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  • 07.02.2010

Beim Ehepartner bleiben und fürs Big Business kämpfen

Münchner Sicherheitskonferenz: Haben sich die USA und Europa entfremdet?

Diese Frage wird seit 40 Jahren gestellt – seit Anbeginn der Konferenz, als sie noch etwas martialischer „Wehrkunde“ hieß. Die beiden sind so entfremdet wie ein Ehepaar nach vier Jahrzehnten. Wer so lange in der Gatten-Fron bleibt, ist nicht entfremdet, sondern genervt (oder gelangweilt oder eingeärgert). Aber all das, weil ihnen die Ehe wichtiger ist als fremd zu gehen oder allein zu sein. Mit wem sollen sie denn ins neue Bett? Mit den mafiösen Neo-Zaristen? Den Chinesen, die noch nie einen Schurkenstaat getroffen haben, den sie „igitt“ fanden? Außerdem haben die Amis die bessere Rockmusik.

US-Amerikaner wollten Kinder aus Haiti ins Ausland bringen: Sind das miese Verbrecher oder hilflose Helfer?

„US-Amerikaner“? Nicht einmal die Franzosen nennen sie „Etats-Unis Américains“. Das ist ein Kampfbegriff der DDR – wie in „US-Imperialismus“. Er bezichtigt die Amis hinterrücks, allen anderen zwischen Feuer- und Neufundland ihre hemisphärische Identität geklaut zu haben – obwohl kein Chilene oder Kanadier sich ebenfalls „Amerikaner“ nennt oder „Amerika“ im Landesnamen trägt. Die Kinderräuber waren amerikanische Baptisten, die inzwischen im Arrest sitzen. Längst sind Waisenkinder völlig legal in die USA und auch nach Deutschland gebracht worden. Das Problem ist ein anderes, laut UN: Es gibt viele „Waisenhäuser“ in Haiti, die keine sind. Dort sind Menschenhändler am Werk, die Kinder von ihren Eltern kaufen, um sie an Paare weiter zu verkaufen, die den langwierigen Adoptionsprozess scheuen. Das war schon vor dem Erdbeben so und ist nicht humanitär, sondern kriminell.

Die Linken ohne Lafontaine, die FDP bei acht Prozent: Wem geht’s schlechter?

Den Linken offensichtlich nicht, haben sie doch gerade auf elf Prozent zugelegt. Die FDP hat sich seit der Wahl fast halbiert, weil sie jene Ex-CDU-Wähler verprellt hat, die ein Korrektiv gegen den Sozialdemokratismus der Schwarzen haben wollten. Gekriegt haben sie eine FDP, die Klientelpolitik betreibt und einen Außenminister, der gelegentlich an den Gitterstäben klassischer deutscher Außenpolitik rüttelt. Merke: Wer für die Bilanzen der freien Berufe und von Big Business ficht, ist nicht unbedingt ein Marktwirtschaftler. Der freie Markt hat mit Wettbewerb, nicht mit Privilegien zu tun.

Ein Wort zur deutschen Außenminister…

Guido W. hat geschafft, was weder Joschka F. noch Hans-Dietrich G. gelungen ist: vom Platz eins auf der Beliebtheitsskala (da steht jetzt „KT“ mit 73 Prozent) auf 47 Prozent zu fallen. „WmdW“ formuliert deshalb dieses eiserne Gesetz deutscher Politik: „Die Hauptfunktion einer jeden neuen Regierung ist es, die alte gut aussehen zu lassen.“

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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