An diesem Abend hatte sich längst die Nacht über München gelegt. Der gesamte Tag, ein Freitag, neigte sich dem Ende, der Samstag stand kurz vor Mitternacht vor der Türe. Aber Nils D. hatte noch nicht genug. Er strebte dem „Café am Hochhaus“ entgegen, ein nach Eigenwerbung „lässiges Oma-Café mit viel Nightlife-Appeal“ gleich um die Ecke des Münchner Viktualienmarktes. Was immer ein lässiges Oma-Café sein mag, dieses ist ein Hot Spot im Münchner Nachtleben, wahrscheinlich wegen der (Eigenwerbung) „freundlichen Türpolitik“, was immer das jetzt sein mag. Nils D., ein Rechtsanwalt, wollte hinein in dieses brodelnde Epizentrum der Eitelkeiten. „Du nicht“, bedeutete ihm der Türsteher. An diesem Abend hatte Nils D. genug von all den Demütigungen.
Demütigungen, wie sie nur ein Mann ertragen muss. Aus nur einem Grund: Weil es zu viele Menschen dieses Geschlechts gibt. Zumindest an diesem lauen Sommerabend im „Café am Hochhaus“ im schönen München gleich um die Ecke des Viktualienmarktes. Er müsse sehen, sagte der Türsteher, dass nicht so viele Männer reinkämen. Ein klarer Verstoß gegen § 19 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz des Jahres 2006, früher auch bekannt als Antidiskriminierungsgesetz. Der sieht vor, dass auch zivilrechtlich, nicht nur arbeitsrechtlich „eine Benachteiligung aus Gründen . . . des Geschlechts“ verboten ist. Nils D. reichte Klage ein, und nun beginnt heute vor dem Amtsgericht München ein Prozess, in dem die Emanzipation des Mannes vorangetrieben werden muss.
1500 Euro Entschädigung für das entgangene Vergnügen will Nils. D. haben, was als eine angemessene Entschädigung für diese Erniedrigung erscheint. Und sollte der Wirt weiter Männer benachteiligen mit seiner freundlichen Türpolitik, so soll er ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro zahlen, alternativ sechs Monate im Knast über seine Untat brüten. Ein Musterprozess. In fast allen Lebensbereichen hat der Mann sich die Gleichbehandlung erkämpft, nur beim Kinderkriegen, wie Boris Becker gerade bedauernd feststellte, werden ihm weiter Grenzen gesetzt. Ansonsten dürfen wir Hammerwerfen, Kochen, Stabhochspringen, Wickeln, ja sogar Fußball spielen. Allein das lässige Oma-Café verharrt im Mittelalter. Nils D., wir Männer sind bei dir.Helmut Schümann
Das Stern-Center plant neue Ansiedlungen von Geschäften und Gastronomie-Einrichtungen. Widerspruch dagegen regt sich bei der AG Innenstadt. Finden Sie die Erweiterungspläne sinnvoll?