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  • 02.12.2017
  • von Rainer Woratschka

Kassen sollen bessere Impfungen gegen Grippe bezahlen: Sehr spät dran

von Rainer Woratschka

Eigentlich ist es eine gute Nachricht. Nach jahrelanger Expertenkritik, dass die Krankenkassen hierzulande an optimalem Grippe-Impfstoff sparen, hat die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (Stiko) nun ihre Impfempfehlung geändert. Sie plädiert nicht mehr für den billigeren Dreifach-Impfstoff, sondern für einen teureren vierfachen, der besser schützt. Und den die gesetzlichen Kassen bisher nicht bezahlen.

Das Dumme daran ist nur: Wir befinden uns bereits mitten in der Grippesaison. Die Empfehlung wird erst im Januar offiziell veröffentlicht. Der Gemeinsame Bundesaussschuss darf sich dann für seine Entscheidung, ob die Kassen für den teureren Impfstoff aufkommen müssen, noch mal drei Monate Zeit lassen. Bis dahin ist Ostern.

Selbst wenn die Gremien täten, was sie niemals tun, nämlich in Windeseile reagieren: Die Produktion der Impfstoffe benötigt einen Vorlauf von gut einem halben Jahr. In diesem Viren-Winter, so viel ist klar, hat noch keiner was von dem Kursschwenk der Impfpäpste Es sei denn, er sichert sich einen der jetzt wahrscheinlich schnell rar werdenden Vierfach-Impfstoffe und zahlt die Kostendifferenz aus eigener Tasche.

Letzteres ist aus Expertensicht übrigens durchaus zu empfehlen. Die Notwendigkeit der Entscheidung, zu der sich die Stiko-Mitglieder durchgerungen haben, wird nämlich gerade eindrucksvoll bestätigt: Laut Weltgesundheitsorganisation dominiert derzeit just ein Influenza-B-Virus, das über den aktuellen Dreifach-Impfstoff nicht abgedeckt ist. Es handelt sich dabei um die sogenannte Yamagata-Linie. Der Standardimpfstoff für diese Saison schützt nur vor einer B-Linie namens Victoria, sowie vor den beiden A-Stämmen Michigan (H1N1) und Hong-Kong (H3N2).

Es ist nicht das erste Mal, dass die Influenza-Propheten danebenlagen. Die Vorhersagen der WHO zur vorherrschenden B-Linie seien in der Hälfte aller Fälle unzutreffend gewesen, sagt der frühere Stiko-Vorsitzende Jan Leidel. Mit ihrer Empfehlung erhöhen die Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit eines Treffers. Und obwohl niemand sagen könne, in welcher Größenordnung sich der Schutz durch Vierfachimpfung verbessert: Wenn die Kassen sie zahlten, werde das „eine ganze Reihe von Erkrankungen und Todesfällen verhindern.“

Arm wird von der Optimierung auch keiner. Pro Person kostet sie grade mal fünf Euro mehr. Schlimm wäre es aber, wenn sich Risikogruppen nun, da sie keinen Vierfach-Impfstoff kriegen, die Impfung ganz schenken. Auch ein eingeschränkter Grippeschutz, mahnen die Experten, ist besser als gar keiner. Rainer Woratschka

  • Erschienen am 02.12.2017 auf Seite 01

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