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  • 07.10.2017
  • von Claudia von Salzen

Nobelpreis für Gegner der Atomwaffen Komitee in Oslo ehrt internationale Kampagne

von Claudia von Salzen

Berlin - Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Mit der Entscheidung verband das norwegische Nobelkomitee zugleich einen Appell an die Atommächte zur Aufnahme von Abrüstungsverhandlungen, um die schrittweise Beseitigung aller 15 000 Nuklearwaffen weltweit zu erreichen. Die ICAN ist ein Zusammenschluss von mehr als 450 Nichtregierungsorganisationen in 100 Staaten. Das Nobelkomitee in Oslo würdigte vor allem die „bahnbrechenden Bemühungen“ der ICAN, ein vertragliches Verbot von Atomwaffen zu erreichen. Im Juli hatten sich bei den Vereinten Nationen in New York 122 Staaten auf einen Vertrag verständigt, der die Herstellung, den Besitz und den Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich untersagt.

Vertreter der deutschen ICAN-Sektion warfen der Bundesregierung unmittelbar nach der Bekanntgabe der Auszeichnung vor, die Verhandlungen über den UN-Vertrag „boykottiert“ zu haben, und forderten Deutschland auf, dem Abkommen beizutreten.

Die Bundesregierung gratulierte der ICAN am Freitag zwar zum Nobelpreis und bekannte sich ebenfalls zum Ziel einer atomwaffenfreien Welt, begründete aber zugleich, warum Deutschland den UN-Vertrag nicht unterstützt. Solange es Staaten gebe, die Atomwaffen als militärisches Mittel ansähen und Europa davon bedroht sei, bestehe die Notwendigkeit einer nuklearen Abschreckung fort, sagte eine Regierungssprecherin. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, es gebe nicht immer die gleichen Auffassungen darüber, wie das Ziel einer atomwaffenfreien Welt zu erreichen sei. „Die Welt steht derzeit vor einer Spirale neuer atomarer Aufrüstung – nicht nur in Nordkorea, sondern auch bei uns in Europa.“ Der Friedensnobelpreis wird am 10. Dezember in Oslo verliehen. Claudia von Salzen

  • Erschienen am 07.10.2017 auf Seite 01

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