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  • 17.10.2007

Kopfnuss-Lehrerin vor Gericht

Brandenburger Verein kritisiert hohe Dunkelziffer und mangelnde Aufarbeitung von Lehrergewalt

Potsdam - Im Land Brandenburg muss sich erstmals eine Grundschullehrerin wegen körperlicher Gewalt gegen Schüler verantworten. Eltern der betroffenen Erstklässler der Grundschule Eichwalde hatten Anzeige gegen Frau B. erstattet, inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Anklage vor dem Amtsgericht Königs Wusterhausen erhoben. Lehrergewalt gegen Schüler ist nach Einschätzung des brandenburgischen Bildungsministeriums dennoch selten. Insgesamt sind in den vergangenen beiden Schuljahren in Brandenburg sieben Übergriffe von Lehrern aktenkundig geworden.

Schreiende Lehrer, Kopfnüsse, zwicken in die Hände, Mobbing gegen Schüler – Statistiken über physische und psychische Gewalt von Lehrern gegen Schüler führt das Bildungsministerium nicht. „Sowohl die Dunkelziffer als auch die defizitäre Aufarbeitung der Fälle ist besorgniserregend“, beklagt Angelika Bachmann hingegen in einem Brief an Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD). Bachmann, Vorsitzende des Vereins „Lernen ohne Angst“, der sich von Zossen aus deutschlandweit für Opfer von Gewalt an Schulen stark macht, bemängelt den laschen Umgang mit den Fällen seitens der Schulämter. Sie fordert daher eine landesweite Beratungsstelle für Lehrer, um sich für solche prekären Situationen schulen zu lassen.

Das Vertrauen in die Behörden sei nicht mehr vorhanden, Eltern würden aus Angst vor Repressalien und Untätigkeit der Schulämter die Lehrer nicht anzeigen, sagt Bachmann. Der letzte bekannt gewordene Fall ereignete sich an der Jahn- Oberschule Luckenwalde: Nach einer verbalen Auseinandersetzung zwischen einem Siebentklässler und seinem Sportlehrer griff der Lehrer zu. Kurios: Daraufhin wurde der Schüler vom Sportunterricht suspendiert – nicht der Lehrer. Seit diesem Schuljahr unterrichtete dieser Lehrer den attackierten Schüler zunächst wieder. Erst nach Anfragen der PNN haben Ministerium, Schulamt sowie Schulleitung reagiert und der betroffenen Klasse einen anderen Sportlehrer zugewiesen. „In dem Fall ist die Situation an der Schule wahrscheinlich unterschätzt worden“, sagte Stephan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums. Der Schulleiter hätte anders reagieren können.

Auch Grundschullehrerin Frau B., die sich wegen ihres Fehlverhaltens nun vor Gericht verantworten muss, wechselte bislang lediglich zweimal die Schule und unterrichtet weiter. Glücklich ist man auch im Bildungsministerium mit dieser Situation nicht. Ein Arbeitsverbot sei ohne Verurteilung allerdings schwierig, so Breiding. Selbst eine spezielle Weiterbildung könnte den Lehrern nicht verordnet werden.

Bildungsminister Holger Rupprecht erklärte kürzlich, den Vorfällen wären „Provokationen und Störungen des Unterrichts vorausgegangen“. Dies sei eine „äußerst bedenkliche Formulierung“, sagte Bachmann vom Verein „Lernen ohne Angst“ dazu: Die Übergriffe dürften in keinster Weise legitimiert werden.

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