnpastamarke erfahren, „Mist“, wird er seinen Millionen von Anhängern berichten, „Jeansgröße 33 passt nicht mehr, ich muss jetzt echt mal mit diesen fetten Banketten kürzertreten!“
Es bleibt die Frage, ob in dieser aufgekratzten Stimmung noch genug Platz und Zeit fürs Staatstragen bleibt, das ja die Königsdisziplin eines Buprä sein sollte, selbst wenn es sich bei seinem Land nur um Schland, das Reich der kurzen Hosen, handelt. Wie werden die Bürger es aufnehmen, wenn Wulff ihnen per Facebook mitteilt, dass sie ab sofort immer einen Doppelpass bei sich tragen müssen? Er wird noch viel erproben müssen aus der Welt der jungen Leute, bevor er wirklich reif für die Gesichtsbücher ist.
Das Stern-Center plant neue Ansiedlungen von Geschäften und Gastronomie-Einrichtungen. Widerspruch dagegen regt sich bei der AG Innenstadt. Finden Sie die Erweiterungspläne sinnvoll?
1 Kommentar
Der Kontext dieser Kolumne ist das System 'Brot und Spiele'. Frau Merkel und Herr Westerwelle werden wunschgemäß von politischem Druck entlastet, weil Hunderttausende siegestrunken auf den Straßen grölen. Na, prima. Man hat immer öfter den Eindruck, die Politiker wünschten sich uns Wähler dauerhaft auf diesem geistig-kulturellen Niveau. Daher wohl auch dieser permanente Schulterschluss mit der BLÖD-Zeitung. Wären alle deutschen Wähler bereits so intellektuell degeneriert, wie BILD uns gerne hätte, dann würden wir schließlich auch alle diese Bundesrepublik als wahnsinnig ehrwürdig empfinden und vor aller Welt ununterbrochen preisen .....