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Außer Ibrahimovic hat Schweden wenig Klasse
Berlin - Vor ein paar Monaten in Kiew, nach einer überraschenden 0:2-Niederlage gegen Schweden, ist der französische Nationaltrainer gefragt worden, ob er denn eine Erklärung für dieses Debakel habe. Naturellement, sprach Laurent Blanc. Die Schweden hätten da einen, den er auch gern hätte. „Einen Spieler, der ein Spiel allein entscheiden kann.“
Dieser Mann heißt Zlatan Ibrahimovic. Der 31 Jahre alte Stürmer von Paris St. Germain bündelt in sich den zuweilen nur verhaltenen Optimismus der deutschen Nationalspieler vor dem EM-Qualifikationsspiel in Berlin. Ibrahimovic ist Schweden, und Schweden ist Ibrahimovic. So wie sich heute kaum noch jemand die Namen derer rezitieren kann, die 1986 neben Diego Maradona Weltmeister wurden, ist es von untergeordneter Bedeutung, wer im Schatten Ibrahimovics ein blau-gelbes Leibchen tragen darf. Schwedens Nationalteam ist eine der letzten One-Man-Veranstaltungen der Fußballwelt.
Ähnliches wird gern von Cristiano Ronaldos Portugiesen oder Lionel Messis Argentiniern behauptet. Doch Portugal funktionierte zuletzt bei der EM so gut, weil ein hart arbeitendes Kollektiv die Vorzüge Ronaldos perfekt zur Geltung brachte. Und wie wertlos Messi sein kann, das war beim WM-Desaster vor zwei Jahren unter dem Trainer-Dilettanten Maradona zu beobachten. Zur alles überrollenden Naturgewalt wurde er in der Nationalmannschaft erst, als der neue Nationaltrainer zu seiner Unterstützung das Triumvirat mit Sergio Agüero, Gonzalo Higuain und Angel di Maria abkommandierte.
Den Vergleich mit Messi mag Ibrahimovic nicht besonders. Er erinnert ihn an das einzige missratene Jahr seiner Profikarriere. Als er im Sommer 2009 von Inter Mailand zum FC Barcelona wechselte, war das nur anfangs eine Erfolgsgeschichte. Mit seinem bescheidenen Laufaufwand und dem absolutistisch vorgetragenen Anspruch auf Ballbesitz passte er nicht zur von Trainer Pep Guardiola vorgegebenen Philosophie. Immer seltener fand er sich in der Staraufstellung. Er schob das zum einen auf Guardiola, weil dieser „mit mir einen Ferrari gekauft hat und ihn wie einen Fiat fährt“. Und zum anderen auf Messi, der ihm den Platz im Zentrum abspenstig gemacht habe, „darauf wurde das System geändert und ich war das Opfer“.
Die Geschichte ging unappetitlich zu Ende. Mit Ibrahimovics Drohung, dem Trainer bei Gelegenheit eine runterzuhauen. Und der Empfehlung seines Beraters, Guardiola möge sich doch bitte in psychiatrische Behandlung begeben. Ibrahimovic zog beleidigt (und unter beträchtlichen Verlusten für Barça) weiter zum AC Milan, wo er in den folgenden beiden Jahren als Alleinherrscher und Torschützenkönig präsidierte, in der Champions League aber zweimal nicht übers Viertelfinale hinauskam.
Auch die Nationalmannschaft hat er nicht auf höchstes internationales Niveau führen können. Ein Ibrahimovic allein ist eben zu wenig. Doch gerade der Mangel an teaminterner Konkurrenz ermöglicht ihm jene exponierte Stellung, in der er seinen Stil am besten zur Geltung bringen kann. Kaum jemand versteht es so geschickt und robust, auch in ausweglosen Situationen den Ball zu behaupten und damit noch was Vernünftiges anzustellen.
Ibrahimovic ist Einfädler und Vollstrecker, er allein bestimmt das Tempo und gelegentlich auch die Aufstellung. Nachdem im Sommer bei der der EM das Auftaktspiel gegen die Ukraine verloren gegangen war, ließ Ibrahimovic verlauten, er sähe im Angriff lieber Johan Elmander an Stelle des Bremers Markus Rosenberg. Trainer Erik Hamren tat ihm den Gefallen. Es reichte dennoch nur zum vorletzten Vorrundenplatz. Ibrahimovic aber konnte für sich in Anspruch nehmen, dass er bei seiner dritten EM zum dritten Mal zwei Tore erzielt hatte, darunter das vielleicht schönste des Turniers, einen artistischen Seitfallzieher gegen Frankreich. Was Laurent Blanc zu seiner Kiewer Sommerhymne inspirierte. Sven Goldmann
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