Potsdam/Berlin - Das Stasi-belastete Personal der märkischen Linkspartei wird nicht nur zur schweren Belastung für Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck und seine rot-rote Koalition. Auch die Bundesspitze der Linken wertet die immer neuen Enthüllungen über märkische Landtagsabgeordnete und deren seit der Wende verschwiegenen Verbindungen zum DDR-Geheimdienst MfS als Belastung für die Bundespartei. In Berlin ließ sich Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi am Mittwoch über die Lage informieren. Weit über Brandenburg hinaus seien viele Genossen alarmiert, hieß es am Rande eines routinemäßigen Treffens der Linken-Spitzen aus Berlin und Brandenburg mit der Führung der Bundestagsfraktion.
Nach PNN-Informationen werden in der Bundespartei gegenwärtig diverse Szenarien durchgearbeitet, wie nach Bekanntwerden weiterer neuer Stasi-Fälle in Brandenburg sowohl die Fraktionsspitze als auch die Führung der Landespartei ersetzt werden könnten. Dabei werde auch vor einem Ende der Koalition nicht zurückgeschreckt. „Anders wäre die Glaubwürdigkeit bundesweit nicht mehr zu retten“, sagte ein Linke-Bundespolitiker am Mittwoch den PNN. Demnach stehen sowohl Fraktionschefin Kerstin Kaiser als auch Landeschef Thomas Nord zur Disposition. Dass beide – einst selbst Inoffizielle Mitarbeiter (IM) des DDR-Geheimdienstes MfS – nun ständig die neuen, bisher unbekannten Stasi-Fälle in ihren Reihen kommentieren müssten, sei „ein sehr, sehr unglücklicher Umstand“, gebe „ein verheerendes Bild“, sagte ein anderer Bundespolitiker. Die Bundesspitze um Gysi und Oskar Lafontaine hatte offen den ausgehandelten Koalitionsvertrag in Brandenburg kritisiert.
Unterdessen kam die von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) geführte Koalition wegen eines neuen Stasi-Falls weiter in Bedrängnis. CDU und FDP forderten Platzeck am Mittwoch auf, das Bündnis mit der Linken zu kündigen. Zuvor hatte die Birthler-Behörde Unterlagen freigegeben, nach denen der Linke-Abgeordnete Michael Luthardt seinen Wehrdienst beim Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ absolviert hat.
In einem PNN-Gastbeitrag fordert zudem die ehemalige Linke- und spätere SPD-Landtagsabgeordnete Esther Schröder das Ende von Rot-Rot. Brandenburg sei auf dem Irrweg.PNN
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