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  • 02.02.2010

Kameltreiben: Das Öhr der Reichen

Man mag ja übers Wetter nichts mehr hören – es schneit eben, wahrscheinlich ganzjährig –, aber übers Klima wird man wohl noch reden dürfen. Über den Klimaschutz zum Beispiel und über die erstaunlichsten Methoden, diesen zu bewerkstelligen. Die Australier etwa rotten, wie schon kurz vermeldet, zu diesem Behufe ihre Kamele aus. Schätzungsweise eine Million dieser Paarhufer leben Down Under, und wenn sie nicht kopfüber stehen, sondern auf ihren Paarhufen, dann rülpst jedes Einzelne von ihnen jährlich eine Tonne Treibhausgase in die Luft. Sollten die Tiere, wie in Australien gefordert, nun in Gänze abgeschossen werden, so ein Agrarfachmann, spare das mehr Gase ein, als wenn 300 000 Autos stillgelegt würden. Australien ist für Kamele derzeit eine No-go-Area.

Um im Brehm’schen Tierleben zu bleiben: Was dem einen die Eule, ist dem anderen die Nachtigall. Will sagen: Wo die einen viel zu viele Kamele haben, können die anderen gar nicht genug von ihnen bekommen. In der Mongolei sind sie geradezu entsetzt über das Kamelsterben. In diesem Winter mit Temperaturen bis zu minus 50 Grad sind schon 1,7 Millionen Schafe, Ziegen, Pferde und eben Kamele verendet. Was die Tierschützer ebenso bekümmert wie es die australische Massenschlachtung tut, und zudem die Existenz von über 20 000 Hirtenfamilien bedroht. Und in Saudi-Arabien sind sie – obwohl sie doch alle geländegängige SUVs fahren – so wild aufs Statussymbol Wüstenschiff, dass sie am liebsten die gesamte australische Herde importieren würden. Problematisch indes sind der Austausch und die lebensrettende Verknüpfung der Interessen. Kamele sind, trotz ihres Spitznamens, nicht gut wassergängig, sie brauchen Schiffe, um von ihrem Kontinent in die Mongolei und in die saudische Wüste zu kommen.

Das Kamel ist das Nachrichtentier der vergangenen Zeit. In Memmingen legten drei frei laufende Kamele die A 96 still, ehe sie wieder in ihren Zirkus gebracht werden konnten. In Nürnberg hat sich der von seinen Tigern attackierte Dompteur mit Hilfe einer Kameldressur selbst therapiert. Über allem thront allerdings der Evangelist Markus, 10,25: „Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt.“ Nach Veröffentlichung der Schweizer CD gehen einige vor den Kadi. Gut gemacht, Kamel.Helmut Schümann

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