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  • 16.09.2017
  • von Lutz Haverkamp

Alles schon entschieden?

von Lutz Haverkamp

Eine Woche vor der Bundestagswahl sagen Umfragen einen Sieg der Union voraus – aber es gibt Bewegung bei den Wählern

Berlin - Gut eine Woche vor der Wahl zum 19. Bundestag deutet eine aktuelle Umfrage darauf hin, dass das Ergebnis etwas anders ausfallen könnte, als die Meinungsforscher bisher vorausgesagt haben. Das Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel sieht insbesondere bei der politischen Stimmung eine deutliche Verschiebung hin zu den Sozialdemokraten.

CDU und CSU verlieren gemeinsam deutlich und kommen aktuell nur noch auf 34 Prozent – ein Minus von fünf Prozentpunkten. Die SPD legt dagegen erneut zu und erhält 28 Prozent – ein Plus von vier Prozentpunkten. Die Wahlforscher betonen jedoch, dass „mit Umfragen immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden und Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung am Wahltag Ende nächster Woche nicht zulässig sind“.

Das Politbarometer veröffentlicht aus diesem Grund die sogenannte „Projektion“, bei der die in den aktuellen Untersuchungen gemessenen politischen Stimmungen auf ein Wahlergebnis für eine Bundestagswahl übertragen werden. Bei dieser Sonntagsfrage verlieren CDU und CSU zwei Prozentpunkte und kommen noch auf 36 Prozent der Wählerstimmen. Die SPD kann sich leicht um einen Prozentpunkt verbessern und kommt auf 23 Prozent. Auf Platz 3 liegen FDP und AfD gleichauf mit jeweils zehn Prozent (beide plus ein Prozentpunkt). Linke und Grüne verharren unverändert bei neun und acht Prozent. Neben einer großen Koalition wäre den Angaben nach auch eine sogenannte Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen möglich. Für alle anderen realistischen Möglichkeiten gibt es der Umfrage zufolge keine Mehrheit. Beide Koalitionen werden allerdings in Umfragen von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt. Nur 25 Prozent der Befragten sprachen sich für eine Jamaika-Koalition aus. 52 Prozent lehnen sie ab. Eine Fortsetzung der großen Koalition kommt immerhin auf 40 Prozent Zustimmung. 42 Prozent der Befragten finden sie schlecht. Der Fehlerbereich der Umfrage beträgt bei 1250 Befragten und einem Anteilswert von 40 Prozent rund plus/minus drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von zehn Prozent rund plus/minus zwei Prozentpunkte.

Grundsätzlich stellen die Meinungsforscher ein hohes Maß an Unsicherheit bei den Wahlberechtigten fest. Aktuell geben 61 Prozent an, sich auf eine Partei festgelegt zu haben. Insgesamt 39 Prozent wollen ihre aktuelle Präferenz eventuell ändern oder wissen noch nicht, ob oder wen sie wählen werden. Im Detail sind auch 18 Prozent mit aktueller CDU/CSU-, 22 Prozent mit SPD-, 14 Prozent mit Linke-, 34 Prozent mit Grünen-, 13 Prozent mit FDP- und 16 Prozent mit AfD-Wahlabsicht unsicher, ob sie am Ende tatsächlich so abstimmen werden, wie bei der Umfrage geäußert.

Am 24. September sind nach Mitteilung des Bundestags rund 61,5 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Volksvertretung für die kommenden vier Jahre zu wählen – 400 000 weniger als bei der Bundestagswahl 2013. Dabei sind die Frauen deutlich in der Überzahl: Sie stellen 31,7 Millionen Stimmen, die Männer nur 29,8 Millionen. Drei Millionen Wähler können zum ersten Mal an einer Bundestagswahl teilnehmen. 72 Prozent der Befragten interessieren sich sehr für die Wahl. 2013 waren es 66 Prozent.

  • Erschienen am 16.09.2017 auf Seite 01

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