25.11.2017, 6°C
  • 19.10.2017
  • von Matthias Meisner und Alexander Fröhlich

Tillich tritt nach CDU-Wahlschlappe ab

von Matthias Meisner und Alexander Fröhlich

Foto: D. Spiekermann-Klaas

Generalsekretär Kretschmer soll Ministerpräsident und Parteichef in Sachsen werden. Brandenburgs SPD-Chef Woidke unter Druck

Berlin - Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich tritt zurück. Der CDU-Politiker zieht die Konsequenz aus der Niederlage seiner Partei bei der Bundestagswahl am 24. September. Die AfD war in seinem Bundesland mit 27 Prozent stärkste Partei geworden, die CDU lag mit 26,9 Prozent auf Platz zwei. Er wolle sein Amt im Dezember „in jüngere Hände übergeben“, sagte Tillich. Tillich schlug den sächsischen CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer als Nachfolger vor, das Präsidium der Landespartei schloss sich dieser Empfehlung einstimmig an. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte bei der Wahl am 24. September den Einzug in den Bundestag verfehlt. Er verlor sein Direktmandat an den AfD-Bewerber Tino Chrupalla. Kretschmer soll auch neuer Landeschef der CDU werden.

Alle Präsidiumsmitglieder würden die Entscheidung Tillichs bedauern, aber respektieren, teilte ein Parteisprecher mit. „Stanislaw Tillich hat sich über zwei Jahrzehnte mit ganzer Kraft für die Menschen in seiner sächsischen Heimat eingesetzt. Er hat sich große Verdienste um den Freistaat erworben. Nie zuvor ging es Sachsen und den Sachsen so gut wie heute.“ Tillich sagte: „Für eine gute Zukunft Sachsens sind auch neue Antworten wichtig. Es braucht den Mut, gewohnte Bahnen zu verlassen. Wir dürfen nicht im Gestern und Heute gefangen sein. Nach 27 Jahren in aktiver Verantwortung fällt mir das schwerer. Ich weiß, dafür braucht es neue und frische Kraft.“

Tillich warb für die Wahl von Kretschmer zum Ministerpräsidenten. Kretschmer, der zum rechtskonservativen Flügel der CDU gerechnet wird, lobte der noch amtierende Regierungschef mit den Worten: „Er ist Sachse mit Herz und Verstand, der jung und doch erfahren ist.“

Nach dem Rücktritt von Tillich drängt die Opposition auch in Brandenburg wegen der miesen Wahlergebnisse der Regierungsparteien SPD und Linke auf einen Neuanfang. Der Generalsekretär der Brandenburger CDU, Steeven Bretz, forderte Ministerpräsident und SPD-Landeschef Dietmar Woidke zum Rückzug auf. „Während Stanislaw Tillich Verantwortung übernimmt, versteckt sich Dietmar Woidke in der märkischen Ackerfurche“, sagte Bretz. Dafür, dass Tillich jetzt Verantwortung übernehme, „gilt ihm unser ganzer Respekt“. In Brandenburg landete die SPD bei der Bundestagswahl mit einem historisch schlechten Stimmanteil von 17,6 Prozent nur auf Platz drei hinter der CDU und der zweitplatzierten AfD – und nur knapp vor der Linken. Woidke steht seither und wegen der anhaltenden Debatte um die Kreisreform noch stärker als zuvor unter Druck.

Woidke selbst würdigte Tillich, mit dem er über Parteigrenzen hinweg befreundet war: „Ich habe großen Respekt vor dieser persönlichen Entscheidung, aber auch vor der politischen Lebensleistung von Stanislaw Tillich.“ Woidke verwies auf den gemeinsamen Kampf für ostdeutsche Interessen und das Bemühen um die Zukunft der Lausitz.

  • Erschienen am 19.10.2017 auf Seite 01

Social Media

Archiv

Kaufda

Ein Service von
Angebote und Prospekte von kaufDA.de

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!