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  • 29.01.2010

Matthies meint: Kleine Übung in angewandter Applophobie

Um mal auf die Apps zu kommen: Sie teilen unsere Welt. Die einen sind begeisterte Nutzer, die anderen fragen: Was zum Teufel sind Apps? Kann man die mit Birnen vergleichen? Sagt man ihnen dann, dass es sich um kleine Programme handelt, die dem iPhone-Nutzer in öden Stunden mit Spiel, Spannung und Information behilflich sind, geht die Fragerei schon wieder los: Was ist ein iPhone?

Klar ist eigentlich nur, dass es neben der Welt, wie wir sie kennen, auch eine iWelt gibt. Das Schöne an ihr: Sie ist anders, irgendwie homogener. Wer allerdings Zweifel am Apple-Universum und seinem Meisterdenker Steve Jobs in die Herzen der Menschen zu säen versucht, der hat sofort reichlich Ärger am Hals und wird der Applophobie bezichtigt, ja, man könnte durchaus von einer iFatwa sprechen. So richtig gefährlich ist die Sache allerdings nicht, weil das kleine i praktischerweise immer ein wenig eingebaute Ironie verheißt, iRonie gewissermaßen. Deshalb ist es wohl auch nicht so schlimm, dass das in Italien gegenwärtig beliebteste App den Namen „iMussolini“ trägt, es enthält Reden und andere Dokumente aus dem Leben des Namensgebers. Für 75 Cent kann es jeder herunterladen, und schon schwadroniert der Duce los, bis der Akku dem Spuk ein Ende setzt. Das allerdings kann dauern. Neofaschistischer Exzess oder fröhliche Vergangenheitsbewältigung? Das ist schwer auseinanderzuhalten. Denn Mussolini ist in Italien so eine Art Elvis in Knobelbechern, es gibt eine beliebte Gruft in Bologna, Kaffeepötte und Stringtangas mit seinem Abbild. Doch der Erfolg seines Apps macht Weiterungen immerhin denkbar. Nicht auszuschließen, dass es bald für 75 Cent auch den iAdolf gibt, die abgefahrensten Reden des Führers in Originalfassung mit ein paar Selbstzeugnissen („Äch hätte Rossland besser öber die Flanke angreifen sollen!“) Oder iBlondi, das Spiel, in dem wir Hitlers Schäferhund durch ein Minenfeld dirigieren müssen; und wie wäre es mit iBerija, einem kleinen Wegweiser durch die Welt der Gulags für junge Neostalinisten?

All das könnte vor allem deshalb interessant werden, weil das neue, größere iPad von Apple ja dringend Software braucht, da ist mehr Platz für Bilder, genug, um die Geschichte sozusagen bei den Hörnern zu packen. Ein riesiger Markt tut sich auf, bald kommt Guido Knopp mit „Hitlers wichtigsten Softwareprogrammen“. Und am Gymnasium lehren unsere Studienräte iGeschichte.

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