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  • 03.01.2008

In Brandenburg kann „Jöthe uffs Dorf“ Freie Theater in der Mark loben im Bundesvergleich vorbildliche Landesförderung

Potsdam - Brandenburg entwickelt sich zu einem kleinen Eldorado für die freie Theater-Szene. Möglich ist das durch die Förderung durch das Land, die der Dachverband der 21 freien Theater in der Mark gestern auf einer Pressekonferenz mit Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) in Potsdam nachdrücklich lobte.

„Der Stellenwert freier Theater ist höher als in anderen Ländern“, sagte Verbandschef Reinhard Drogla, zugleich Chef des piccolo-Theaters in Cottbus. Brandenburg gibt jährlich rund eine Million Euro für die kleinen, flexiblen und mobilen Ensembles aus, die 2007 für 1800 der 3800 Theater-Aufführungen im Land sorgten. Es sei vorbildlich, wie freie Theater vom Land gefördert und strukturell begleitet werden, so Drogla. „Das gibt es weder in Hessen, Bayern oder in Nordrhein–Westfalen“. Der Szene dort machten dagegen „Unterfinanzierung und Ellenbogenkämpfe“ zu schaffen.

Laut Drogla hat es sich inzwischen über die Landesgrenzen hinaus herumgesprochen, zum Beispiel nach Berlin. „Man lässt sich in Brandenburg nieder, weil man weiß, dass es hier eine stabile Förderung gibt.“

Ein gelungenes Beispiel sei das Berliner Theater 89, das das alte Gutshaus in Niedergörsdorf als Spielstätte erfolgreich belebt habe. Dennoch bestehe eine gewisse Gefahr, dass sich der Zuzug freier Theater verstärke. „Die Förderbedingungen in Brandenburg sind besser als in Berlin.“ Und die Töpfe des Landes würden nicht voller.

Es ist nur ein Beispiel dafür, dass die freien Szene trotzdem nicht sorgenfrei ist. Drogla nannte als Problem, dass die Schauspieler unter Tarif bezahlt werden, weil die Zuschüsse der Kommunen – sie sind die Hauptträger – nicht mehr zulassen würden. Eine Anfangsstelle für Schauspieler sei an festen Häusern mit 1650 Euro Brutto dotiert, in freien Theatern seien es unter 1500 Euro. Selbst Wanka sprach von „Selbstausbeutung“.

Die Landesförderung jedenfalls soll nach ihren Worten verlässlich bleiben. Die Kulturministerin machte keinen Hehl aus ihrer Genugtuung, dass es 2007 sogar gelang, den Investitionsstau in freien Theatern aufzulösen und mit einem Sonder-Zuschuss über 500 000 Euro deren Ausstattung zu verbessern. So bekamen das „Theater des Lachens“ in Frankfurt (Oder) 61 000 Euro für einen Kleintransporter oder das „Ton und Kirschen“-Theater aus Glindow 33 000 Euro für einen Lkw. Der fabrik in Potsdam und dem T-Werk wurden 80 000 Euro für einen Großraum-PKW zur Verfügung gestellt. Und das Ensemble I Confidenti – ebenfalls aus der Landeshauptstadt – bekam 9300 Euro für Computer-, Video- und Fototechnik.

Die Bedeutung der freien Theater wird künftig noch wachsen. Wie Wanka sagte, seien diese auch angesichts der demografischen Entwicklung unabdingbar, um Kultur in der Fläche anzubieten, was auch für den Tourismus wichtig sei. Die freien Theater sind sich dem bewusst. Sie wollen noch stärker als bisher „mit Jöthe uffs Dorf“ (ein Werbeslogan), so Drogla. So ist im Sommer 2009 eine landesweite Spiel-Tour über die Marktplätze Brandenburgs geplant.

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