• 17.07.2009
  • von Von Klaus Kurpjuweit und Lars von Törne

Von Klaus Kurpjuweit und Lars von Törne: S-Bahn stellt Ost-West-Verkehr komplett ein Züge ab Montag nur noch bis Zoo und Ostbahnhof Bahn leiht sich Regionalzüge für Innenstadtverkehr

von Von Klaus Kurpjuweit und Lars von Törne

Berlin - Nach dem Chaos der vergangenen Wochen wird der S-Bahn-Verkehr in der Berliner Innenstadt nun fast komplett eingestellt. Zwischen der West-City am Zoologischem Garten und dem Ostbahnhof würden ab Montag für zweieinhalb Wochen keine S-Bahn-Züge mehr verkehren, kündigte DB-Vorstand Ulrich Homburg am Donnerstagnachmittag an. Damit sind auch die Linien von und nach Potsdam undWansee durch Berlin betroffen. Die Berliner und die Penlder aus dem brandenburgischen Umland werden sich noch bis zum Winter auf Einschränkungen einstellen müssen. „Anfang Dezember werden wir wieder das vollständige Fahrplanangebot haben“, sagte Homburg.

Wegen des S-Bahnchaos hat Brandenburg zudem darauf verzichtet, von und nach Teltow bei der S-Bahn vom 20- auf 10-Minuten-Takt umzustellen. Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG kündigten am Donnerstagsabend zudem an, die U-Bahn auf fast allen Linien trotz des Ferienfahrplans im 5-Minuten-Takt fahren zu lassen, um die Lage etwas zu entspannen.

Auch im Berliner Nord-Süd-Tunnel wird der S-Bahn-Verkehr weiter eingeschränkt und auf den Strecken zwischen Olympiastadion und Spandau, Westkreuz und Nikolassee, Mühlenbeck-Mönchmühle und Blankenburg, Springpfuhl und Wartenberg, Strausberg und Strausberg Nord sowie Adlershof und Flughafen Schönefeld fahren gar keine Bahnen mehr. Grund für diese Einschränkungen sei ein Beschluss des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), nach dem der S-Bahn nur noch rund ein Drittel der Fahrzeugflotte zur Verfügung steht. Den Verkehr zwischen Zoo und Ostbahnhof sollen sieben Regionalzüge pro Stunde und Richtung übernehmen.

Nach den neuesten Anordnungen des Eisenbahn-Bundesamtes vom Donnerstag müssen weitere Züge aus dem Betrieb genommen werden. Nur 165 Viertelzüge aus jeweils zwei Wagen sollen noch im Einsatz bleiben können. Sie werden auf dem Ring und den Strecken ins Umland eingesetzt – meist als Kurzzug mit vier Wagen. Normalerweise benötigt die S-Bahn zu den Hauptverkehrszeiten 552 Viertelzüge. Damit sei aber „die Talsohle erreicht“, sagte DB-Vorstand Homburg, weitere Einschränkungen könne die Bahn ausschließen. Die ab Montag eingesetzten Züge seien „stabil und verlässlich“, was Experten überprüft hätten.

Die als Ersatz für ausfallende S-Bahnen eingesetzten Regionalzüge hat die Bahn sich aus ganz Deutschland ausgeliehen. Bereits seit Montag fahren stündlich zwei zusätzliche Regionalbahnen zwischen Potsdam und Berlin-Ostbahnhof. Allerdings können die Zusatzzüge nur auf Bahnhöfen mit Fernbahnsteigen halten.

Bereits am Mittwoch hatte der neue S-Bahn-Chef Peter Buchner angekündigt, dass sich die Lage noch verschlimmern werde. Die S-Bahn fährt bereits seit mehr als zwei Wochen nach einem Notfahrplan. Immerhin konnten bisher aber fast alle Linien eingeschränkt weiter betrieben werden.

Das Eisenbahn-Bundesamt hat komplizierte Kontrollvorschriften erlassen und festgelegt, dass nach dem Erreichen vorgebener Laufleistungen alle Räder der Züge der Baureihe 481, die erst Mitte der 90er Jahre angeschafft worden waren, ausgetauscht werden müssen. Bisher war dies nur für die Räder an den Zugspitzen vorgeschrieben, weil sie angetrieben werden. Je nach Belastung müssen die Räder nach unterschiedlichen Fristen ausgewechselt werden. Zum Austausch hat das Eisenbahn-Bundesamt auch noch unterschiedliche Termine bestimmt. Diese unterschiedlichen Vorgaben muss die S-Bahn jetzt unter einen Hut bringen und ihre Werkstätten entsprechend organisieren.

500 Viertelzüge dieser Baureihe besitzt die S-Bahn. Damit stellen sie den Löwenanteil der Flotte. Insgesamt sind derzeit nach Angaben des Unternehmens 630 Viertelzüge vorhanden. Rund die Hälfte ist bereits abgestellt, weil nach dem Bruch eines Rades am 1. Mai die Kontrollen verschärft worden waren. Nach den neuesten Anweisungen müssen nun weitere Züge aufs Abstellgleis, bis sie überprüft worden sind.

  • Erschienen am 17.07.2009 auf Seite 01

Social Media

Das könnte Sie auch interessieren

Archiv

Kaufda

Ein Service von
Angebote und Prospekte von kaufDA.de

Umfrage

Brandenburgs Wappentier war immer rot, im neuen Landtag hängt nun jedoch ein weißes Exemplar - auf Wunsch des Architekten. Sollte der weiße Adler nun durch einen roten ersetzt werden?