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  • 11.08.2018
  • von nbsp;Reinhart Bünger

Berlin bremst Brandenburger Pendler aus

von nbsp;Reinhart Bünger

Schon jetzt gibt es zu wenige Park-and-Ride-Plätze in der Hauptstadtregion – nun will der Senat Parkflächen mit Wohnungen überbauen

Berlin - Berlins rot-rot-grüne Landesregierung sagt autofahrenden Pendlern aus dem Brandenburger Umland den Kampf an. Dieser Zeitung liegt dazu ein Schreiben der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen an die Bezirksbürgermeister vor. Darin wird die Bitte formuliert, Potenzialflächen zu benennen, um vorhandene Parkplatzflächen mit Wohnungen zu überbauen. Der Senat steht wegen der Wohnungsnot in Berlin unter Druck.

Dabei gibt es schon jetzt zu wenige Park-And-Ride-Parkplätze für Pendler aus Brandenburg, und zwar an S-Bahn-Stationen auf Berliner Stadtgebiet und in Brandenburger Kommunen an der Stadtgrenze. Pendler können nicht damit rechnen, dass sich daran bald etwas ändert.

Aus der Antwort der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine schriftliche Anfrage des Berliner Abgeordneten Danny Freymark (CDU) geht hervor, dass auf Berliner Stadtgebiet keine neuen Park-and-Ride-Parkplätze an S-Bahn-Stationen geplant sind. Und das, obwohl zehntausende Berliner in den Speckgürtel gezogen sind und ziehen, die oft weiterhin in der Metropole arbeiten.

Aus der Antwort geht zudem hervor, dass in den letzten fünf Jahren in Berlin keinerlei neue Park-and-rideAnlagen errichtet worden sind, so dass die Kapazitäten völlig unterdimensioniert sind. Berlin droht daher an wichtigen S-Bahn-Knotenpunkten der Infarkt des Individual- und öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) mit Bussen.

Auch an den S-Bahn-Stationen in Brandenburg nimmt die Parkplatzsuche zu. „Die meisten dieser Anlagen sind ausgelastet, bei vielen übersteigt die Nachfrage das Angebot“, bestätigte eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums Brandenburg die Überlastung vorhandener Park-and-ride-Plätze. Wie Berlin nehmen auch viele Kommunen in Brandenburg „inzwischen Abstand vom (Aus-)Bau von Park-and-ride-Anlagen, denn dieser stößt inzwischen an Grenzen“, sagte mit Blick auf den Flächenbedarf Elke Krokowski, Sprecherin des VBB Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg GmbH.

Dabei haben sich die täglichen Einpendlerzahlen nach Berlin in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt. Waren es 1998 noch knapp 160 000, so wurden zum Stichtag 30. Juni im vergangenen Jahr knapp 310 000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Einpendler ermittelt; Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

Zwar könnten in den Berliner Bezirken vorhandene Parkplätze an Brennpunkten mit einer Etage aufgestockt werden. Dies zeigen Beispiele aus anderen Großstädten. Doch anders als zum Beispiel in New York sollen diese Flächen in Berlin nun ja für den Wohnungsbau genutzt werden, wie die Bitte der Senatsverwaltung an die Bezirksbürgermeister zeigt. „Das ist eine gute Idee“, sagte der Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), David Eberhart. Wichtiger und vielversprechender sei es aber, die bestehenden Baulandreserven zu mobilisieren und große Flächen zu bebauen.

Nach Angaben der Sprecherin der Berliner Finanzverwaltung, Eva Henkel, meldeten die Bezirke Pankow und Marzahn-Hellersdorf auf die Anfrage „Fehlanzeigen“. Antworten der übrigen Bezirke stünden noch aus. Auch dort gibt es nur noch wenige Flächenreserven.

„Selbst wenn Flächen zur Verfügung stünden, würde die Wohnungsbauleitstelle sofort intervenieren, wenn wir auf die Idee kämen, dort Parkplätze zu errichten“, sagte der Wirtschaftsstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, Johannes Martin (CDU), auf Anfrage. Treptow-Köpenick bemüht sich nach Angaben seines Baustadtrates Rainer Hölmer (SPD) „seit vielen Jahren“ vergeblich darum, den Senat zur Erarbeitung eines funktionierenden Park-and-ride-Konzeptes zu bewegen.

Nach Angaben von Pankows Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) ist es „auch im Zuge der wachsenden Pendlerströme nicht zu schaffen“, ausreichende Park-and-Ride-Kapazitäten herzustellen. Er setzt wie die Berliner Landesregierung auf den öffentlichen Personennahverkehr. Dessen Defizite und Tarifstrukturen sind indessen – neben wachsenden Pendlerzahlen – ein Grund, weshalb zahlreiche Neu-Brandenburger aus dem Umland mit dem Auto in die Hauptstadt einpendeln. (mit thm)

  • Erschienen am 11.08.2018 auf Seite 01

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